Neuerungen bei EU-Förderung 2021-2027

10.02.2021

Erst kurz vor Weihnachten 2020 hat die EU ihren Haushalt mit Förderprogrammen ab 2021 festzurren können. Der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) bis 2027 umfasst 1.074,3 Milliarden Euro. Für den akuten Kampf gegen die Folgen der Pandemie wurden weitere 750 Milliarden Euro im Instrument Next Generation EU (NGEU) bis 2023 vorgesehen.

file

Der Hauptteil von NGEU – 672,5 Milliarden Euro – entfällt auf die Fazilität für Wiederaufbau und Resilienz (Recovery and Resilience Facility, RRF), aus der die EU-Mitgliedstaaten sowohl Zuschüsse (312,5 Milliarden) als auch Darlehen (360 Milliarden) für die Bewältigung der Krisenfolgen erhalten. Mit gleicher Zielsetzung gehen weitere 47,5 Milliarden Euro an REACT-EU, um Auszahlungen aus bestehenden Programmen der Strukturfonds 2014-2020 zu ergänzen.

Von den verbleibenden 30 Milliarden Euro werden zwei Drittel eingesetzt, um die Mittel für die nachfolgend dargestellten wichtigen Förderschwerpunkte aufzustocken. Weitere 7,5 Milliarden Euro ergänzen die Strukturförderung für den ländlichen Raum.

Green Deal gegen den Klimawandel

Der Europäische Green Deal genießt hohe öffentliche Wahrnehmung als Schlüsselprojekt der Kommissionspräsidentin von der Leyen. Er stellt, neben rechtlichen Regelungen wie dem Klimagesetz, für die kommenden zehn Jahre – nicht nur bis 2027 – als Gesamtwert EU-induzierter öffentlicher Investitionen die markante Zahl von 1 Billion Euro in Aussicht.

Sie beruht vor allem auf der Vorgabe, mindestens 30 Prozent aller Mittel von MFR und NGEU in Maßnahmen gegen den Klimawandel zu stecken. Diese knapp 540 Milliarden Euro ergeben mit erforderlichen nationalen Kofinanzierungen und hochgerechnet auf zehn Jahre die gewünschte Billion.

Als eigenes Budget enthält der Green Deal 17,5 Milliarden Euro für einen Fonds für den gerechten Übergang (Just Transition Fund, JTF) in Regionen, die von Maßnahmen gegen den Klimawandel besonders betroffen sind – 7,5 Milliarden aus dem MFR und zusätzlich 10 Milliarden Euro aus NGEU. In Deutschland wird ein Teil dieser Mittel in die Braun- kohlereviere nach Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt fließen – abgestimmt mit Maßnahmen des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen.

InvestEU bündelt alle Finanzinstrumente

Große Teile ihres Budgets vergibt die EU als Zuschüsse für Projekte, aber zuletzt wurden wachsende Beträge in immer mehr Finanzinstrumente – Kredite, Bürgschaften oder Beteiligungskapital – für Ertrag bringende Investitionen umgesetzt. 2020 kannte die EU ganze 17 Fazilitäten für Finanzinstrumente mit unterschiedlichen Regeln für ihre Umsetzung.

Diese wurden nun alle in einem Fonds namens InvestEU zusammengefasst und dessen Regeln vereinheitlicht. Die gelten dann gleichermaßen für vier verschiedene thematische Fenster:

·       Nachhaltige Infrastruktur

·       Forschung, Innovation und Digitalisierung

·       Kleine und mittlere Unternehmen

·       Soziale Investitionen und Kompetenzen.

Diese entsprechen etwa den vier Themenbereichen für EU-Förderprogramme, die der EuropaService seit 2013 auf seiner Webseite verwendet.

InvestEU wurde mit 9,4 Milliarden Euro ausgestattet, 3,8 Milliarden aus dem MFR und 5,6 Milliarden aus NGEU. Wenn diese Mittel genutzt werden, um Budgetgarantien zu 40 Prozent zu unterlegen, können letztere im Umfang von 23,5 Milliarden Euro eingesetzt werden. Im Mai 2018 hatte die EU-Kommision für InvestEU noch ein Budget von 15,2 Milliarden allein im MFR geplant.

Die InvestEU-Garantien für Finanzinstrumente haben eine Hebelwirkung und machen dadurch ein Vielfaches an Finanzierungsbeträgen möglich; insgesamt soll InvestEU nun bis 2027 Investitionen von 400 Milliarden Euro auslösen; nach dem ursprünglichen Vorschlag der EU- Kommission hätten es 650 Milliarden werden sollen.

Wenn EU-Finanzinstrumente in Kredite umgesetzt werden, sind Sparkassen – und andere Kreditinstitute – in besonderer Weise dabei eingebunden und bieten die Kredite in ganz Deutschland vor Ort an. Die KfW refinanziert zum Beispiel mit Unterstützung durch die EU seit vielen Jahren Förderkredite für Existenzgründer und innovative Unternehmen bzw. Vorhaben; Gründer und andere Unternehmer können diese EU-Förderung bei ihrer Hausbank beantragen.

Die am häufigsten genutzten deutschen Förderprogramme mit EU-Unterstützung sind der ERP-Gründerkredit Startgeld und das ERP-Digitalisierungs- und Innovationsprogramm der KfW. An Startgeld-Krediten wurden 2020 in Deutschland 225 Millionen Euro vergeben, 131 Millionen davon (58 Prozent) durch Sparkassen; beim Digitalisierungs- und Innovationsprogramm waren es insgesamt 205 Millionen Euro und davon durch die Sparkassen-Finanzgruppe 110 Millionen (54 Prozent).

Horizont Europa für Forschung und Innovation

Forschung und Innovation zählen neben Nachhaltigkeit und Klimawandel zu den höchstrangigen und zukunftsorientierten Förderziele der EU – und das schon seit vielen Jahren. Nach Horizont 2020 in der letzten Förderperiode heißt das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation nun ab 2021 Horizont Europa oder Horizon Europe (HEU).

Das Budget für Horizont Europa für 2021 bis 2027 beträgt 84,4 Milliarden Euro – davon 5 Milliarden aus NGEU. Diese Mittel werden weit überwiegend als Zuschüsse vergeben, denn Forschung erfolgt hauptsächlich durch den Einsatz von Menschen, für deren Personalkosten sich keine Kreditfinanzierung anbietet, sondern außer Zuschüssen allenfalls Beteiligungskapital.

EU-Zuschüsse für meist grenzüberschreitende Forschungsvorhaben werden in der Regel durch Aufrufe zur Einreichung von Projektvorschlägen in einem Wettbewerbsverfahren vergeben. Vor allem marktnähere Entwicklungen, also Innovationen, werden aber auch zunehmend durch Finanzinstrumente gefördert. Diese sind jetzt allerdings nicht mehr in Horizont Europa enthalten, sondern in das obengenannte InvestEU übergegangen, und zwar in dessen Fenster Forschung, Innovation und Digitalisierung.

Neu ab 2021 ist der sogenannte EIC Accelerator als Nachfolger des KMU-Instruments und als ein Förderangebot des Europäischen Innovationsrats (European Innovation Council, EIC). Er kann kleine und mittlere Unternehmen bei risikoreichen Innovationen auch ohne ausländische Partner und einzeln unterstützen, und das nicht nur durch Zuschüsse, sondern auch durch Beteiligungskapital („blended finance“). Für letzteres ist ein Beteiligungsfonds (EIC Equity Fund) bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) errichtet worden, der bis 2027 über rund 3 Milliarden Euro verfügt.


Nähere Ausführungen über die neue Ausgestaltung der EU-Förderung für 2021 bis 2027 für die Themenbereiche Forschung und Innovation, Gründung und Investitionen, Beschäftigung und Soziales sowie Umwelt, Energie und Verkehr finden sich auf dieser Webseite im Bereich EU-Förderprogramme


Copyright

© Diese Ausarbeitung oder Teile aus ihr dürfen ohne Erlaubnis des EuropaService der Sparkassen-Finanzgruppe nicht reproduziert werden. Zitate sind mit Nennung der Quelle gestattet. Die Weitergabe durch Institute der Sparkassen-Finanzgruppe an deren Kunden ist frei.

Dr. Bertram Reddig
Leitung EuropaService, Förderung durch die EU und Deutschland


030 20225 5798


030 20225 5799