
Nicht alle Briten sind Engländer. Es gibt unterschiedliche Identitäten in England, Wales, Schottland und Nordirland.
Nach seinem Austritt aus der EU wird weiter an den Beziehungen verhandelt.
Der britische Markt umfasst eine Fläche von fast 244.000 Quadratkilometern mit fast 68 Millionen Einwohnern.
Die Währung in Großbritannien ist das Britische Pfund, der aktuelle Wechselkurs zum Euro ist bei der englischen Zentralbank zu finden.
Im Korruptionswahrnehmunsindex belegt Großbritannien Platz 20 (Stand: 02/2025)

Aktuelles und Perspektiven
- Die erste Finanzministerin Großbritanniens Reeves propagiert eine aktive Rolle des Staates mittels Investitionen und sie will "die öffentlichen Dienste wieder aufbauen".
- Zur Verbesserung des UK-EU-Handels können ein Veterinärabkommen, die Erleichterung der Mobilität und die Anerkennung von Berufsqualifikationen beitragen
- Das öffentliche Gesundheitssystem soll saniert werden.
- Chancen für deutsche Unternehmen ergeben sich beispielsweise im Bereich Energieeffizienz, da dort ein großer Nachholbedarf besteht.
- Auch gibt es zahlreiche Infrastrukturvorhaben, so ist zum Beispiel der Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur zur prioritären Aufgabe erklärt worden.
Steckbrief Wirtschaft in Großbritannien
- Das BIP/Kopf betrug 53.000 US-Dollar im Jahr 2024. D
- ie einzelnen Regionen des Landes sind wirtschaftlich sehr unterschiedlich aufgestellt: Während das Dienstleistungszentrum im Südosten liegt, befinden sich große Teile der Industrie- und Logistikbetriebe in den Midlands. Schottland dagegen beherbergt das Zentrum der Öl- und Gasförderung und Nordirland befindet sich nach jahrelangem Konflikt weiterhin in einem wirtschaftlichen Aufholprozess, so die Industrie- und Handelskammern in Bayern.
- Durch das Windsor Abkommen gilt Nordirland, anders als die anderen Regionen, weiterhin als Teil der EU. Detailliertere Infos über die Wirtschaft in den verschiedenen Regionen hat die Förderagentur des Landes zusammengestellt.
- Bislang hat der Dienstleistungssektor einen großen Anteil am BIP. Mit Hilfe einer Re-Industrialisierung und einer Green Industrial Revolution soll der Aufschwung auf der Insel gelingen.
- Deutsche Produkte machten im Jahr 2024 einen Anteil von 9,4 Prozent an den gesamten Importen Großbritanniens aus, was Platz 3 bedeutet. Bei den Hauptabnehmerländern britischer Produkte belegt Deutschland Platz 3 hinter den USA und China mit knapp acht Prozent.
- Der Mindestlohn wird regelmäßig angepasst. Derzeit gilt ein Satz von 11,44 Pfund/Stunde, geplant ist ihn auf 12,21 Pfund/Stunde bzw. 13,51 Euro/Stunde im April 2025 anzuheben.
- Nach dem Ausscheiden aus der EU vereinbart Großbritannien Freihandelsabkommen mit verschiedenen Staaten
Bedeutende Branchen in Großbritannien
Unternehmensformen
Unabhängig von der rechtlichen Konstruktion gilt die Gründung einer Firma als vergleichsweise unbürokratisch und einfach, so die Industrie- und Handelskammern in Bayern.
- Für gewöhnlich werden folgende Gesellschaftsformen unterschieden:
- - der Einzelunternehmer (sole trader)
- - die Kapitalgesellschaften (limited companies, public and private)
- - Personengesellschaft (business partnership)
- Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der offiziellen Internetplattform des Landes.
- Es gibt keine Beschränkung für den ausländischen Höchstanteil. Auslandsinvestoren wählen überwiegend die Private Company Limited by Shares, die der GmbH ähnlich ist. Die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Ein Mindestkapital ist bei dieser Gesellschaftsform nicht vorgeschrieben, üblicherweise liegt das Nominalkapital jedoch bei zum Beispiel 1.000 Pfund Sterling, das in Anteile zu je 1 Pfund Sterling gestückelt ist.
- Merkblätter zur Unternehmensgründung bietet das „Companies House“ (staatliche Behörde inkl. Handelsregister).
Registrierung
- Die Registrierung von Unternehmen erfolgt im Firmenregister (Register of Companies) beim „Companies House“.
- Eine GmbH kann sowohl online als auch in Papierform registriert werden. Je nachdem, für welche Variante man sich entscheidet, sind die Kosten und die Bearbeitungszeit unterschiedlich. Gegen Zahlung einer Extragebühr kann online die Registrierung noch am selben Tag erfolgen.
- Companies House hat eine Reihe von Leitfäden rund um Unternehmensformen, Jahresabschlüsse, Schließung von Unternehmen, etc. herausgegeben.
- Bestimmte Informationen aus dem Register sind kostenfrei erhältlich.
Steuerliche Aspekte
Körperschaftsteuer (Corporation Tax)
- Seit 1. April 2023 gilt bei einem Gewinn einer Körperschaft von mehr als 250.000 britische Pfund ein Körperschaftsteuersatz von 25 Prozent.
- Bei einem Gewinn einer Körperschaft von 50.000 britische Pfund oder weniger beläuft sich der Satz auf 19 Prozent. Für Körperschaften, deren Gewinn mehr als 50.000 britische Pfund beträgt, aber 250.000 britische Pfund nicht übersteigt, kann es eine geringfügige Entlastung geben, so genannte Marginal Relief.
- Umfangreiche Informationen zur Körperschaftsteuer bietet die zentrale Internetplattform des Landes.
Die Kanalinseln (Guernsey, Jersey, Alderney und Sark), die Isle of Man und Gibraltar haben eigene Regelungen zur Besteuerung von Gesellschaften.
Mehrwertsteuer (= Value Added Tax)
- Der Normalsteuersatz beträgt seit 4. Januar 2011 20 Prozent. Der reduzierte Satz von fünf Prozent gilt z.B. für den privaten Energieverbrauch. Der Nullsatz gilt u.a. für Baby- und Kleinkinderbekleidung und viele Nahrungsmittel.
- Details zu den Mehrwertsteuersätzen liefert die zentrale Internetplattform des Landes.
- Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 85.000 GBP müssen sich für die Mehrwertsteuer registrieren lassen, darunter ist dies freiwillig.
- Unternehmen mit einem Umsatz bis 150.000 GBP können eine „flatrate“ nutzen, diese hängt von der Art des Unternehmens ab.
- Umfangreiche Informationen zu VAT finden Sie bei der zentralen Internetplattform des Landes.
- Kontakthinweise für allgemeine Fragen zu VAT sind ebenfalls über die zentrale Internetplattform des Landes zu finden.
Doppelbesteuerungsabkommen
- Der Text des aktuellen DBA zwischen Deutschland und Großbritannien finden Sie über die Webseite des Deutschen Bundesfinanzministerium
Immobilien
- Erste Informationen zur Errichtung eines Unternehmensstandortes im Hinblick auf Leasing oder Miete finden Sie bei der Förderagentur des Landes nach einer Registrierung.
- Informationen zu sämtlichen Aspekten rund um Immobilien sind auf der zentralen Internetplattform des Landes zu finden. Dort erhalten Sie auch Angaben zur Grunderwerbsteuer („Stamp Duty Land Tax“).
- In Großbritannien gibt es diverse Freihäfen, die einige Vorteile bieten. Durch die Wahl, in einem britischen Freeport zu investieren, können Sie sowohl von Zoll- und Steuervorteilen profitiere als auch auf die Unterstützung der Regierung rund um Planung, Infrastruktur und Innovation bauen.
Beziehungen zur EU
- Mitte Mai 2025 haben sich die EU und Großbritannien darauf verständigt, ein neues Kapitel der Beziehungen zu öffnen.
- Anfang September 2023 ist zwischen der EU und Großbritannien eine politische Einigung über die Beteiligung Großbritanniens an Horizont Europa und Copernicus getroffen worden. Seit dem 1. Januar 2024 ist Großbritannien nun mit Horizon Europe verbunden. Dies bedeutet, dass Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich seit dem Arbeitsprogramm 2024 unter ähnlichen Bedingungen wie die EU-Mitgliedstaaten an Projektkonsortien teilnehmen können. Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich haben Zugang zu Ausschreibungen im Rahmen des gesamten Rahmenprogramms Horizon Europe, mit Ausnahme des EIC-Fonds im Rahmen des EIC Accelerator.
- Ende Februar 2023 haben die EU und Großbritannien das so genannte Windsor-Abkommen abgeschlossen, mit dem eine Einigung beim Nordirland-Protokoll erzielt wurde.
- Am 24. Dezember 2020 hatte die Europäische Kommission eine Einigung mit dem Vereinigten Königreich über die Bedingungen der künftigen Zusammenarbeit mit der EU erzielt. Nachfolgend hatten die 27 Mitgliedstaaten und das britische Parlament dem Abkommen zugestimmt, so dass es seit dem 1. Januar 2021 vorläufig in Kraft getreten war, bis das Europäische Parlament die notwendige Ratifizierung Ende April 2021 bekannt gab. Zu dem neuen Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich hat die EU-Kommission Details veröffentlicht. Leitlinien zur Präferenzbehandlung, zum Ursprung und zu den Zollverfahren im Rahmen der neuen Beziehungen zum Vereinigten Königreich hat die EU ebenfalls zusammengefasst.
- Die britische Regierung hat einen Internetauftritt erstellt, der die neuen Regeln zum Wirtschaftsaustausch mit dem Vereinigten Königreich für Unternehmen aus der EU enthält.
- Ferner gibt es einen Leitfaden für Speditionsunternehmen und gewerbliche Fahrer, die Waren zwischen Großbritannien (England, Schottland und Wales) und der Europäischen Union befördern. Es geht um neue Arbeitsabläufe seit dem 1. Januar 2021, welche Dokumente benötigt werden, welche neuen Regeln für das Verkehrsmanagement an Häfen und welche neuen Grenzkontrollverfahren gelten.
- Germany Trade & Invest, die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, publiziert ein Brexit-Special über das neue Abkommen und den Warenverkehr mit Nordirland. Auch die AHK Großbritannien bietet praktische Hinweise im Zusammenhang mit dem Brexit an.
Zollhinweise
- Seit dem 1. Januar 2021 ist das Vereinigte Königreich kein Teil mehr von der EU-Zollunion und dem EU-Binnenmarkt. Das neue Handels- und Kooperations-Abkommen zwischen Großbritannien und der EU sieht für Waren mit präferenziellem Ursprung EU beziehungsweise dem Vereinigten Königreich einen Zollsatz von null vor.
- Wenn der Ursprung nicht nachgewiesen werden kann oder es sich um Ursprungswaren aus anderen Länder handelt, fällt entsprechend Zoll an. In jedem Fall entsteht durch die Trennung Großbritanniens von der EU eine neue Grenze in Europa mit der Notwendigkeit, bei der Ein- und Ausfuhr Zollformalitäten zu erledigen und die Ware abzufertigen. Infos zu Brexit und Zoll bietet der deutsche Zoll.
- Für Gibraltar gilt das neue Abkommen zwischen Großbritannien und der EU jedoch nicht. Spanien und Großbritannien haben sich darauf geeinigt, dass Gibraltar in den Schengen-Raum mit offenen Grenzen aufgenommen wird.
- Auch für Nordirland gibt es besondere Regeln: Es bleibt de facto im EU-Zollgebiet und im Binnenmarkt für Waren. Mit dem so genannten Windsor-Abkommen Ende Februar 2023 haben die EU und Großbritannien eine Einigung über das Nordirland-Protokoll erzielt.
- Im Vorgriff auf den EU-Austritt hatte Großbritannien ein eigenständiges Zollgesetz erstellt, das vom Parlament verabschiedet und von der Königin bestätigt wurde. Unter latest available erhält man die aktuellste Version des Gesetzes.
- Für Unternehmen in der EU, die aus UK importieren oder nach UK exportieren, gibt es eine Informationswebsite des Department for International Trade. Es wird zum Beispiel unterschieden, ob es sich um die Einfuhr von Tieren, Pflanzen oder Holz handelt.
- Die deutsche nationale Zollbehörde stellt umfangreich Informationen zum Brexit auf ihren Seiten zur Verfügung. Ferner bietet der deutsche Zoll seit dem 15. März 2021 eine digitale Informationsmöglichkeit für allgemeine Fragen zu dem in Deutschland geltenden Recht rund um die Auswirkungen des UK-Austritts aus der EU.
- Eine Sammlung von Informationen stellt gtai in seinem Angebot Zoll und Einfuhr kompakt zur Verfügung (Anmeldung erforderlich).
- Zum Austritt Großbritanniens aus der EU stellt auch die Europäische Kommission Informationen bereit.
- Die Ansiedlung in britischen Freeports kann folgende Vorteile beinhalten:
- Vereinfachtes Zollverfahren
- Stundungen und Befreiungen von Abgabenzahlungen
- Aussetzung der Mehrwertsteuer innerhalb von Zollgebieten
Steuervergünstigungen
- In den Haushaltsplänen der neuen britischen Finanzministerin Rachel Reeves werden Steuererhöhungen in Höhe von 40 Milliarden britischen Pfund angekündigt.
- Die bislang gültigen Steuervergünstigungen wurden noch von der Vorgängerregierung erlassen.
- Um Investitionen in Unternehmen anzuregen, gibt es die großzügige Abschreibung Full Expensing.
- Ferner sollen acht neue Freihäfen in England neue Investitionen anlocken, neben zollfreier Einfuhr sollen sie weitere Steuervorteile bieten.
- In Industriezonen soll es ebenfalls verschiedene Investitions-Anreize geben.
- Für Forschungs- und Entwicklungsausgaben kann es unter bestimmten Bedingungen eine Steuerreduzierung geben.
- Seit April 2013 gibt es die so genannte Patent Box, d. h. Unternehmensgewinne, die auf Patenten basieren, die sie in Großbritannien angemeldet haben, können mit einem reduzierten Körperschaftsteuersatz von zehn Prozent besteuert werden.
Förderungen in Großbritannien
- Mit dem Start des Jahres 2021 ist der Brexit vollzogen, auch die Übergangsperiode ist beendet. Damit ist das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union ausgeschieden und jetzt Drittstaat, das EU-Recht gilt nicht mehr.
- Entsprechend beteiligt sich das Land an der neuen Förderperiode (2021 bis 2027) der EU (fast) gar nicht mehr. Beim EU-Programm für Forschung und Innovation Horizon Europe wird das Vereinigte Königreich durch ein Protokoll zum Handels- und Kooperationsabkommen assoziiert. Bei Erasmus+, dem Programm für Bildung, Jugend und Sport, möchte Großbritannien jedoch nicht mehr mitmachen.
- Entsprechend dem Nordirland-Protokoll gibt es eine Fördergebietskarte für Nordirland, die im Mai 2022 die Zustimmung aus Brüssel bekam.
- Neben steuerlichen Erleichterungen (siehe Kapitel Steuervergünstigungen) gibt es in Großbritannien weitere Fördermaßnahmen zur Unterstützung privater Investitionen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene. Aufgrund der Vielzahl nationaler, regionaler und lokaler Angebote ist hier eine detaillierte Darstellung nicht möglich. Eine Übersicht über Unterstützungen finden Sie auf der zentralen Internetplattform des Landes. Diese Seite bietet Filtermöglichkeiten nach Art der Unterstützung, der Unternehmensphase, der Branche, der Anzahl der Mitarbeiter und der Region. Speziell für Schottland gibt es eine Suche nach Förderung unter Find Business Support.
- Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, soll mehr in Forschung und Entwicklung investiert werden. Ferner soll ein Schwerpunkt auf Energieeffizienz und Energieeinsparungen liegen.
- Als regionale Ansprechpartner für mögliche Förderungen wurde das Business Board Network gegründet, um die Bedürfnisse der Geschäfts- und Wirtschaftsämter zu unterstützen und zu erfüllen, die jetzt mit der Förderung des lokalen Wirtschaftswachstums und der Bereitstellung lokaler Wachstumspläne beauftragt sind.
- Zur Unterstützung von Unternehmen bietet die britische Regierung Beratungshilfe für die Regionen England, Wales, Schottland und Nordirland an.
- Die staatliche British Business Bank will insbesondere KMU unterstützen. Hierbei arbeitet sie mit mehr als 180 Partnern zusammen. Sie selbst investiert oder verleiht die Gelder nicht direkt. Mehr Informationen zu den Programmen der Bank finden Sie auf ihrer Webseite.
- Schottland hat eine eigene Entwicklungsbank Ende 2020 gegründet. Hauptaugenmerke der Scottish National Investment Bank liegen auf der Unterstützung des Übergangs zur Klimaneutralität, der Entwicklung der Regionen und der Förderung von Innovationen.
- Innovate UK ist die britische Innovationsagentur für innovative Unternehmen aus allen Branchen, die weiter wachsen und skalieren wollen. Bei der Beratung im Hinblick auf internationale Märkte stützt sich die Agentur auf eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Enterprise Europe Network (EEN). Das EEN ist in Großbritannien in 19 Städten vertreten.
Weiterführende Quellen
- Förderagentur: Department for Business and Trade
- In Nordirland, Schottland, Wales und London gibt es jeweils eigene Wirtschaftsförderagenturen:
- Nordirland: https://www.nibusinessinfo.co.uk/bzw. https://www.investni.com
- Schottland: https://www.mygov.scot/browse/business bzw. https://www.sdi.co.uk/
- Wales: https://businesswales.gov.wales/
- London hat eine eigene Wirtschaftsentwicklungsagentur eingerichtet, die auch Büros in Berlin und München unterhält: https://www.londonandpartners.com/
- Vertretung der deutschen Wirtschaft: Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer
- Germany Trade and Invest stellt Informationen über Großbritannien zur Verfügung
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