Niederlande: Geschäftsbedingungen für Handel und Investition

Fehlende Energieeffizienz bei Gebäuden erfordert Sanierungen

Als sehr offene Volkswirtschaft machen sich in den Niederlanden die weltweiten Auswirkungen der Corona-Pandemie in einem kräftigen Wirtschaftsabschwung von rund sieben Prozent im Jahr 2020 bemerkbar. Um dem entgegenzuwirken, will die Regierung, neben vielfältigen Unterstützungsmaßnahmen für die Unternehmen im Land, zahlreiche Infrastrukturprojekte vorziehen.

Aktuelles und Perspektiven

Niederlande-Wirtschaft-Handel

Aktuelle Informationen zu Corona in den Niederlanden, die für Unternehmen interessant sind, haben u.a. die Deutsch-Niederländische Handelskammer, die Förderagentur des Landes sowie die niederländische Regierung zusammengestellt. Weitere Ansprechpartner finden Sie in diesem Länderinfo.

Die niederländische Wirtschaft ist stark auf den Außenhandel und Investitionen aus dem Ausland angewiesen, sie leisten einen wichtigen Beitrag zum BIP. Insgesamt gibt es rund 6.000 Niederlassungen von deutschen Unternehmen, so das nationale Statistikbüro der Niederlande. Die grundsätzliche Offenheit der Bevölkerung, sowie die Händlermentalität und das günstige Umfeld für KMU sieht die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) als Stärken des Landes. Darüber hinaus sind die Niederlande die führende Distributionsdrehscheibe Europas mit dem Hafen Rotterdam und dem internationalen Flughafen Schiphol. Ferner gibt es gute Kooperationsmöglichkeiten in überregionalen Netzwerken und Clustern, so die DNHK. Nachholbedarf besteht in den Niederlanden beispielsweise im Bereich Energieeffizienz. Bis 2030 müssen etwa 270.000 Wohnungen erneuert werden, daher sind entsprechende Investitionen im Wohnungsbau erforderlich.

Einen Kurzüberblick über ausgewählte Aspekte der Geschäftsbedingungen in den Niederlanden, insbesondere für mittelständische Unternehmen, bietet dieses Länderinfo.

Niederlande-Wirtschaft-Gartenbau-Gebäudesanierung

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Niederlande und dies schon seit Jahren: Im Jahr 2019 exportierte Deutschland Güter im Wert von 91,6 Milliarden Euro in die Niederlande und importierte von dort Güter im Wert von 98,5 Milliarden Euro. Nach Angaben von gtai wird der Grad der wirtschaftlichen Verflechtung beider Länder von keiner anderen Region Europas übertroffen.

Die Niederlande hat eine der höchsten Durchdringungsraten bei der Breitbandversorgung und eine der höchsten Geschwindigkeiten. Informationen darüber, wie deutsche Unternehmen in den Niederlanden online verkaufen können, hat die IHK Essen gemeinsam mit der DNHK zusammengestellt. 

Die ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich im Jahr 2018 auf einen Bestand von fast 1.7000.000 Millionen US-Dollar, der Anteil Deutschlands hieran beträgt knapp sechs Prozent.

Der Mindestlohn beträgt für das Jahr 2021 10,34 Euro/Stunde. Ab dem 1. Juli 2021wird der gesetzliche Mindestlohn in den Niederlanden für Arbeitskräfte ab 21 Jahren bei Vollzeitbeschäftigung auf 1.701 Euro brutto/Monat angehoben, so die DNHK.

Für Hermes-Bürgschaften gilt: Eine Risikobewertung wird nicht vorgenommen. Die Entgeltberechnung für die Niederlande erfolgt auf der Basis eines Markttests. Befristet bis 31. Dezember 2021 können Exportgeschäfte zu  kurzfristigen Zahlungsbedingungen (bis 24 Monate Kreditlaufzeit) abgesichert werden. 

Die Banküberweisung ist das am weitesten verbreitete Zahlungsmittel, Scheck und Wechsel werden dagegen eher selten eingesetzt. Weitere Informationen hierzu sowie eine Risikoeinschätzung bietet Coface.

Die Niederlande haben eine Fläche von gut 41.000 Quadratkilometern, auf denen gut 17 Millionen Einwohner (2019) leben. Das Land erwirtschaftete 2018 ein BIP pro Kopf von fast 45.000 EUR. Die niederländische Industrie besteht vor allem aus hochspezialisierten kleinen und mittleren Unternehmen: 87 Prozent zählen zu den Kleinunternehmen und nur zwei Prozent der gut 67.000 Industrieunternehmen haben mehr als 100 Mitarbeiter.

Die Regierung hat neun Sektoren definiert, die eine besonders wettbewerbsfähige Position einnehmen sollen und entsprechend gefördert werden. Dies sind: Agrofood, Gartenbau und Ausgangsmaterialien, Hightechmaterialien und -systeme, Energie, Logistik, Kreativindustrie, Lifesciences, Chemie und Wasser. (siehe Kapitel Förderprogramme)

Informationen zu diversen Branchen finden Sie bei der Förderagentur des Landes.

Für deutsche Unternehmen kann der Markt für Medizintechnik in den Niederlanden trotz seiner überschaubaren Größe lukrativ sein, da Innovationen und die demografische Entwicklung zu einer stärkeren Nachfrage führen werden. 

Weitere Chancen können sich durch die geplanten Investitionen des niederländischen Staates in seine Infrastruktur ergeben: Bis zum Jahr 2028 sollen jährlich sechs Milliarden Euro konjunkturelle Impulse geben. Aufgrund nationaler und EU-Vorgaben im Bereich energetische Gebäudesanierung steigt der Modernisierungsdruck, der Standard ist bislang niedrig. Auch der Anteil erneuerbarer Energie am gesamten Verbrauch ist noch gering. Bis 2020 soll dieser bei 14 Prozent liegen. Der Windenergie soll künftig eine Schlüsselrolle zukommen. Eine AHK-Zielmarktanalyse über die Energieinfrastruktur in den Niederlanden ist zu finden bei der Exportinitiative Energie.

Im Rahmen der Energiewende hat sich die niederländische Regierung das Ziel gesetzt, im Jahr 2050 eine vollständige Energieneutralität in der bebauten Umgebung zu erreichen. Deutsche Firmen haben auf dem niederländischen Markt gute Chancen, Aufträge zu generieren und sich auf dem Markt mit deutschen Produkten, Systemen und Know-how zu etablieren. Sie finden durch die neuen Zielsetzungen der niederländischen Regierung, den guten Ruf deutscher Produkte und die räumliche Nähe der beiden Volkswirtschaften eine sehr günstige Ausgangslage vor. Mehr Infos dazu finden sich in einer Zielmarktanalyse der Exportinitiative Energie.

Möglichkeiten können sich auch im Bereich Abfallentsorgung ergeben: Hier planen die Niederlande bis 2030 eine 50prozentige Kreislaufwirtschaft und bis 2050 die 100prozentige Abfallfreiheit.

Eine Zusammenarbeit von deutschen und niederländischen Unternehmen kann auch im Bereich Digitalisierung der Industrie, bei der Logistik, dem Warenaustausch sinnvoll sein, so die DNHK.

  • Im Doing-Business-Report 2020 der Weltbank belegen die Niederlande Platz 42 (Stand: Oktober 2019), Details hierzu finden Sie in dem Bericht.
  • Beim Korruptionswahrnehmungsindex liegen die Niederlande auf Platz 8 (Stand: Januar 2021).
  • Zur Lage der Rechtsstaatlichkeit in den Niederlanden hat die EU-Kommission erstmals einen Bericht veröffentlicht (Stand: September 2020).
  • Den 4. Platz haben die Niederlande im Global Competitiveness Index (2019) des Weltwirtschaftsforums inne (Stand: Oktober 2019).
  • In der Liste der unternehmerfreundlichsten Länder des Wirtschaftsmagazins Forbes belegen die Niederlande Platz 4 (Stand: Dezember 2018).
  • Beim Global Innovation Index sind die Niederlande auf Platz 5 zu finden (Stand: September 2020). 
  • Beim Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (Digital Economy and Society Index, DESI), mit dem die Digitalisierungsfortschritte der EU-Mitgliedstaaten verfolgt werden, liegen die Niederlande auf Platz 4 (Stand: Juni 2020). 
Niederlande-Investition-Gewerbe

Deutsche Unternehmen und Einzelpersonen können im Allgemeinen ohne Einschränkungen Firmen gründen. Sie sind Firmen in rein niederländischem Eigentum gleichgestellt. Es besteht kein Erfordernis einer inländischen Kapitalbeteiligung oder Unternehmensführung. Die Standortwahl und der Immobilienbesitz sind frei. 

Die Ausübung unternehmerischer Tätigkeiten unterliegt im Allgemeinen keinen Beschränkungen. Für bestimmte Gewerbe und Berufe, zum Beispiel in der Bau- und Lebensmittelindustrie, bestehen jedoch noch Zugangsregelungen, so die IHK Osnabrück.

Unternehmen, die in den Niederlanden Arbeiten ausführen, müssen sich seit dem 1. März 2020 registrieren lassen. Das Ministerium für Arbeit und Soziales hat Informationen zusammengestellt, wer und was gemeldet werden muss.

EU-Bürger benötigen keine Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigung, auch eine Mitteilung an das Amt für Einwanderung ist entbehrlich. Ab einem Aufenthalt von mehr als vier Monaten ist aber eine Registrierung im Rathaus der Gemeinde, in der man sich niedergelassen hat, erforderlich, um eine Bürgerservicenummer zu erhalten.

Einige Informationen zur niederländischen Geschäftskultur finden Sie in nebenstehendem Interview. 

Die IHK Mittlerer Niederrhein hat die Broschüre "Interkulturell kompetent unterwegs in den Niederlanden" erstellt. Daneben hat die IHK auch eine Broschüre zur erfolgreichen Marktkommunikation in den Niederlanden erstellt. 

Ferner hat die IHK Osnabrück einen kurzen Knigge für Geschäfte mit den Niederlanden erstellt. 

Kapitalgesellschaften:
AG: naamloze vennootschap (NV)
Das Mindestgrundkapital beträgt 45.000 EUR. Eine Einmann-AG ist möglich. Diese Rechtsform wird vor allem von Groß- und mittelgroßen Unternehmen gewählt. Es handelt sich um eine juristische Person, zu deren Gründung eine notarielle Beurkundung erforderlich ist. 

Niederlande-Unternehmen-Recht

Die Haftung der Anteilseigner ist auf deren Einlage beschränkt. Eine Einlage in Form von Arbeits- oder Dienstleistungen ist nicht erlaubt.
GmbH: besloten vennootschap met beperkte aansprakelijkheid (BV)
Ein Mindeststammkapital ist nicht mehr vorgesehen. Die BV kann mit einem Startkapital von 0,01 Euro gegründet werden. Sie ist die am häufigsten vorkommende Unternehmensform in den Niederlanden, sie wird vor allem von kleineren Unternehmen gewählt. Eine Einmann-GmbH ist möglich. Es handelt sich um eine juristische Person, deren Gründung notariell beurkundet werden muss. Die Haftung der Anteilseigner ist auf deren Einlage beschränkt.

Personengesellschaften:
OHG: vennootschap onder firma (VOF): Die VOF wird von mehreren, mindestens zwei,  Gesellschaftern gegründet. Jeder bringt etwas in die Gesellschaft ein, dies kann Geld, eine Sacheinlage oder Arbeit sein.  Ein Minimumkapital ist nicht erforderlich, die Haftung umfasst auch das Privatvermögen der Gesellschafter.
KG: commanditaire vennootschap (CV): Es ist kein Minimumkapital erforderlich. Die CV wird als besondere Form der VOF angesehen. Sie erfordert mindestens zwei Personen und zwar aus einem oder mehreren persönlich voll haftenden Gesellschafter und nur mit einer Vermögenseinlage haftende Kommanditisten. Letztere sind von der Geschäftsführung ausgeschlossen. 
Einzelunternehmen: eenmanszaak: Ein Minimumkapital ist nicht erforderlich. Die Haftung erfolgt mit dem persönlichen Vermögen. Das Einzelunternehmen ist schnell und einfach zu gründen, daher wählen viele Unternehmer diese Rechtsform.

Unselbstständige Zweigniederlassungen („filiaal“, „bijkantoor“) haben keine eigene Rechtspersönlichkeit, sondern werden als Teil der Muttergesellschaft betrachtet, die für Forderungen aus Geschäften der Niederlassung haftet. Sie haben kein eigenes Stammkapital. Sie werden aber ins niederländische Handelsregister eingetragen. Steuerlich kann die Niederlassung eine Betriebsstätte im Sinne des Deutsch-Niederländischen Doppelbesteuerungsabkommens sein. Umsätze der Niederlassung sind dann in den Niederlanden steuerpflichtig. Zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung sieht das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Niederlande entsprechende Regelungen vor.

Eine Übersicht über Rechtsformen sowie weitere Detailinformationen finden Sie auf der Regierungsplattform Ondernemersplein. Dort gibt es auch Informationen zur Wahl der Rechtsform. Einen Test, um herauszufinden, welche Unternehmensform für das eigene Vorhaben die richtige ist, kann man auf der Internetseite der Berufsorganisation von Notaren machen.

Schritte zur Gründung eines Unternehmens, die in den Niederlanden zu beachten sind, finden Sie auf der Internetseite des einheitlichen Ansprechpartners für Unternehmen.

Niederlande-Unternehmen-Registrierung

In den Niederlanden ist es für alle Unternehmen verpflichtend, sich in das Handelsregister eintragen zu lassen. Im Wesentlichen handelt es sich um ein Unternehmen, wenn die Organisationseinheit Güter oder Dienstleistungen für Dritte erbringt mit dem Ziel dadurch Gewinn zu erzielen. 

Konkret erläutert die Kamer van Koophandel, die Unternehmens-Kriterien, die erfüllt sein müssen um als Unternehmen zu gelten.

Die Registrierung erfolgt im Handelsregister der Handelskammer (Kamer van Koophandel - KVK). Seit dem 1. Januar 2014 sind die bisher bestehenden zwölf regionalen Handelskammern, die Vereinigung Kamer van Koophandel Nederland und das Innovationszentrum Stichting Syntens in einer einzigen Organisation aufgegangen, die Kamer van Koophandel mit Hauptsitz in Utrecht. Es gibt jedoch weiterhin größere Regionalbüros und einige einfache Büros. 

Die Art der registrierungspflichtigen Angaben richtet sich nach der gewählten Unternehmensform. Informationen und eine Anleitung zur Registrierung steht auf der Website der KvK.

Zahlreiche Hinweise für die Registrierung sind auch zu finden auf einer anderen Webseite der KvK.

Im Online-Auftritt des niederländischen Handelsregisters können kostenlos, nach vorheriger Anmeldung, folgende Informationen recherchiert werden: der Unternehmensname, die Adresse, die Handelskammer-Mitgliedsnummer und die Art der Einschreibung, also ob es sich um eine Hauptniederlassung oder eine Zweigniederlassung handelt.

Kostenpflichtig sind dagegen Informationen über das Betriebsprofil, der Handelsregisterauszug, der Jahresabschluss, die Historie eines Unternehmens.

(= Vennootschapsbelasting)

Für das Jahr 2020 beträgt der Steuersatz für Gewinne bis zu 200.000 Euro 16,5 Prozent und für Gewinne darüber 25 Prozent.

Eine Gewerbesteuer existiert nicht. 

Umfangreiche Informationen rund um das Steuerwesen sind bei der Steuerbehörde zu finden.

Niederlande-Unternehmen-Steuer

Im Jahr 2021 ist für Gewinne bis zu 200.000 Euro ein Satz von 15 Prozent geplant und für Gewinne darüber ein Satz von 21,7 Prozent, so die Steuerbehörde. Nach DNHK-Angaben über den Prinsjesdag, soll der Satz von 15 Prozent im kommenden Jahr für Gewinne bis 400.000 Euro gelten.

Niederlande-Geschäft-Mehrwertsteuer

(niederländisch: BTW, belasting over toegevoegde waarde)

Der allgemeine Satz beträgt 21 Prozent (seit 1. Oktober 2012), der ermäßigte Satz 9 Prozent (hauptsächlich auf Arzneimittel, Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Personenbeförderung). 

Informationen zur Umsatzsteuer sind zu finden über die Finanzbehörden.

Es gibt eine so genannte Kleinunternehmerregelung, für Unternehmen. Seit 2020 gibt es eine neue Regelung. Nach der gilt die Kleinunternehmerregelung für Unternehmen, die nicht mehr als 20.000 Euro Umsatz im Jahr haben.

Am 12. April 2012 haben Deutschland und die Niederlande ein neues Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Es ist am 1. Dezember 2015 in Kraft getreten und wird seit dem 1. Januar 2016 angewandt. 

Niederlande-Geschäft-Grenze

Seit dem 31. Dezember 2016 gilt auch das Protokoll zur Änderung des Abkommens vom 12. April 2012.

Der Text des derzeitigen DBA zwischen Deutschland und den Niederlanden ist beim Bundesfinanzministerium zu finden über
-> Themen -> Steuern -> Internationales Steuerrecht -> Staatenbezogene Informationen.

Niederlande-Euro-Devisen

Der Zahlungsverkehr ist voll liberalisiert. Eigen- und Fremdwährungen können unbegrenzt ein- und ausgeführt werden.

Im Bargeldverkehr können Geschäfte Beträge auf null oder fünf auf- oder abrunden, wenn sie hierauf mit einem Aufkleber aufmerksam machen, so die niederländische Zentralbank. Man kann aber weiterhin mit 1- oder 2-Cent-Münzen bezahlen.

Ausländische Privatpersonen und ausländische juristische Personen werden bei Erwerb einer Immobilie den in den Niederlanden ansässigen Privatpersonen und juristischen Personen gleichgestellt. Beim Verkauf und bei der Übertragung eines Grundstücks durch eine ausländische Person gilt ebenfalls kein anderes Recht. 

Niederlande-Immobilie-Erwerb

In der Praxis wird der Kaufvertrag über Immobilien meist schriftlich und vor einem Notar geschlossen. Diese notarielle Urkunde allein reicht jedoch nicht, um durch Eintragung in das öffentliche Register Eigentum zu erwerben. Hierzu ist immer die Errichtung einer Übertragungsurkunde erforderlich, so gtai.

Eine Grundschuld gibt es im niederländischen Recht nicht.

Informationen zum Katastergrundbuch sind beim niederländischen Katasteramt zu finden.

Niederlande-Unternehmen-Vergünstigung

Steuervergünstigungen sind ein wichtiges Instrument im Rahmen der Investitionsförderung.

Zum Beispiel können Unternehmen, die in einem Geschäftsjahr in Betriebsmittel investieren, in den Genuss des so genannten "Investeringsaftrek" kommen. 

Es gibt drei Arten des Investeringsaftrek: Der Kleinschaligheidsinvesteringsaftrek, der Energie-Investeringsaftrek und der Milieu-Investeringsaftrek.

Zum "Kleinschaligheidsinvesteringsaftrek": Dieser kann angewendet werden, wenn der Investitionsbetrag zwischen 2.401 Euro und 323.544 Euro liegt. Der Abzugsbetrag hängt ab von dem investierten Betrag in dem Geschäftsjahr. Für das Jahr 2020 gilt für eine Investitionssumme zwischen 2.401 und 58.238 Euro ein Abzug von 28 Prozent. Bei einer Investitionssumme zwischen 58.239 und 107.848 Euro beträgt der Abzug 16.307 Euro. Bei einer Investitionssumme zwischen 107.849 Euro und 323.544 Euro sind es 16.307 Euro abzüglich 7,56 Prozent von dem Teil, der 107.848 Euro überschreitet. 

Zum „Energie-Investeringsaftrek“: Beim Finanzamt findet sich hierzu folgende Information: Wer im Jahr 2022 mindestens 2.500 Euro in energiesparende Betriebsmittel oder erneuerbare Energien investiert, kann 45 Prozent der Investitionskosten vom zu versteuernden Gewinn abziehen. Die Investition muss aber beim Rijksdienst voor Ondernemend Nederland innerhalb von drei Monaten nach dem Auftrag angemeldet werden und muss auf der so genannten Energieliste stehen, die regelmäßig angepasst wird. Eine Kombination von Energie-Investeringsaftrek und Milieu-Investeringsaftrek ist nicht möglich. Informationen hierzu bietet auch der Rijksdienst voor ondernemend Nederland.

Zum "Milieu-Investeringsaftrek(MIA)"/Zur "Willekeurige afschrijving milieu-investeringen (VAMIL): Beides sind Maßnahmen zur Förderung von Investitionen in umweltfreundliche Betriebsmittel, welche Betriebsmittel hierunter fallen, wird in einer Liste festgelegt, die jährlich angepasst wird. Bei MIA geht es um die Senkung des zu versteuernden Gewinns durch die Investition in eine Umweltmaßnahme und bei VAMIL geht es um die Abschreibung der investierten Umweltmaßnahme zu einem beliebigen Zeitpunkt. Es sind somit zwei unterschiedliche Regelungen, die aber oft kombiniert werden.

Zur Gewinnreduzierung gibt es unterschiedliche Regelungen: Bei MIA kann die Anschaffung umweltfreundlicher Ausrüstungen den steuerlichen Gewinn reduzieren. Der Investitionsbetrag muss mindestens 2.500 Euro betragen. Bis zu maximal 36 Prozent des Investitionsbetrags können in Abzug gebracht werden. Der Prozentsatz hängt u.a. von den Umwelteffekten ab. Bei VAMIL können die Investitionen zu einem beliebigen Moment abgeschrieben werden, der Prozentsatz ist auf 75 Prozent beschränkt. Durch eine schnellere Abschreibung wird der zu versteuernde Gewinn in dem Jahr der Abschreibung reduziert. 

Finanzielle Lasten, die durch Forschungs- und Entwicklungsvorhaben entstehen, können Unternehmen durch das Programm WBSO verringern. [Seit dem Jahr 2016 sind die Programme WBSO (Wet Bevorderung Speur- en Ontwikkelingswerk) und RDA (Research en Development Aftrek) zusammengefasst.] Beim WBSO verringern sich die Lohnkosten und andere Kosten und Ausgaben, die im Zusammenhang mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten entstehen. Wenn ein Unternehmen hiervon Gebrauch machen möchte, muss es vor Projektbeginn anfragen, ob das jeweilige Projekt für diese Förderung geeignet ist. Für das Jahr 2020 steht für diese Form der Förderung ein Betrag von 1.281 Millionen Euro.

Eine weitere Regelung zur Forschungsförderung ist die Innovation Box, Unternehmensgewinne aus Patenten oder einem erfolgreichen WBSO-Projekt unterliegen einem Körperschaftsteuersatz von sieben Prozent (seit 2018). Für das Jahr 2021 wirds ein Anstieg auf neun Prozent erwartet, so die niederländische Förderagentur.

Wie alle EU-Staaten erhalten die Niederlande Mittel aus den EU-Strukturfonds, die u.a. zur unternehmensbezogenen Regional- und Arbeitsmarktentwicklung eingesetzt werden. Für die Förderperiode 2014 bis 2020 sind 1,4 Milliarden Euro vorgesehen. Zur Kohäsionspolitik in den Niederlanden gibt es ein Faktenpapier.

Mitte September 2014 hat die EU-Kommission die Richtlinien für die Gewährung staatlicher Beihilfen zur Förderung der regionalen Entwicklung für 2014 bis 2020 genehmigt. Sieben Gebiete gelten als Fördergebiete, die im Verhältnis zum nationalen Durchschnitt benachteiligt sind. 

Niederlande-Unternehmen-Förderung

Die Fördergebiete liegen in den Provinzen Groningen, Drenthe (2), Friesland, Flevoland und den Teilprovinzen Achterhoek und Groot-Rijnmond.

Für die beiden Strukturfonds Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und Europäischer Sozialfonds (ESF) gibt es eine Fördergebietskarte für die Niederlande.

Für die Förderperiode 2014 bis 2020 hat die EU-Kommission mit den Niederlanden Ende August 2014 eine Partnerschaftsvereinbarung getroffen, in der es um den Einsatz der EU-Struktur- und Investitionsfonds für Wachstum und Beschäftigung in den Jahren 2014 bis 2020 geht.

Die in der Partnerschaftsvereinbarung festgehaltenen Maßnahmen finden ihren Niederschlag in sogenannten „Operationellen Programmen“.

Zur Mittelstandsförderung können die Niederlande in der Förderperiode 2014 bis 2020 zudem Unterstützungen aus den EU-Programmen Cosme und Horizon landesweit einsetzen. Daneben werden Maßnahmen der Wirtschaftsförderung auch allein aus nationalen bzw. regionalen Haushaltsmitteln finanziert.

Die maximale Förderhöhe wird je nach Region und Unternehmensgröße durch das EU-Beihilferecht bestimmt und begrenzt die Summe aller geldwerten Förderungen durch Staat, Region und Kommune. Solche Höchstförderquoten sind nicht gleichzusetzen mit der tatsächlichen Förderung, die aus einzelnen oder kombinierten Maßnahmen erwächst. Für den Unternehmer gilt daher:

  • Wie hoch die tatsächliche Förderung ist, wird durch angebotene Programme definiert
  • Anträge auf Förderung sind an niederländische Stellen (wie nachfolgend angegeben) zu stellen.
  • Mittelstandsförderung

Eine Übersicht über Subventionen für Unternehmen, die sowohl vom Staat, der EU als auch der Provinz stammen können, sowie Tipps zur Beantragung bietet die Regierungsseite Ondernemersplein. (Niederländisch)

Darüber hinaus sind sämtliche Subventionsregelungen auch beim Rijksdienst voor Ondernemend Nederland zu finden.

Die aktuelle niederländische Unternehmenspolitik hat zum Ziel, neun so genannte Top-Sektoren gezielt zu fördern. Zu diesen gehören:

  • Agro-Food
  • Gartenbau und Ausgangsmaterial
  • High-Tech
  • Energie
  • Logistik
  • Kreativindustrie
  • Life-Sciences
  • Chemie und
  • Wasser.

Da KMU eine wichtige Rolle in der niederländischen Wirtschaft spielen, hat das Wirtschaftsministerium verschiedene Instrumente entwickelt, um die Innovationsaktivitäten der KMU in diesen Sektoren zu stimulieren. Fragen zu dem Thema können gerichtet werden an Rijksdienst voor ondernemend Nederland.

Auch die regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften bieten Unterstützung:
Investment and Development Agency for the Northern Netherlands (NOM) (https://www.nom.nl/)
East Netherlands Development Agency (Oost NV) (https://oostnl.nl/nl)
Flevoland Development Agency (https://www.horizonflevoland.nl/)
Utrecht Region (https://invest.utrechtregion.com/)
Noord-Brabant Development Agency (https://www.bom.nl/)
The Hague Business Agency (https://businessagency.thehague.com/)
Province of Noord-Holland (https://www.noord-holland.nl/)
Impuls Zeeland (https://www.impulszeeland.nl/nl)
Limburg Development and Investment Company (https://www.liof.com/en)

Um Unternehmen einen Anreiz zu geben in Wärmepumpen oder Solarheizungen zu investieren, gewährt der Staat Unternehmen Zuschüsse für Investitionen in nachhaltige Energie .

Zur Stimmulierung von Innovationen gibt es auch den sogenannten Innovationskredit. Für die Entwicklungsphase neuer technischer Produkte oder Dienstleistungen gibt es ein Darlehen: Je nach Größe des Unternehmens variiert die Finanzierung der relevanten Projektkosten von 25 Prozent für große Unternehmen bis zu 45 Prozent für KMU. Der Maximalkredit für technische Entwicklungen liegt bei zehn Millionen Euro. 

Die Europäische Union unterstützt Unternehmen in den Niederlanden mit einer breiten Palette von EU-Programmen, die Darlehen, Bürgschaften, Risikokapital und andere Formen der Eigenkapitalfinanzierung bereitstellen. Diese Finanzinstrumente werden von Finanzintermediären wie Banken, Risikokapitalfonds und anderen Finanzinstituten verwaltet. Ansprechpartner sind lokale Kreditinstitute.

Die Einrichtungen des Enterprise Europe Network arbeiten im Auftrag der EU. Sie beraten vor allem mittelständische Unternehmen über EU-Fragen und grenzüberschreitende Kooperationsmöglichkeiten. Der EuropaService der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe kooperiert mit diesem Netzwerk. Die Partner des niederländischen Enterprise Europe Network sind in vier Städten zu finden.

Die Netherlands Foreign Investment Agency ist die zentrale Anlaufstelle für ausländische Unternehmen, die in den Niederlanden investieren möchten. Sie ist eine Abteilung des niederländischen Wirtschaftsministeriums. Sie informiert Investitionsinteressenten aus dem Ausland gratis über verschiedene Aspekte des Investitionsklimas, gibt Ratschläge und praktische Hilfe. Darüber hinaus stellt sie Kontakte zu anderen Dienstleistern und Einrichtungen in den Niederlanden her. In den vergangenen 40 Jahren hat die Agentur nach eigenen Angaben mehr als 4.000 Unternehmen aus rund 50 Ländern geholfen.

Netherlands Foreign Investment Agency (NFIA)
Prinses Beatrixlaan 2, 2595 AL DEN HAAG - NIEDERLANDE
Tel.: +31 88 042 11 42,
E-Mail: info@nfia.nl, Internet: https://investinholland.com/

Die Adressen der Regionalbüros der niederländischen Handelskammer sind zu finden unter https://www.kvk.nl/service-en-contact/#kantoren-overzicht.

Eine Übersicht von regionalen Wirtschaftsförderungen findet sich unter https://business.gov.nl/financing-your-business/funding-and-loans/government-funding/funding-from-regional-development-corporations/.

Deutsch-Niederländische Handelskammer
Duits-Nederlandse Handelskamer
Büro: Nassauplein 30, 2585 EC DEN HAAG - NIEDERLANDE
Tel.: +31 70 311 41 00
Fax: +31 70 311 41 99
E-Mail: info@dnhk.org, Internet: https://www.dnhk.org

Die Deutsch-Niederländische Handelskammer hat neben dem Hauptsitz in Den Haag (siehe unten „Vertretung der deutschen Wirtschaft“) drei Büros in Deutschland:

Büro Düsseldorf
Tersteegenstraße 19-31, 40474 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 4 98 72 10, E-Mail: h.rosowski@dnhk.org (Helmut Rosowski)

Büro Berlin
Charlottenstraße 16, 10117 Berlin
Tel: 030 206 199 44
E-Mail: a.sierra@dnhk.org (Alexandra Sierra)

Büro Frankfurt
Börsenplatz 4, 60313 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 87 00 58 990
E-Mail: k.feldmann@dnhk.org (Kai Esther Feldmann)

Einen kurzen allgemeinen Einblick mit einer Reihe von Links zu Anlaufstellen in Deutschland und den Niederlanden bietet das Außenwirtschaftsportal Ixpos

Germany Trade and Invest (gtai) stellt eine Vielzahl von Informationen zu den Niederlanden zur Verfügung, darunter auch aus der Reihe „Recht kompakt

Einen Leitfaden für Exporte in die Niederlande erstellt das Außenwirtschaftszentrum Bayern in Zusammenarbeit mit der Außenwirtschaft Österreich.

Ausschreibungen der öffentlichen Hand auf nationaler Ebene finden Sie im Aanbestedingskalender. Europaweite öffentliche Ausschreibungen aus den Niederlanden finden Sie bei TED (Tenders Electronic Daily).

Deutschsprachige Anwälte in den Niederlanden sind auf der Website der AHK aufgeführt.

Schwerpunkt IHK für die Niederlande ist die IHK Osnabrück.

Um Geschäftspartner in den Niederlanden zu finden, bietet Ihnen der EuropaService verschiedene Möglichkeiten an, die auf unseren Webseiten im Bereich Kooperationsservice vorgestellt werden. In der Rubrik Eurokontakte stehen beispielsweise anonymisierte Kurzprofile niederländischer Unternehmen, die auf der Suche nach Geschäftspartnern in Deutschland sind. Eine Auswahl internationaler Kooperationsbörsen/Unternehmerreisen findet sich im Bereich Unternehmertreffen und um sein eigenes Profil im Ausland zu veröffentlichen, gibt es die aktive Geschäftspartnersuche. Einzelheiten sind in unserem Leitfaden erläutert. Die Abläufe sind in einer Grafik übersichtlich dargestellt. Bei Fragen helfen wir gern weiter europaservice@dsgv.de, Tel.: 0 30 20225-5798.

Ihre Sparkasse ist Ihr Ansprechpartner auch für alle Fragen rund um die Begleitung internationaler Geschäftsvorhaben in den Niederlanden. Sie greift für ein breites Informations- und Leistungsangebot auf eigene Kenntnisse, auf Verbundpartner wie den EuropaService, auf ein Netzwerk internationaler Partnerbanken und weitere Spezialisten der Sparkassen-Finanzgruppe zurück. Diese Partner bilden das internationale Netzwerk der Sparkassen-Finanzgruppe.

Hilfestellung, Beratung, Vor-Ort-Begleitung und die passenden Finanzprodukte für Ihr Vorhaben in den Niederlanden erhalten Sie aus einer Hand über Ihren Firmenkunden- oder Auslandsfachberater.

Falls Sie noch kein Kunde einer Sparkasse sind und Ihnen Ansprechpartner für die Niederlande fehlen, wenden Sie sich einfach an den EuropaService. Wir helfen Ihnen gerne weiter. Ihre Sparkasse vor Ort können Sie auch mit Hilfe der folgenden Internetadresse finden https://www.sparkasse.de/service/filialsuche.html.

© Diese Ausarbeitung oder Teile aus ihr dürfen ohne Erlaubnis des EuropaService der Sparkassen-Finanzgruppe nicht reproduziert werden. Zitate sind mit Nennung der Quelle gestattet. Die Weitergabe durch Institute der Sparkassen-Finanzgruppe an deren Kunden ist frei.

Diese Angaben haben wir mit größtmöglicher Sorgfalt aus vielen Quellen zusammen gestellt. Wegen der sich ständig weiter ändernden Rahmenbedingungen können wir jedoch für Vollständigkeit und Inhalt der Informationen keine Gewähr übernehmen. Komplette Bearbeitung: Stand Oktober 2020. Einige Entwicklungen werden laufend eingearbeitet, ohne dass das Erstellungsdatum geändert wird. Die neueste pdf-Version des Länderinfo kann daher am besten jeweils aktuell von der Internetseite (https://europaservice.dsgv.de/laenderinfos/malta-russland/niederlande.html) generiert werden.

Iris Hemker
Länderinfos, Kooperationsservice


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