Niederlande: "Nexit" ist vom Tisch

23.03.2017

Erleichterung nach der Parlamentswahl: Der wirtschaftliche Austausch zwischen deutschen und niederländischen Unternehmen wird auch künftig eng bleiben. Kleines Land bietet große Chancen, hat auch weiterhin Gültigkeit.

Als „klare Absage an den Populismus“ hat Günter Gülker, Geschäftsführer der AHK Niederlande, das niederländische Wahlergebnis auf dem jüngsten Weltwirtschaftstag des Deutschen Industrie- und Handelskammertages kommentiert. Daher ist er optimistisch, dass sich die immense wirtschaftliche Verzahnung zwischen Deutschland und den Niederlanden fortsetzen wird. Für deutsche Unternehmen ergeben sich entsprechend weiterhin vielfältige Chancen sei es im Ex- oder Import oder bei Investitionen im Nachbarland.

Aufgrund der Stimmverteilung könne zwar die Regierungsbildung schwierig werden, aber die Niederländer könnten ja Konsens. Daher ist Gülker überzeugt, dass sich der wirtschaftspolitische Kurs weiter positiv entwickeln werde. Auch Dr. Stefan Mitropoulos, Leiter Konjunktur- und Regionalanalysen bei der Landesbank Hessen-Thüringen, geht von einer nicht einfachen Regierungsbildung aus. Vermutet aber, dass unter einem alten wie neuen Ministerpräsidenten Rütte kein völlig neuer wirtschaftspolitischer Weg eingeschlagen werde. „Die Niederlande sind ein wichtiger Handelspartner Deutschlands. Daran ändert das Ergebnis der Parlamentswahlen nichts“, erklärt Mitropoulos.

Da eine Regierungsbeteiligung von Gert Wilders unwahrscheinlich erscheint, geht der Helaba-Volkswirt davon aus, dass das Thema Nexit für längere Zeit vom Tisch sein dürfte. „Alle anderen Parteien, die eine nennenswerte Zahl an Parlamentssitzen erringen konnten, haben sich für einen Verbleib in der EU ausgesprochen.“

Wie sich dagegen der Brexit auf die niederländische Handelsnation auswirken werde, hänge wesentlich vom Ausgang der Verhandlungen ab. Bei Standortverlagerungen von Unternehmen kann sich Mitropoulos vorstellen, dass die Niederlande sogar profitieren könne. Wichtiger für den Außenhandel der Niederlande sei in jedem Fall Deutschland: Im vergangenen Jahr entfielen knapp 23 Prozent des niederländischen Exportwertes auf seinen östlichen Nachbar. Und der Export von Deutschland in die Niederlande ist im vergangenen Jahr sogar um zehn Prozent gestiegen, so der AHK-Chef.

Dass auch weiterhin ein großes Interesse am gegenseitigen Geschäftsaustausch besteht, macht ein Blick auf die Partnership Opportunities Databank der EU-Kommission deutlich. In dieser Datenbank, mit der die EU auch KMU auf einfache Art die Geschäftspartnersuche in anderen Ländern ermöglichen möchte, suchen derzeit gut 200 niederländische Unternehmen Partner in Deutschland und mehr als 460 deutsche Unternehmen Partner in den Niederlanden. Gesucht beziehungsweise angeboten, werden beispielsweise Partner für Handel, für Produktionsvereinbarungen, für technische Kooperationen oder Joint Venture.

Aber nicht nur im Handel gibt es einen regen Austausch zwischen beiden Ländern. Ebenso immens ist die Verflechtung bei den Investitionen. So werden deutsche und niederländische Unternehmen in der Rangliste ausländischer Direktinvestitionen im anderen Land jeweils an Top 3 geführt und tragen so zum Wirtschaftswachstum bei.

Für dieses Jahr erwartet das niederländische Büro für Wirtschaftsanalyse, Centraal Planbureau, ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent, was der Steigerung im vergangenen Jahr entspricht. Den wichtigsten Beitrag werde der Konsum leisten. Aber auch Investitionen in den Wohnungsbau, Unternehmensinvestitionen, öffentliche Ausgaben und der Export werden sich positiv auf das Wachstum auswirken.

Um weiterhin in der Weltwirtschaft eine wichtige Rolle spielen zu können, haben die Niederlande so genannte Top-Sektoren ausgewählt, die sie besonders fördern. Hierzu gehören: Agro-Food, Gartenbau, High-Tech, Energie, Logistik, Kreativindustrie, Life-Sciences, Chemie und die Wasserwirtschaft.

Günstig ist der Körperschaftsteuersatz von 20 bzw. 25 Prozent zwar nicht, da gibt es in der EU niedrigere Sätze, aber um auch Investitionen abseits der Top-Sektoren anzuregen, setzen die Niederlande verschiedene Formen der Steuerbegünstigungen ein. Beispielsweise für Investitionen in Energiesparmaßnahmen, in umweltfreundliche Betriebsmittel oder in Forschung und Entwicklung.


Über geschäftliche Rahmenbedingungen in den Niederlanden informiert der EuropaService in seinem jüngst aktualisierten Länderinfo unter https://europaservice.dsgv.de/laenderinfos/malta-russland/niederlande.html.
Auszüge aus der Partnership Opportunities Databank mit Kurzprofilen niederländischer Unternehmen,  die auf der Suche nach Geschäftspartnern in Deutschland sind, können auf den Seiten des EuropaService nach Branchen und Geschäftsart durchsucht werden. Mehr dazu unter https://europaservice.dsgv.de/kooperationsservice/eurokontakte/index.html


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Iris Hemker
Länderinfos, Kooperationsservice


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