Türkei: Geschäftsbedingungen für Handel und Investition

Großer Markt mit umfangreichen Chancen - Krisen führen zur Zurückhaltung

Die Corona-Pandemie beeinflusst auch die türkische Wirtschaft negativ, insbesondere aufgrund der hohen Bedeutung des Tourismus (12 Prozent Anteil am BIP) und der intensiven Einbindung in internationale Lieferketten. Wegen der umfangreichen staatlichen Maßnahem erwarten OECD-Experten für 2020 jedoch nur ein Schrumpfen des BIP um 1,3 Prozent. Für das Jahr 2021 prognostizieren sie ein Wachstum um 2,3 Prozent und für 2022 einen Anstieg um 3,2 Prozent. 

Aktuelles und Perspektiven

Türkei

Aktuelle Informationen zu Corona in der Türkei, die für Unternehmen interessant sind, hat u.a. die AHK des Landes zusammengestellt. Über Auswirkungen auf den Güterverkehr mit der Türkei informiert die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer. Weitere Ansprechpartner finden Sie in dieser Länderinformation.

Bis zum Jahr 2023, dem hundertjährigen Bestehen der Republik, strebt Ankara einen Platz unter den zehn größten Volkswirtschaften an. Aufgrund der Krisen in wichtigen Exportmärkten des Landes wie Russland, Irak, Syrien und Libyen und der Ereignisse im Land selbst, wächst die Wirtschaft jedoch weniger dynamisch als vorgesehen. Die mangelnde Rechtsstaatlichkeit führt zu einer abwartenden Haltung vieler Wirtschaftsakteure. Nach Ansicht von Experten muss das Land ein neues Wirtschaftsmodell etablieren, um die Voraussetzungen für mehr Forschung und Entwicklung zu schaffen. Derzeit ist der Staat beispielsweise dabei, weitere Technologieentwicklungszonen aufzubauen. Darüber hinaus will die Regierung die Industrieproduktion stärken, die Exportwirtschaft fördern und die Energie-Importabhängigkeit verringern, zum Beispiel durch verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Ferner sollen die regionalen Diskrepanzen beseitigt werden. Mit mehr als 80 Millionen potenziellen Konsumenten, einer jungen Bevölkerung (die Hälfte ist unter 33 Jahre alt) und einem dynamischen Privatsektor bietet die Türkei einen Binnenmarkt mit großem Investitionspotenzial und vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten.

Einen Kurzüberblick über ausgewählte Aspekte der Geschäftsbedingungen in der Türkei, insbesondere für mittelständische Unternehmen, bietet dieses Länderinfo.

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Deutschland ist weiterhin der bedeutendste Handelspartner der Türkei. Bei den türkischen Einfuhren belegte Deutschland im Jahr 2019 Platz zwei mit einem Anteil von 9,2 Prozent hinter Russland, das einen Anteil von elf Prozent hat. Bei den türkischen Ausfuhren liegt Deutschland auf Platz eins mit einem Anteil von 9,2 Prozent, es folgt Großbritannien mit 6,2 Prozent. 

Die ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich im Jahr 2019 auf einen Bestand von knapp 164.906 Millionen US-Dollar. Deutschland hat hieran etwa einen Anteil von 9,2 Prozent und belegt damit hinter den Niederlanden (21,6 Prozent) und Katar (14,6 Prozent) Platz 3. In der Türkei sind rund 7.300 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung aktiv. Laut Außenwirtschaftszentrum Bayern ist die türkische Arbeitskultur gekennzeichnet von einer ausgezeichneten Arbeitsmoral.

Seit dem 1. Januar 2021 ist der Mindestlohn in der Türkei auf 2826 Lira (etwa 307 Euro; 2,28 Euro/Stunde) angehoben worden.

Chancen für deutsche Exporteure und Investoren sieht das Außenwirtschaftszentrum Bayern vor allem im Energiesektor. Einen Leitfaden für Investitionen in den Energiesektor ist beim türkischen Energieministerium zu finden. Geschäftschancen gibt es ferner bei Infrastrukturvorhaben, im Tourismus, im Umweltschutz und bei der Modernisierung türkischer Industriebetriebe. Rund um erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der Türkei gibt es verschiedene Publikationen beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Für deutsche Unternehmen ist beispielsweise der türkische Medizintechnikmarkt interessant, hier ist die Türkei zu circa 85 Prozent von Importen abhängig, so gtai. Bei Hightech-Geräten wird nahezu der gesamte Bedarf durch Einfuhren gedeckt. Chancen gibt es auch durch einen staatlichen Aktionsplan zur Entwicklung des Gesundheitstourismus. Für 2019 hat Präsident Recep Tayyip Erdogan jedoch angeordnet, dass keine neuen staatlichen Projekte in Angriff genommen werden dürfen.

Um den digitalen Strukturwandel im Land voranzutreiben, hat das Ministerium für Industrie und Technologie eine digitale Road Map veröffentlicht

Ein Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren in die Türkei ist bei gtai zu finden.

Für Hermes-Bürgschaften gilt in der Türkei die Entgeltkategorie fünf. 

Das wichtigste Zahlungsmittel im internationalen Geschäftsverkehr ist die elektronische Banküberweisung über das SWIFT-Netzwerk. Weitere Infos hierzu sowie über den Forderungseinzug und die Risikoeinschätzung bietet Coface.

Die Türkei hat gut 84 Millionen Einwohner (Stand: 2020, vorläufige Schätzung), insgesamt gibt es 20 städtische Zentren mit mehr als einer Million Einwohner. Das Land erwirtschaftete 2019 ein BIP von knapp 761 Milliarden US-Dollar. Es existiert ein starkes wirtschaftliches Gefälle zwischen strukturschwachen ländlichen Gebieten im Osten und Südosten und den wirtschaftlich prosperierenden Metropolen.

  • Im Doing-Business-Report 2020 der Weltbank belegt die Türkei Platz 33 (Stand: Oktober 2019), Details hierzu finden Sie in dem Bericht.
  • Den 86. Platz hat das Land am Bosporus beim Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International inne (Stand: Januar 2021).
  • Platz 61 belegt die Türkei beim Global Competitiveness Index (2019) des Weltwirtschaftsforums (Stand: Oktober 2019). Im Jahr 2020 gab es eine Sonderauswertung im Hinblick darauf, wie sich die Länder auf dem Weg zur wirtschaftlichen Erholung schlagen.
  • In der Liste der unternehmerfreundlichsten Länder des Wirtschaftsmagazins Forbes belegt die Türkei Platz 57 (Stand: Dezember 2018).
  • Beim Global Innovation Index ist die Türkei auf Platz 51 zu finden (Stand: Nov. 2020). 
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Den Rechtsrahmen für Auslandsinvestitionen bildet das Investitionsgesetz Nr. 4875 aus dem Jahr 2003. Seitdem sind Ausländer Inländern gleichgestellt, d. h. es existieren keine inländischen Mindestbeteiligungen an türkischen Gesellschaften, keine gesonderten Investitionsgenehmigungen und keine erhöhten Mindestkapitalanforderungen. 

Auch sind keine gesonderten Investitionsgenehmigungen mehr für Ausländer erforderlich, die erhöhten Mindestkapitalanforderungen sind ebenfalls entfallen. Das Gesetz über ausländische Direktinvestitionen ist bei der Investitionsförderagentur zu finden.

Zwischen Deutschland und der Türkei gilt das bilaterale Investitionsschutzabkommen vom 20. Juni 1962.

Jeder Ausländer, der selbstständig oder unselbstständig in der Türkei arbeiten möchte, benötigt eine Arbeitserlaubnis. Informationen zur Beantragung einer Arbeitserlaubnis in der Türkei finden Sie im Investorenleitfaden der Förderagentur.

Das türkische Handelsgesetz unterscheidet Personen- und Kapitalgesellschaften. Zu den Kapitalgesellschaften zählen die Aktiengesellschaft und die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 

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AG: Anonim Sirket (A.S.)
Das Mindeststammkapital liegt zurzeit bei 50.000 TRY, les kann in Geld- oder Sachleistungen erbracht werden. Die Gründung kann durch einen Aktionär erfolgen. Die Gesellschafter haften in Höhe ihrer Einlage. 

GmbH: Limited Sirket (Ltd. Sti.)
Das Mindeststammkapital liegt zurzeit bei 10.000 TRY, es kann sowohl aus Geld- als auch Sacheinlagen bestehen. Nach Angaben der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer gibt es keine Einzahlungsverpflichtung mehr bei Gründung der GmbH. Der Kapitalanteil jedes Partners muss mindestens 25 TRY betragen. Die Gründung mit einem Gesellschafter ist möglich. Die Ltd. Sti. gilt in der Türkei als kleine Schwester der A.S., daher gelten viele Bestimmungen der A.S. auch für die Ltd. Sti. 

GmbH & Co.KG: Diese Rechtsform ist in der Türkei nicht zulässig.

KG (Komandit Sirket):
Es besteht keine Mindestkapitalanforderung. Sie wird von mindestens zwei Gesellschaftern gegründet, einer haftet mit seinem Privatvermögen und der andere nur mit seiner Einlage.

Kollektivgesellschaft (Kol.Srk.)
Sie wird von mindestens zwei Personen gegründet, um ein Handelsgewerbe zu betreiben. Es gibt kein Mindestkapital, die Gesellschafter haften gesamtschuldnerisch und mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Ausländischen Investoren stehen alle Firmenformen nach dem türkischen Handelsgesetzbuch offen.

Eine Zweigstelle ausländischer Unternehmen besitzt keine eigene Rechtspersönlichkeit, kann aber selbstständig wirtschaften und Geschäfte abschließen. Zur Gründung muss eine Erlaubnis des Ministeriums für Industrie und Handel eingeholt werden.

Eine Repräsentanz oder ein Verbindungsbüro („Irtibat Bürosu") hingegen übt keine eigene Geschäftstätigkeit aus. Eine Genehmigung zur Errichtung erteilt das Wirtschaftsministerium. Die erstmalige Genehmigung gilt für drei Jahre, normalerweise wird keine Verlängerung für Marktforschungsbüros erteilt.

Eine Übersicht über die Gründungsformalitäten mit Dauer und Kosten für die AG und die GmbH finden Sie bei der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer.

Informationen zur Unternehmensgründung sind auch bei der Agentur Invest in Turkey zu finden.

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Für sämtliche Unternehmensformen ist eine Eintragung ins Handelsregister erforderlich. Die Registrierung eines Unternehmens erfolgt jetzt nur noch bei den Handelsregistern bei den Handelskammern, die als „One-Stop-Shop“ konzipiert sind. 

Zweigstellen benötigen zuvor eine Genehmigung des Ministeriums für Industrie und Handel. 

Laut staatlichen Angaben kann die Eintragung binnen eines Tages erfolgen, wenn alle erforderlichen Dokumente vorliegen. Die Adressen der Handelskammern sind auf der Webseite der zentralen Organisation zu finden, unter -> Chambers and Commodity Exchanges.

Nach Abschluss der Registrierung benachrichtigt das Handelsregisteramt das zuständige Finanzamt und die Sozialversicherung über die Gründung der Gesellschaft. Das Registeramt übernimmt ferner die Veröffentlichung im Handelsregisteranzeiger.

Der allgemeine Körperschaftsteuersatz wurde für das Jahr 2020 auf 20 Prozent gesenkt. Nach Angaben der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer gilt dieser Satz nur noch für das 1. Quartal 2021. Danach gilt für das restliche Jahr 2021 ein Satz von 25 Prozent und ein Satz von 23 Prozent für Einkommen aus dem Jahr 2022.

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Vergünstigungen sind möglich für Investitionen in bestimmten Branchen/Regionen. Insbesondere für Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung, die außerhalb technologischer Entwicklungszentren ausgeübt werden.

Weitere Informationen zur Körperschaftsteuer finden Sie im Steuerleitfaden der Förderagentur im Kapitel 2.

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(Türkisch: KDV – Katma Deger Vergisi)

Der Standardsatz beträgt 18 Prozent. Die ermäßigten Sätze liegen bei einem Prozent (z.B. trockene Nahrungsmittel, Baumwolle, Weizen, Zeitungen und Zeitschriften) oder acht Prozent (Gundnahrungsmittel, Bücher, Textilien und Medizinprodukte). 

In der Türkei gibt es keine Schwelle, ab der sich ein Unternehmen für die Mehrwertsteuer registrieren muss.

Bei einigen Waren wird zusätzlich zur KDV noch die Sonderverbrauchsteuer ÖTV (Özel Tüketim Vergisi, Special Consumption Tax) erhoben. Die Sätze variieren stark. Laut Außenwirtschaftszentrum Bayern gelten folgende Sätze: für haltbare Konsumgüter und Luxusgüter (zwischen 6,7 und 20 Prozent), für alkoholische Getränke wie Bier, Champagner (zwischen 63 und 104,87 Prozent), für Personenkraftwagen (zwischen 15 und 145 Prozent, je nach Hubraum), für Zigaretten, Zigarren, Zigarillos (40 bis 65,25 Prozent) und für Mobilitelefone (25 Prozent).

Mehr Informationen zur Mehrwertsteuer finden Sie im Steuerleitfaden im Kapitel 4.

Am 1. August 2012 wurden die Ratifikationsurkunden zum Doppelbesteuerungsabkommen ausgetauscht. Damit ist das bereits am 19. September 2011 unterzeichnete und in der Folgezeit sowohl in der Türkei als auch in Deutschland ratifizierte neue Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft. 

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Es entfaltet Rückwirkung zum 1. Januar 2011. Damit wird ein lückenloser Übergang zu dem am 21. Juli 2009 durch Deutschland gekündigten Abkommen vom 16. April 1985 (BGBl. 1989 II S. 866 ) gewährleistet, das noch bis zum 31. Dezember 2010 galt. Im Jahr 1062 hatte die Türkei ihr erstes Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland abgeschlossen.

Der Text des seit 1. Januar 2011 gültigen DBA ist beim Bundesfinanzministerium zu finden über ->Themen -> Steuern -> Internationales Steuerrecht -> Staatenbezogene Informationen.

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Gesetzliches Zahlungsmittel ist die Türkische Lira (TRY), sie ist frei konvertibel. Der aktuelle Kurs wird bei der türkischen Zentralbank veröffentlicht

Die Einfuhr von türkischen Banknoten und Münzen, sonstiger Devisen und Valuten, ist nicht beschränkt. Beträge von mehr als 10.000 Euro müssen jedoch dem Finanzministerium mitgeteilt werden.

Am 13. September 2018 hat Präsident Recep Tayyip Erdogan per Dekret verkündet, dass alle Verträge innerhalb der Türkei in Lira ausgestellt werden müssen, um die heimische Währung zu stärken. Die Übergangsfrist für die Umstellung von in Fremdwährung lautender Geschäftsverträge betrug 30 Tage.

Ausländische natürliche und juristische Personen, also Personen, deren Sitz im Ausland liegt, können Grundstücke seit Mai 2012 bis zu 30 Hektar erwerben, bezogen auf das gesamte Territorium der Türkei. Diese Grenze kann mit Sondergenehmigung auf 60 Hektar erhöht werden. 

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Zudem gibt es Höchstgrenzen für den Grundbesitz in ausländischer Hand (zehn Prozent der in den Bauleitplänen ausgewiesenen Fläche auf Bezirksebene, "ilce"). Innerhalb von zwei Jahren muss ein Plan zur Entwicklung des Grundstücks existieren, andernfalls kann gegebenenfalls der Erwerb aufgehoben werden.

Weiterhin eingeschränkt ist der Erwerb von Grundeigentum in Wald-, Küsten-, Natur- und militärischen Sicherheitszonen.

Ausländische juristische Personen dürfen Immobilien erwerben, die zur Durchführung des im Gesellschaftsvertrag bestimmten Gesellschaftszwecks erforderlich sind.

Für den Kauf einer Immobilie ist kein Notar erforderlich, da der Kaufvertrag direkt vor dem Grundbuchamt geschlossen wird. 

Mit dem Kauf einer Immobilie ist aber die Zahlung einer Stempelsteuer in Höhe von drei Prozent des Kaufpreises verbunden. Die Türkei erhebt eine Grundsteuer in Höhe von 0,1 Prozent auf Wohngebäude, 0,2 Prozent auf Geschäftsräume, 0,1 Prozent auf unbebautes Land und 0,3 Prozent auf bebautes Land. Diese Steuersätze können in größeren Städten um bis zu 100 Prozent höher liegen, so gtai.

Ein Merkblatt zum Immobilienrecht findet sich bei Rumpf Rechtsanwälte

Um Investitionen zu forcieren, gibt es drei Arten von speziellen Investitionszonen: Technologieentwicklungszonen, organisierte Industriezonen und Freihandelszonen.

Türkei

Auf dem EU-Gipfel im Dezember 2020 wurde grundsätzlich beschlossen neue Sanktionen gegen die Türkei zu verhängen, die vom Ministerrat noch endgültig beschlossen werden müssen. Hintergrund sind die nicht genehmigten türkischen Erdgaserkundungen vor Zypern. 

Auf dem EU-Gipfel im März 2021 wird über die weitere Türkei-Politik beraten. Ende 2020 hatte die Türkei die Rückkehr zu einer Reformagenda vor allem für die Wirtschaft, Justiz und Menschenrechte angekündigt.

Aufgrund des Gasstreits mit Zypern im Mittelmeer und der türkischen Militäroffensive in Syrien sowie dem Streit um die Rechtsstaatlichkeit werden der Türkei die Beitrittshilfen für 2020 um etwa 75 Prozent gekürzt. Das Geld fließt zum Teil an die Regierung und zum Teil in Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft.

Bereits auf dem EU-Gipfel Mitte Oktober 2017 hatten die Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen, aufgrund der verschlechterten Menschenrechtslage die Vorbeitrittshilfen für die Türkei zu kappen, das Land aber weiter als Partner zu betrachten. 

Die EU-Förderung für die Türkei wird seit 2007 aus dem Programm IPA („Instrument for Pre-accession Assistance“) gezahlt. Es dient der Vorbereitung des EU-Beitritts. Die hierunter definierten Vorhaben basieren auf einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen der EU und der türkischen Regierung. Dabei stehen institutionelle Reformen im Mittelpunkt, sowie die Restrukturierung wichtiger Wirtschaftsbereiche und die Verbesserung der Infrastruktur. 

Ausschreibungen aus IPA werden von den türkischen Behörden vergeben, wie der türkischen Central Finance and Contracts Unit.

Auf einem Sondergipfel der EU und der Türkei Ende November 2015 war vereinbart worden, dass das Land am Bosporus Geld von der EU für die Versorgung von Flüchtlingen vor Ort erhält.

Bereits seit 1999 hat die Türkei offiziell den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Beitrittsverhandlungen wurden am 3. Oktober 2005 aufgenommen. Die Türkei wird von der EU mit jährlichen Fortschrittsberichten genau beobachtet. Als Vorbereitung der türkischen Bewerbung um eine EU-Mitgliedschaft wurde 1995 eine Zollunion aus der Taufe gehoben. 20 Jahre später ist Mitte Mai 2015 ein Fahrplan vereinbart worden, um Dienstleistungen, öffentliche Ausschreibungen und die meisten landwirtschaftlichen Produkte einzubeziehen. Mitte Dezember 2016 ersuchte die EU-Kommission den Rat der EU um ein Mandat für Verhandlungen mit der Türkei zur Modernisierung der Zollunion. Dies wurde EU-intern diskutiert, im Juni 2018 wurde ein vorläufiger Schlussstrich gezogen. Danach sind keine weiteren Arbeiten zur Modernisierung der EU-Türkei-Zollunion vorgesehen. Die EU ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner der Türkei.

Informationen zum Austausch zwischen der Türkei und der EU veröffentlicht die EU-Kommission.

Ein Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren in die Türkei bietet gtai auf ihren Seiten. Auf bestimmte Stahlprodukte mit Warenursprung Türkei erhebt die EU seit dem 7. Januar 2021 vorläufige Antidumpingzölle. Die Zusatzzölle belaufen sich auf 4,8 bis 7,6 Prozent. Im Juli 2021 wird darüber endgültige entschieden. 

Der Beitrittsprozess wird unter den EU-Staaten weiterhin kontrovers diskutiert, obwohl er mit dem Verhandlungsbeginn bereits eingeleitet wurde. Eigentlich ist das Ziel der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ein EU-Beitritt noch vor 2023 zu erreichen, dann feiert die Türkische Republik ihr hundertjähriges Bestehen. Bisher wurde allerdings nur eines der 35 Verhandlungskapitel vorläufig geschlossen.

Den jüngsten Bericht der EU-Kommission zur Türkei finden Sie auf den Seiten der Kommission. 

Der Beitritt zur EU ist prinzipiell abhängig von der Etablierung einer marktwirtschaftlichen Ordnung (gilt als erreicht), der Anpassung an den Rechtsbestand der Gemeinschaft und der Fähigkeit der Wirtschaft, dem innergemeinschaftlichen Wettbewerbsdruck standzuhalten (gilt als mittelfristig erreichbar). Zusätzliche Aspekte sind die der Rechtsstaatlichkeit, der Demokratie und des Schutzes von Minderheiten und Menschenrechten.

Im Winter 2006/2007 wurden die Verhandlungen unterbrochen. Die Europäische Kommission hatte eine Empfehlung dafür abgegeben, acht wichtige Verhandlungskapitel vorerst nicht zu eröffnen. Der Grund liegt im weiterhin ungeklärten Verhältnis der Türkei zu Zypern. Seit Mitte 2010 wird das Kapitel 12, Lebensmittelsicherheit verhandelt. Am 5. November 2013 wurde das Verhandlungskapitel Regionalpolitik eröffnet. Am 30. Juni 2016 wurden die Gespräche über das Kapitel Finanz- und Haushaltsregeln bei einer Vollmitgliedschaft der Türkei begonnen. Damit sind 16 von 35 Kapiteln eröffnet worden. Erfolgreich abgeschlossen werden konnte bislang nur das Kapitel Forschung und Wissenschaft.

Informationen im Zusammenhang mit dem Beitritt der Türkei finden Sie bei der EU-Kommission.

Anfang Juni 2014 hatte sich die Türkei dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 aus der Förderperiode 2014 bis 2020 angeschlossen. Das Abkommen gewährt Forschungseinrichtungen aus der Türkei Assoziiertenstatus. Interesse besteht  Medienberichten zufolge auch an dem Nachfolgeprogramm Horizon Europe der Förderperiode 2021 bis 2027. Auch dem EU-Finanzierungsprogramm für kleine und mittelgroße Unternehmen, COSME, hatte sich das Land angeschlossen. Ab 2021 ersetzt das KMU-Fenster in InvestEU die Fazilitäten für Bürgschaften und für Beteiligungen aus dem vorherigen Programm COSME. 

Weitere Informationen sind zu finden bei der Delegation der EU in der Türkei.

Am 1. Januar 2012 ist ein neues System der Investitionsanreize in Kraft getreten, mit dem die Türkei zum einen die Importabhängigkeit reduzieren und zum anderen die Hochtechnologie und weniger entwickelte Regionen fördern möchte. Im Jahr 2016 gab es noch eine Ergänzung. Das Anreizsystem besteht aus vier verschiedenen Programmen, hierzu gehören:

  • das allgemeine Investitionsförderprogramm,
  • das regionale Investitionsförderprogramm,
  • das projektbasierte Investitionsförderprogramm und
  • das strategische Investitionsförderprogramm.
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Das Fördersystem bietet einen Mix aus Steuererleichterungen, Zollermäßigungen, Übernahme anteiliger Beiträge des Arbeitgebers zur Sozialversicherung, kostengünstigen Grundstücken, Zuschüssen und vergünstigten Finanzierungsangeboten. Ausländische und türkische Antragsteller haben den gleichen Anspruch auf die Nutzung der Förderung. Die Förderung ist allgemein dabei abhängig von der Region, in der die Investition getätigt werden soll. Insgesamt werden sechs Regionen unterschieden. In der Region 1 sind die wirtschaftlich stärksten Regionen zusammengefasst, wie beispielsweise Istanbul. In der Region 6 entsprechend die schwächsten Regionen wie zum Beispiel Hakkari. Ferner spielt die Branche eine Rolle und die Höhe der Investitionssumme.

Einen guten Überblick über die Investitionsförderung wird von der Förderagentur auf Deutsch zur Verfügung gestellt.

Dort sind auch Informationen auf Deutsch zu den drei unterschiedlichen Arten von Investitionszonen (Technologiezonen, organisierte Industriezonen und Freihandelszonen) zu finden.

Eine zusammenfassende Broschüre über die verschiedenen Formen der Investitionsförderung gibt es auf Englisch bei der Förderagentur. Auch das Ministerium für Industrie und Technologie informiert über Investitionsanreize.

 

Speziell für Investitionen in den Energiesektor gibt es einen Leitfaden bei der Förderagentur. Um besonders die erneuerbaren Energien zu fördern, gibt es zum Beispiel Einspeisetarife: Für

  • Wasserkraftanlagen 7,3 US-Dollercent/kWh
  • Windkraftanlagen 7,3 US-Dollarcent/kWh
  • Erdwärmekraftwerk 10,5 US-Dollercent/kWh
  • Biomassekraftwerk 13,3 US-Dollarcent/kwh
  • Solarkraftanlage 13,3 Us-Dollarcent/kWh

 - Mittelstandsfinanzierung

Über die türkische Förderbank können Betriebe u.a. Förderkredite aus Mitteln der EIB erhalten.

Der nationale Kredit- und Garantiefonds (Kredi Garanti Fonu, KGF) bietet Kreditbürgschaften als Ergänzung zu regulären Bankkrediten für KMU. Der Fonds arbeitet über verschiedene Partnerbanken. Die Kosten für die Garantien sind reduziert durch eine Rückbürgschaft des EIF.

Die Förderagentur für KMU (KOSGEB) ist beim Ministerium für Industrie und Handel angesiedelt und verfügt über eine ganze Reihe von Außenstellen. Die Agentur bietet neben Beratung und Schulung in einer Vielzahl von Bereichen auch kostenlose Analyse, Prüfung und Qualitätsmessung von Produkten an, unterstützt Forschungsvorhaben durch diverse Projekte und vermittelt Geschäftspartner. KOSGEB ist auch Vertragspartner der EU zur Durchführung verschiedener Entwicklungsvorhaben für lokale KMU. Über die Aktivitäten der Agentur informiert eine Broschüre. Informationen zu den verschiedenen Unterstützungsangeboten sind dort ebenfalls zu finden.

Kücük ve Orta Ölcekli Sanayi Gelistirme ve Destekleme idaresi Baskanligi (KOSGEB)
Small and Medium Enterprises Development Organization of Turkey 
Anafartalar Mah. İstanbul Cad. No: 32
06050 Ulus / Altındağ / ANKARA - TURKEY
Tel.: +90 312 595 28 00
Fax: +90 312 368 07 15
E-Mail: bilgi@kosgeb.gov.tr, Internet:  https://en.kosgeb.gov.tr/

Für die Förderung von F&E-Vorhaben gibt es ein eigenes F & E-Gesetz. Die wissenschaftliche und technologische Forschungsgemeinschaft der Türkei (TUBITAK) erstattet F & E-Kosten und gewährt Kredite für F & E-Projekte.

TÜBITAK
Tunus Caddesi No:80, 06100 KAVAKLIDERE, ANKARA, TÜRKEI
Tel.: +90 312 298 17 50
E-Mail: uidb@tubitak.gov.tr, Internet: https://www.tubitak.gov.tr/en

Informationen zu Förderungen für Unternehmen auf Türkisch bietet das Ministerium für Industrie und Technologie.

Die Europäische Union unterstützt Unternehmen in der Türkei mit einer breiten Palette von EU-Programmen, die Darlehen, Bürgschaften, Risikokapital und andere Formen bereitstellen. Diese Finanzinstrumente werden von Finanzintermediären wie Banken, Risikokapitalfonds und anderen Finanzinstituten verwaltet. Ansprechpartner sind lokale Kreditinstitute. 

Die Einrichtungen des Enterprise Europe Network arbeiten im Auftrag der EU. Sie beraten vor allem mittelständische Unternehmen über EU-Fragen und grenzüberschreitende Kooperationsmöglichkeiten. Der EuropaService der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe kooperiert mit diesem Netzwerk. Die Partner des türkischen Enterprise Europe Network sind in 24 Städten zu finden.

Für Investoren gibt es als wesentlichen Ansprechpartner die Agentur „Invest in Turkey“, die als zentrale Anlauf- und Informationsstelle in Ankara und Istanbul für ausländische Investoren eingerichtet wurde.

Invest in Turkey Agency
Kavaklidere Mahallesi Akay Caddesi No:5, 06640 Cankaya-Ankara, TÜRKEI
Tel.: +90 312 413 89 00
Fax: +90 312 413 89 01
Internet: https://www.invest.gov.tr

YASED - Verband der internationalen Investoren in der Türkei
Dikilitaş Emirhan Cad. No. 113 Barbaros Plaza Kat 16
34349 Beşiktaş / İstanbul - TÜRKEI
Tel.: +90 212 272 5094
Tax: +90 212 274 6664
E-Mail: info@yased.org.tr, Internet: http://www.yased.org.tr/en

Türkiye Odalar ve Borsalar Birligi (TOBB)
Vereinigung der Kammern und Warenbörsen der Türkei
Dumlupinar Bulvari No: 252 (Eskisehir Yolu 9. Km.), 06530 Ankara, TÜRKEI
Tel.: +90 312 218 20 00
Fax: +90 312 219 40 90
E-Mail: info@tobb.org.tr, Internet: https://www.tobb.org.tr

Deutsche Botschaft Ankara
Atatürk Bulvarı 114, 06690 Kavaklıdere - Ankara - TÜRKEI
Tel.: 0090 312 455 51 00
Internet: https://tuerkei.diplo.de

Deutsch - Türkische Industrie- und Handelskammer
Alman - Türk Ticaret ve Sanayi Odasi
Yeniköy Tarabya Cad. No.88, 34457 Tarabya-Istanbul, TÜRKEI
Tel.: +90 212 363 05 00
Fax: +90 212 363 05 60
E-Mail: info@dtr-ihk.de, Internet: https://www.dtr-ihk.de/

Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer
Leipziger Platz 14
10117 Berlin
Tel.: 0 30 / 233 299 50
Fax: 0 30 / 233 299 510
E-Mail: info@td-ihk.de, Internet:  https://www.td-ihk.de/de/

Türkische Botschaft
Tiergartenstr. 19 - 21, 10785 Berlin
Tel.: +49 30 278 98 030 (Handelsabteilung)
Fax: +49 30 278 98 040 (Handelsabteilung
E-Mail: botschaft.berlin@mfa.gov.tr
Internet: http://berlin.emb.mfa.gov.tr

Einen kurzen allgemeinen Einblick mit einer Reihe von Links zu Anlaufstellen in Deutschland und die Türkei bietet das Außenwirtschaftsportal Ixpos.

Germany Trade and Invest (gtai) stellt eine Vielzahl von Informationen zur Türkei zur Verfügung.

Einen Leitfaden für Exporte für die Türkei erstellt das Außenwirtschaftszentrum Bayern in Zusammenarbeit mit der Außenwirtschaft Österreich.

Informationen zu verschiedenen Branchen in der Türkei sind bei der Förderagentur des Landes zu finden.

Portal zu Rechtsquellen (Deutsch) sowie Rechtshinweise, erstellt und zusammengestellt von der Kanzlei Prof. Rumpf:

Um Geschäftspartner in der Türkei zu finden, bietet Ihnen der EuropaService verschiedene Möglichkeiten an, die auf unseren Webseiten im Bereich Kooperationsservice vorgestellt werden. In der Rubrik Eurokontakte stehen beispielsweise anonymisierte Kurzprofile türkischer Unternehmen, die auf der Suche nach Geschäftspartnern in Deutschland sind. Eine Auswahl internationaler Kooperationsbörsen/Unternehmerreisen findet sich im Bereich Unternehmertreffen und um sein eigenes Profil im Ausland zu veröffentlichen, gibt es die aktive Geschäftspartnersuche. Einzelheiten sind in unserem Leitfaden erläutert. Die Abläufe sind in einer Grafik übersichtlich dargestellt. Bei Fragen helfen wir gern weiter europaservice@dsgv.de, Tel.: 0 30 20225-5798.

Ihre Sparkasse ist Ihr Ansprechpartner auch für alle Fragen rund um die Begleitung internationaler Geschäftsvorhaben in der Türkei. Sie greift für ein breites Informations- und Leistungsangebot auf eigene Kenntnisse, auf Verbundpartner wie den EuropaService, auf ein Netzwerk internationaler Partnerbanken und weitere Spezialisten der Sparkassen-Finanzgruppe zurück. Diese Partner bilden das internationale Netzwerk der Sparkassen-Finanzgruppe.

Hilfestellung, Beratung, Vor-Ort-Begleitung und die passenden Finanzprodukte für Ihr Vorhaben in der Türkei erhalten Sie aus einer Hand über Ihren Firmenkunden- oder Auslandsfachberater.

Falls Sie noch kein Kunde einer Sparkasse sind und Ihnen Ansprechpartner für die Türkeit fehlen, wenden Sie sich einfach an den EuropaService. Wir helfen Ihnen gerne weiter. Ihre Sparkasse vor Ort können Sie auch mit Hilfe der folgenden Internetadresse finden https://www.sparkasse.de/service/filialsuche.html.

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Diese Angaben haben wir mit größtmöglicher Sorgfalt aus vielen Quellen zusammen gestellt. Wegen der sich ständig weiter ändernden Rahmenbedingungen können wir jedoch für Vollständigkeit und Inhalt der Informationen keine Gewähr übernehmen. Komplette Bearbeitung: Stand Januar 2021. Wichtige Entwicklungen werden laufend eingearbeitet, ohne dass das Erstellungsdatum geändert wird. Die neueste pdf-Version des Länderinfo kann daher am besten jeweils aktuell von der Internetseite (https://europaservice.dsgv.de/laenderinfos/schweden-zypern/tuerkei.html) generiert werden.

Iris Hemker
Länderinfos, Kooperationsservice


030 20225 5796


030 20225 5799

Investitionsbedarf ist groß

Energieeffizienz und Erdbebensicherheit sind in der Türkei gefragt. Gute Chancen also für den deutschen Mittelstand, sagt Suat Bakir, Geschäftsführer der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin.