Andalusien bietet Stabiliät

25.09.2017

Im Gegensatz zu Katalonien tastet Andalusiens Regionalregierung den Status des Nationalstaates nicht an. Diese Stabilität ist ein großer Vorteil für deutsche Unternehmen, sich dort wirtschaftlich zu engagieren. Dr. Björn Jürgens von der andalusischen Agentur für Innovation und Entwicklung erläutert Andalusiens Vorzüge und wie die Agentur als Teil des Enterprise Europe Network (EEN) kleinen und mittleren Unternehmen helfen kann. Als assoziierter Partner des EEN kann der EuropaService der Sparkassen-Finanzgruppe Firmenkunden beim Schritt nach Andalusien unterstützen.  

Andalusien bietet Stabiliät
Im Gespräch mit
Dr. Björn Jürgens
Andalusische Agentur für Innovation und Entwicklung

Herr Dr. Jürgens: Kataloniens Regionalpräsident will die Katalanen am 1. Oktober über die Unabhängigkeit von Spanien abstimmen lassen. Wie wird dies Vorhaben in Andalusien gesehen?

Ich kann natürlich nicht für Andalusien sprechen, aber mein Eindruck von Gesprächen mit Freunden und Bekannten ist, dass der ganze Prozess in Katalonien hier in Andalusien relativ unbeeindruckt gesehen wird. Was die Politik diesbezüglich angeht, ist die Regionalregierung in Andalusien darauf bedacht, dass eine gewisse Autonomie besteht. Die Andalusier sehen sich mehrheitlich als stolze Spanier. Nicht von ungefähr sind viele typisch spanische Attraktionen eigentlich ursprünglich andalusische wie z.B. der Flamenco oder der Gazpacho...  

Sie arbeiten in der andalusischen Agentur für Innovation und Entwicklung. Was hat Andalusien auf diesem Gebiet zu bieten, dass für deutsche KMU besonders interessant sein könnte?

Andalusien ist wegen seiner Landschaft und seines Klimas nicht nur wunderschön um Urlaub zu machen, sondern hat auch viel zu bieten für Unternehmen die sich hier ansiedeln wollen. Zunächst einmal die strategische Lage als Bindeglied zwischen Europa und Afrika als auch Lateinamerika und die mittlerweile sehr gute Infrastruktur, in der Andalusien dank EU-Förderung  in den letzten zwei Jahrzehnten enorm aufgeholt hat. Mittlerweile ist die Region sowohl mit Bahn und Flugzeug als auch mit ihrem Straßennetz perfekt an Europa angebunden. 

Was die Politik angeht, ist Andalusien eine sehr stabile Region ohne Unabhängigkeitsbestrebungen, was auch als Vorteil für ein Unternehmen angesehen werden kann. Wirtschaftlich ist Andalusien leider immer noch ein schwaches EU-Gebiet, aber deshalb hat es auch relativ geringe Lohnkosten und es verfügt über interessante Subventionsprogramme für Unternehmen die sich hier ansiedeln wollen. Die Agentur in der ich arbeite, untersteht der andalusischen Regierung und leitet einiger dieser Förderprogramme. Wir haben sogar eine eigene Abteilung in der Kollegen sich um ausländische Unternehmen kümmern die daran interessiert sind in Andalusien Fuss zu fassen.  

Derzeit sind gut 600 Profile spanischer Unternehmen in der Datenbank des EEN, die Partner in Deutschland suchen. Und fast 400 Profile deutscher Unternehmen, die Partner in Spanien suchen. Stellen Sie mit zunehmender Erholung der spanischen Wirtschaft eine steigende Nachfrage nach dieser Dienstleistung fest?

Das könnte man schon so interpretieren. Wir haben auf jeden Fall eine Steigerung der Kooperations-Nachfragen erfahren, aber auch eine Steigerung der Neu-Gründung von Unternehmen.  

Sind die deutschen Unternehmen, die Partner in Spanien suchen, schwerpunktmäßig bestimmten Branchen zuzuordnen?

Das kann ich jetzt nicht sagen, die Unternehmen die ich betreut habe, kamen aus ganz diversen Branchen, von Pharma bis Ingenieurtechnik.   

Wo sehen Sie für deutsche Unternehmen die größten Chancen, wenn diese sich in Spanien wirtschaftlich engagieren möchten?

Andalusien hat mehrere strategisch wichtige Branchen die es speziell fördert und in der auch in den letzten Jahren mehrere Technologieparks und Cluster entstanden sind. Die Dependance der Wirtschaftsagentur in der ich tätig bin, ist zum Beispiel im Technologiepark von Granada für Health-Science, dem "PTS Granada" angesiedelt, in der sowohl Pharmafirmen wie auch Wissenschaftszentren tätig sind und in der es für KMUs spezielle Gründerzentren gibt, zum Beispiel das BIC Granada mit mehr als 50 Start-Ups aus dem Bereich Biotech und Medizin. Weitere strategische Branchen sind Computertechnik und Software vor allem in Malaga mit einem Technologiepark in der sich renommierte Unternehmen wie Oracle angesiedelt haben, und auch Sevilla in der sich durch den EADS/Airbus-Standort ein Cluster aus Unternehmen der Flugbranche entwickelt hat.  

Worin sehen Sie die größten Unterschiede zwischen deutschem und spanischem Geschäftsgebaren?

Die deutsche Pünktlichkeit vs. der spanischen ist leider Gottes nicht nur ein Klischee, wird aber in den Jahren, in denen ich hier lebe, auch immer besser. Als Pluspunkt der spanischen Geschäftswelt würde ich sagen das die Spanier flexibler sind als wir Nordeuropäer wenn es ums Geschäftsgebaren geht und sich auf neue Situationen sehr schnell anpassen können.  

Und wo sehen Sie Gemeinsamkeiten?

Dank der EU und des Euro haben wir ähnliche ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen die es einer Unternehmensgründung oder Ansiedlung hier in Andalusien relativ leicht machen.    

Welchen Rat würden Sie deutschen Unternehmen auf den Weg mitgeben, um in Spanien erfolgreich zu sein?

Wenn das Unternehmen in Andalusien erfolgreich sein will, kann es uns gerne kontaktieren. 


Kurzprofile spanischer Unternehmen auf Deutsch sowie Infomationen über geschäftliche Rahmenbedingungen in Spanien bietet der EuropaService unter https://europaservice.dsgv.de 


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