
Estland hat 1,3 Millionen Einwohner.
Mit 45.000 Quadratkilometern ist das Land etwas größer als die Niederlande.
Estland hat Grenzen mit Lettland und Russland.
Im Korruptionswahrnehmungsindex belegt Estland Platz 13 (Stand: 02/2025).

Aktuelles und Perspektiven
- Bis zum Jahr 2035 will Estland die Stromproduktion aus Ölschiefer einstellen. Dies erfordert entsprechend umfangreiche Investitionen in erneuerbare Energien und die Strominfrastruktur.
- Bei der Staatsverschuldung hat das Land mit knapp 20 Prozent des BIP europaweit den besten Wert. Das Land verfügt entsprechend über fiskalischen Spielraum für Förderungen.
- Die liberale Wirtschaftspolitik bietet gute Investitionsbedingungen, auch für ausländische Unternehmen, beispielsweise ist es einfach und schnell möglich, ein Unternehmen zu gründen.
- Das kleine Land hat ein großes Interesse an ausländischen Investitionen, um die Wirtschaft zu diversifizieren. Insgesamt soll sie stärker wissensbasiert werden.
Steckbrief Estlands Wirtschaft
- Das Land erwirtschaftete 2024 ein BIP von fast 40 Milliarden Euro.
- 4Es ist eine sehr offene Volkswirtschaft, mit einer liberalen Wirtschaftspolitik: Der Export von Gütern umfasste 2023 knapp 20 Milliarden US-Dollar. Der Import von Gütern betrug 23 Milliarden US-Dollar.
- Deutschland ist der wichtigste Lieferant mit einem Anteil von gut 11 Prozent und das fünftwichtigste Abnehmerland mit 7 Prozent, so gtai.
- Der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen belief sich Ende 2023 auf gut 40 Milliarden Dollar. Hieran hat Finnland einen Antiel von gut 20 Prozent, Luxemburg von knapp 17 Prozent und Schweden von 11 Prozent. Deutschlands Anteil beläuft sich auf fast 5 Prozent, was Platz 6 bedeutet.
- Der Mindestlohn wurde für das Jahr 2025 auf 5,31 Euro/Stunde festgelegt.
- Der Großraum Tallinn dominiert das Wirtschaftsgeschehen stark, dort wird mehr als 60 Prozent des BIP erwirtschaftet, für das restliche BIP ergibt sich ein West-Ost-Gefälle.
Bedeutende Branchen in Estland
Hier gelangen Sie zu den Schlüsselsektoren Estlands
Unternehmensformen
- Die Regelungen zur Firmengründung in Estland sind im estnischen Handelsgesetzbuch festgelegt. Das Gesellschaftsrecht in Estland unterscheidet bei den Personengesellschaften die täisühing (TÜ) und die usaldusühing (UÜ).
- Bei den Kapitalgesellschaften gibt es die osaühing (OÜ) und die aktsiaselts (AS). Ein Einzelunternehmer ist ein füüsilisest isikust ettevötja (FIE) und einer Genossenschaft vergleichbar ist eine tulundusühistu.
- AG: aktsiaselts (AS): Das Mindestgrundkapital beträgt 25.000 EUR, eine Ein-Mann-AG ist möglich. Die Anteilseigner haften lediglich mit ihrer Einlage.
- GmbH: osaühing (OÜ): Das Mindeststammkapital kann von den Gründern frei festgelegt werden, es sollte jedoch besser nicht geringer als 2.500 Euro sein. Der Mindestanteil eines jeden darf nicht geringer sein als 0,01 Euro. Eine Ein-Mann-GmbH ist möglich. Die Anteilseigner haften lediglich mit ihrer Einlage.
- KG: usaldusühing (UÜ): Es gibt kein Mindestkapital. Es gibt wenigstens einen unbeschränkt haftenden Gesellschafter und einen weiteren beschränkt haftenden Gesellschafter, der kein Recht zum Managen des Unternehmens hat.
- OHG: täisühing (TÜ): Es gibt kein Mindestkapital. Es sind mindestens zwei Gründer erforderlich. Alle Gesellschafter haften persönlich unbeschränkt und solidarisch.
- Einzelunternehmen: füüsilisest isikust ettevotja (FIE): Es gibt kein Stammkapital, der Gründer haftet persönlich mit seinem Vermögen.
- Ausländische Unternehmen können ihre Waren oder Dienstleistungen anbieten, indem sie eine Filiale (filial in Estnisch) einrichten, die im estnischen Handelsregister eingetragen sein muss. Da eine Niederlassung keine juristische Person ist, haftet das Unternehmen für die Verpflichtungen aus der Tätigkeit der Niederlassung.
- Eine Zweigniederlassung (filiaal) ist keine juristische Person. Wenn nicht mindestens die Hälfte der Geschäftsführer der Zweigniederlassung ihren Wohnsitz in Estland, im EWR oder in der Schweizerischen Eidgenossenschaft haben, muss die ausländische Gesellschaft eine estnische Kontaktperson benennen.
- Eine Darstellung der Unternehmensformen und Anleitung zur Gründung bietet die estonische Förderagentur.
Registrierung
- Das e-Business Register ist das offizielle Portal des estnischen Staates, das die Daten aller in Estland registrierten juristischen Personen enthält. Die Registrierungsabteilung des Amtsgerichts Tartu ist die Registerführerin.
- Das e-Residency-Programm ermöglicht auch nicht-estnischen Bürgern, auf das Register zuzugreifen und die digitalen Lösungen bei der Gründung eines Unternehmens in Estland zu nutzen. Das e-Business-Register macht die Eintragung eines Unternehmens und die Einreichung von Dokumenten wie Jahresberichte für die Nutzer einfach und effizient, unabhängig davon, wo sie sich gerade befinden.
- Sind die Gründer der Gesellschaft nicht in der Lage, Dokumente digital zu unterzeichnen, so muss die Gesellschaft bei einem Notar eingetragen werden. Die Eintragung beim Notar ist ebenfalls erforderlich, wenn die Einlage des Gesellschaftskapitals nicht in Geld besteht, sondern in einer geldwerten Sache oder einem Eigentumsrecht, das auf die GmbH übertragen werden soll (z. B. Ausrüstung, Software, usw.).
- Die einzelnen Schritte einer Online-Registrierung eines Unternehmens ist auf der Webseite e-residency erläutert.
- Das zentrale Register- und Informationssystem finden Sie im Internet.
Steuerliche Aspekte
Körperschaftsteuer
- Reinvestierte, bzw. im Unternehmen thesaurierte Gewinne sind nicht steuerpflichtig. Ausgeschüttete Unternehmens-Gewinne werden wie Einkommen von Privatpersonen mit einer Pauschalrate besteuert. Diese Pauschalrate beträgt seit dem Jahr 2025 grundsätzlich 22 Prozent.
- Eine Darstellung des Steuersystems hat die Förderagentur des Landes erstellt. Weitere Informationen gibt es auch beim staatlichen Internetportal eesti oder beim estnischen Finanzministerium.
Mehrwertsteuer
- Seit 1. Juli 2025 gilt ein Satz von 24 Prozent für fast alle Güter und Dienstleistungen. Ein Satz von neun Prozent bezieht sich z. B. auf Bücher, Artikel zur medizinischen Versorgung, Zeitungen und Zeitschriften, gedruckt oder elektronisch.
- Seit dem Jahr 2018 sind Unternehmen mit Jahresumsätzen ab 40.000 Euro zur Umsatzsteuerregistrierung verpflichtet. Eine freiwillige Registrierung ist jederzeit möglich.
- Detailliertere Informationen zur Mehrwertsteuer finden Sie bei Invest in Estonia.
Doppelbesteuerungsabkommen
- Aktuell gilt das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Estland und Deutschland vom 29. November 1996. Es ist am 30. Dezember 1998 in Kraft getreten (BGBl. 1998 II S. 547).
- Der Text des derzeitigen DBA ist zu finden beim Deutschen Bundesfinanzministerium
Immobilieneigentum
- Die Veräußerung von Liegenschaften erfordert die Einschaltung eines Notars und eine Eintragung ins Grundbuch, das von den Kreisgerichten geführt wird. Mit dem Grundstück fest verbundene Bauwerke folgen dem Recht am Grundstück.
- Links zu den verschiedenen Industrieparks, die bereits entwickelte Infrastruktur bieten und zu den drei Freizonen, die günstig an Autobahnen, Schienen oder Häfen gelegen sind, bietet die Förderagentur Estlands.
- Die Grundsteuer beträgt nach Angaben von deloitte 0,1 bis 1,0 Prozent des steuerbaren Wertes.
Steuervergünstigungen
- Durch den Wegfall der Körperschaftsteuer für reinvestierte Gewinne werden Investitionen gefördert, so dass das Wirtschaftswachstum stimuliert wird.
- Spezielle Vergünstigungen für ausländische Investoren bestehen ebenfalls nicht.
- Es gibt Freihandelszonen in Estland mit entsprechenden Steuervergünstigungen, dies sind Paldiski, Muuga und Sillamäe. Links zu diesen Freihandelszonen bietet die Förderagentur des Landes.
- Es gibt keine speziellen Steueranreize, da das gesamte Steuersystem für Unternehmen günstig ist, so dass es insgesamt als Steuervergünstigung angesehen werden kann.
Förderungen in Estland
- Mit der Aufbau- und Resilienzfazilität in Höhe von 672,5 Milliarden Euro, davon 312,5 Milliarden Euro an Zuschüssen, will die Europäische Union die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Gesellschaft in ihren Mitgliedsländern, wie Estland, abfedern.
- Der estnische Aufbau- und Resilienzplan, mit dem das Land 969,3 Millionen Euro an Zuschüssen aus dieser Aufbau- und Resilienzfazilität bekommen möchte, ist positiv bewertet worden. Über die Entwicklung und den Einsatz der Aufbaumittel in Estland informiert die EU-Kommission.
- Für die Förderperiode 2021 bis 2027 ist im Juli 2021 die neue Fördergebietskarte für Estland veröffentlicht worden. Das gesamte Land zählt zu den Übergangsregionen. Diese Fördergebietskarte ermöglicht Estland gezielte staatliche Beihilfen für Unternehmen, um die Förderung der regionalen Entwicklung voranzubringen. Diese Regionalbeihilfen dienen der Förderung des Wirtschaftswachstums und der Stärkung des Zusammenhalts im Binnenmarkt. Seit 1. Januar 2022 gelten neue Leitlinien für Regionalbeihilfen.
- Die EU-Kommission hat Mitte Juli 2022 das Partnerschaftsabkommen mit Estland für die Förderperiode 2021 bis 2027 über 3,5 Milliarden Euro abgeschlossen, das die Strategie für den landesweiten Einsatz der europäischen Struktur- und Investitionsfonds beinhaltet. Dieses Partnerschaftsabkommen bildet die Basis für die operationellen Programme, in denen die Investitionsprioritäten und konkreten Maßnahmen Estlands und seiner Regionen festgelegt sind.
- Informationen zur Kohäsionspolitik der EU für die Periode 2021 bis 2027 hat die EU auf einer Internetseite zusammengefasst, dort können für Estland für einzelne Elemente Filter gesetzt werden.
- Die maximale Förderhöhe für Vorhaben in Estland wird je nach Region und Unternehmensgröße durch das EU-Beihilferecht bestimmt und begrenzt die Summe aller geldwerten Förderungen durch Staat, Region und Kommune. Solche Höchstförderquoten sind nicht gleichzusetzen mit der tatsächlichen Förderung, die aus einzelnen oder kombinierten Maßnahmen erwächst. Für den Unternehmer gilt daher:
- - Wie hoch die tatsächliche Förderung ist, wird durch angebotene Programme definiert;- Anträge auf Förderung sind an estnische Stellen zu stellen.
- Mittelstandsförderung
- Die Mittelstandsförderung ist in großen Teilen die Umsetzung der EU-Strukturfonds. Zur Mittelstandsförderung kann Estland zudem Unterstützungen aus EU-Programmen, wie beispielsweise Horizont Europa, einsetzen. Daneben werden Maßnahmen der Wirtschaftsförderung auch allein aus nationalen, bzw. regionalen Haushaltsmitteln finanziert.
- Einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Entwicklungsförderung für Unternehmen sowie eine Filtermöglichkeit bietet die Estonian Business and Innovation Agency, die aus dem Zusammenschlusse von der Agentur Enterprise Estonia und KredEx hervorgegangen ist.
- Für die Unterstützung von Start-Ups gibt es einen eigenen Webauftritt.
- Darlehen, Beteiligungskapital sowie Kreditgarantien für Investitionsprojekte vergibt der Credit and Export Guarantee Fund (KredEx). Die Antragstellung erfolgt bei der (estnischen) Hausbank. Die Kreditprogramme sind bei der Kredtibürgschaftsgesellschaft Kredex beschrieben.
- Für Förderungen von Umweltmaßnahmen ist das Umweltinvestitions-Zentrum (Keskkonnainvesteeringute Keskus) zuständig.
- Die Kommission und die EWR-EFTA-Staaten haben Ende 2023 eine Einigung über den EWR-Finanzmechanismus 2021-2028 erzielt, vorgesehen sind Zuschüsse für 15 Länder, die in der EU wirtschaftlich am schwächsten sind. Die EWR- und Norwegen-Zuschüsse sind der Beitrag Islands, Liechtensteins und Norwegens zur Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in Europa und zur Stärkung der bilateralen Beziehungen zu 15 Empfängerstaaten in Nord-, Mittel- und Südeuropa, zu denen auch Estland gehört. Für die o.g. Periode sind für Estland 71,8 Millionen Euro vorgesehen.
- Die Europäische Union unterstützt Unternehmen in Estland mit einer breiten Palette von EU-Programmen, die Darlehen, Bürgschaften, Risikokapital und andere Formen der Eigenkapitalfinanzierung bereitstellen. Diese Finanzinstrumente werden von Finanzintermediären wie Banken, Risikokapitalfonds und anderen Finanzinstituten verwaltet. Ansprechpartner sind lokale Kreditinstitute.
- Die Einrichtungen des Enterprise Europe Network arbeiten im Auftrag der EU. Sie beraten vor allem mittelständische Unternehmen über EU-Fragen und grenzüberschreitende Kooperationsmöglichkeiten. Der EuropaService der Sparkassen-Finanzgruppe in Deutschland kooperiert mit diesem Netzwerk. Zum estnischen Enterprise Europe Network gehören sechs Partnerorganisationen.
- Regionalförderung
- In den einzelnen Regionen gibt es seit 2003 so genannte regionale Entwicklungs-Zentren, die mittlerweile Entwicklungs-Organisationen heißen. Über das Land verteilt gibt es 15 Organisationen.
- Zur Unterstützung der Entwicklung ländlicher Regionen gibt es den Ländlichen Entwicklungsfonds (Maaelu Edendamise Sihtasutus). Dieser unterstützt Landwirte und andere kleine und mittlere Unternehmen in ländlichen Gegenden durch Kreditgarantien und Darlehen.
- Die Stadt Tallinn hat eigene Förderangebote aufgelegt. Darüber hinaus hat Tallinn als Teil der allgemeinen Unternehmensförderung eine Reihe von Industrie- und Gewerbeparks eingerichtet (keine Ansiedlungsförderung).
- Estland verfügt ferner über drei Freihäfen, in Muuga (gehört zu Tallinn), Paldiski und Sillamäe, in denen auch produziert werden kann. In diesen Zonen sind die Unternehmen von der Mehrwertsteuer, Zöllen und der Abgabe auf Transitverkehr befreit.
Weiterführende Quellen
- Förderagentur: Estonian Investment Agency(EIA)
- Vertretung der deutschen Wirtschaft: Deutsch-Baltische Handelskammer
- Germany Trade and Invest stellt einige Infos über Estland zur Verfügung
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