Niederlande: Viele Möglichkeiten für KMU

27.05.2013

Einen starken Impuls für die weitere Zusammenarbeit wollen der niederländische König Willem-Alexander und seine Frau durch ihre Reise insbesondere in Hessen und Baden-Württemberg geben. Am 3. und 4. Juni werden sie dort unter anderem mehrere  Unternehmen besuchen. Derzeit ist die niederländische Wirtschaft gekennzeichnet durch eine steigende Arbeitslosenrate, sinkende Immobilienpreise und eine schwache Binnennachfrage. Über den aktuellen Wirtschaftsaustausch zwischen den Niederlanden und Deutschland berichtet Axel Gerberding, Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer.

Im Gespräch mit
Axel Gerberding
Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer

Sehr geehrter Herr Gerberding, am 30. April war der Thronwechsel. Denken Sie, dass dies einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft haben wird? In dem Sinne, dass vielleicht mehr Start-ups entstehen oder der private Konsum, der derzeit schwach ist, gesteigert wird?

Der Thronwechsel wirkt sich nicht direkt auf die wirtschaftliche Entwicklung aus, trägt jedoch positiv zum Geschäftsklima bei. Mehr neue Start-Ups oder einen dauerhaft stärkeren Konsum erwarten wir aber nicht. 

Einer seiner ersten Besuche führt König Willem-Alexander nach Deutschland. Laut Webseite des Königshauses ist es eine Wirtschaftsreise. Wie sieht es aktuell mit dem Wirtschaftsaustausch (Handel und Direktinvestitionen) zwischen den Niederlanden und Deutschland aus? Wie viele deutsche Unternehmen sind derzeit in den Niederlanden aktiv?

2012 betrug das Handelsvolumen unserer beiden Länder etwa 157 Milliarden Euro und ist damit eine der größten Austauschbeziehungen zwischen zwei Ländern weltweit. In den Niederlanden sind vor allem deutsche Maschinen, chemische und pharmazeutische Produkte gefragt. Die Krise hat dieser guten Beziehung keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Gerade niederländische Unternehmen interessieren sich derzeit verstärkt für Geschäfte mit Deutschland. Zwei Drittel der neuen Mitglieder der DNHK stammen derzeit aus den Niederlanden. Die Niederländer sind auch ein wichtiger Direktinvestor in Deutschland in einer Größenordnung von 120 Milliarden Euro. Rund 5.000 niederländische Unternehmen, darunter auch internationale Holdinggesellschaften mit Sitz in den Niederlanden, sind in Deutschland niedergelassen, umgekehrt sind es etwa 3.000. 

Ist der Austausch auf grenznahe Gebiete fokussiert oder findet er genauso gut in grenzfernen Gebieten statt?

Natürlich gibt es in der grenznahen Region einen traditionell engen Austausch. Die Mehrheit der Neuansiedlungen und ein Großteil des Handels fokussiert aber auf die Großstädte: Amsterdam, Rotterdam und Utrecht in den Niederlanden, Düsseldorf, Berlin und Frankfurt in Deutschland. 

Erwarten Sie für die Zukunft eine weitere Vertiefung des wirtschaftlichen Austausches zwischen beiden Ländern oder wird der Austausch mit anderen Ländern für die Niederlande wichtiger werden, beispielsweise Asien oder Afrika?

Vergessen wir nicht, dass der Handel mit fernen Zielen in Asien und Südamerika für einen großen Teil über Zentralen oder Geschäftspartner in Deutschland und den Niederlanden verläuft. Beide Länder sind also füreinander auch Sprungbretter in die ganze Welt. Aber unabhängig davon, wird der direkte Handel mit den Nachbarn auch in Zukunft an erster Stelle stehen. Die Niederlande verkaufen mehr Waren nach Bayern als nach China. Daran wird sich mittelfristig nichts ändern. 

Worin sehen Sie die größten Hindernisse im wirtschaftlichen Austausch zwischen den Niederlanden und Deutschland?

Hindernisse bestehen vor allem in den immer noch deutlich abweichenden gesetzlichen Bestimmungen, bürokratischen Hürden und der Sprachbarriere. Leider sprechen heute weniger Niederländer gut Deutsch als noch vor 20 Jahren. Das muss sich dringend ändern. Umgekehrt glauben viele Deutsche, sie könnten mit ihren bewährten Methoden in den Niederlanden Erfolg haben. Das funktioniert aber nicht so einfach, wie sie oft glauben. 

Wo sehen Sie die größten Chancen für kleine- und mittlere deutsche Betriebe, um in den Niederlanden erfolgreich zu sein?

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Niederlande haben eine gut ausgebaute Dienstleistungsbranche, verfügen aber auch über hoch spezialisierte Anbieter aus der Industrie. Dort können deutsche Unternehmen gute Partner für Entwicklung und Erschließung neuer Produkte und Märkte finden. Besonders große Chancen liegen auf den Feldern Nachhaltiger Bau, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Geothermie, Verbraucherprodukte und Hightech – etwa im Maschinenbau, der Lasertechnologie oder bei Smart Grids.

Welchen Anteil haben KMU (Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern) an der Wirtschaft in den Niederlanden?

Der Anteil der kleinen Unternehmen an der niederländischen Wirtschaft ist hoch. Nur drei von 1.000 Unternehmen haben mehr als 250 Mitarbeiter, auch wenn darunter Namen wie Shell, Unilever und Philips fallen. Der Mittelstand erwirtschaftet knapp zwei Drittel des Gesamtumsatzes der niederländischen Wirtschaft.


Über ausgewählte Investitionsbedingungen in den Niederlanden informiert der EuropaService in seinem Länderinfo Niederlande.

Kurzinserate niederländischer Unternehmen, die auf der Suche nach deutschen Geschäftspartnern sind finden sich in den Eurokontakten.

Mehr Informationen zur Deutsch-Niederländischen Handelskammer finden sich unter https://www.dnhk.org/


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Iris Hemker
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