Großbritannien: Infos für Handel und Investition

Brexit und Corona bremsen britische Wirtschaft

Die Wirtschaft in Großbritannien ist im Jahr 2020 um rund zehn Prozent geschrumpft. Hier spielen sowohl die Corona-Pandemie als auch der Brexit hinein. Für das Jahr 2021 prognostiziert die Bank of England ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 7,25 Prozent.

Aktuelles und Perspektiven

Großbritannien-London-Dienstleistung-Wirtschaft

Aktuelle Informationen zum Coronavirus, die für Unternehmen in Großbritannien interessant sind, haben u.a. die Agentur des Landes und die AHK Großbritannien zusammengefasst.

Am 24. Dezember 2020 hat die Europäische Kommission eine Einigung mit dem Vereinigten Königreich über die Bedingungen seiner künftigen Zusammenarbeit mit der EU erzielt. Nachfolgend haben die 27 Mitgliedstaaten und das britische Parlament dem Abkommen zugestimmt, so dass es seit dem 1. Januar 2021 vorläufig in Kraft getreten war, bis das Europäische Parlament die notwendige Ratifizierung Ende April 2021 bekannt gab. Zu dem neuen Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich hat die EU-Kommission Details veröffentlicht. Leitlinien zur Präferenzbehandlung, zum Ursprung und zu den Zollverfahren im Rahmen der neuen Beziehungen zum Vereinigten Königreich hat die EU ebenfalls zusammengefasst.

Die britische Regierung hat  einen Internetauftritt erstellt, der die neuen Regeln zum Wirtschaftsaustausch mit dem Vereinigten Königreich für Unternehmen aus der EU enthält. Ferner gibt es einen Leitfaden für Speditionsunternehmen und gewerbliche Fahrer, die Waren zwischen Großbritannien (England, Schottland und Wales) und der Europäischen Union befördern. Es geht um neue Arbeitsabläufe seit dem 1. Januar 2021, welche Dokumente benötigt werden, welche neuen Regeln für das Verkehrsmanagement an Häfen und welche neuen Grenzkontrollverfahren gelten.

Germany Trade & Invest, die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, bietet ein Brexit-Special über das neue Abkommen und den Warenverkehr mit Nordirland. Auch der DIHK bietet Informationen zu den neuen Regeln.  Ebenso bietet die AHK Großbritannien praktische Hinweise im Zusammenhang mit dem Brexit an.

Bislang spielt der Finanzsektor eine wichtige Rolle am Anteil des Bruttoinlandsprodukts. Erklärtes Ziel der aktuellen Regierung ist jedoch, die Entwicklung anderer Wirtschaftsbereiche zu erleichtern und Investitionen und Exporte zu fördern.  Aktuell sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr liberal, es existiert keine Gewerbeordnung, Unternehmen können somit sehr flexibel agieren. Das Steuersystem ist vergleichsweise einfach und transparent. Darüber hinaus will die Regierung in die Gesundheitswirtschaft investieren, dies umfasst sowohl die Modernisierung und den Neubau von 40 Krankenhäusern als auch die Digitalisierung. Ferner strebt die Regierung eine sektoral und regional ausgewogenere Wirtschaftsstruktur an.

Chancen für deutsche Unternehmen ergeben sich beispielsweise im Bereich Energieeffizienz, da dort ein großer Nachholbedarf besteht. Auch gibt es zahlreiche Infrastrukturvorhaben, so ist zum Beispiel der Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur zur prioritären Aufgabe erklärt worden. Chancen können sich auch durch die angestrebte Intensivierung der Handelsbeziehungen Großbritanniens mit dem Commonwealth ergeben.

Einen Kurzüberblick über ausgewählte Aspekte geschäftlicher Rahmenbedingungen in Großbritannien, insbesondere für mittelständische Unternehmen, bietet Ihnen dieses Länderinfo.

Großbritannien-Wirtschaft-Produktion

Der britische Markt umfasst eine Fläche von fast 244.000 Quadratkilometern und fast 68 Millionen Einwohnern mit einem BIP/Kopf von fast 31.500 Pfund im Jahr 20208. Die einzelnen Regionen des Landes sind wirtschaftlich sehr unterschiedlich aufgestellt: Während das Dienstleistungszentrum im Südosten liegt, befinden sich große Teile der Industrie- und Logistikbetriebe in den Midlands. Schottland dagegen beherbergt das Zentrum der Öl- und Gasförderung und Nordirland befindet sich nach jahrelangem Konflikt weiterhin in einem wirtschaftlichen Aufholprozess, so die Industrie- und Handelskammern in Bayern. 

Bislang hat der Dienstleistungssektor einen großen Anteil am BIP. Mit Hilfe einer Re-Industrialisierung und einer Green Industrial Revolution soll der Aufschwung auf der Insel gelingen. Chancen für deutsche Firmen sieht Germany Trade & Invest vor allem im Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. In diesem Bereich herrscht aufgrund des umfangreichen Altbaubestandes bei den Gebäuden großer Nachholbedarf. Ferner soll die Nettoneuemission bis 2050 auf Null gesenkt werden und bis 2030 woll die Offshore-Kapazität vervierfacht werden. Im Wachstumsplan (Build Back Better) hat die britische Regierung ihre Vorhaben dargestellt.

Im Jahr 2020 hatte Deutschland einen Anteil von knapp sechs Prozent am Bestand ausländischer Direktinvestitionen, die gut 2.075.271 US-Dollar umfassten. Deutsche Produkte machten im Jahr 2020 einen Anteil von knapp12 Prozent an den gesamten Importen Großbritanniens aus, was Platz 2 bedeutet. Bei den Hauptabnehmerländern britischer Produkte belegt Deutschland Platz zwei hinter den USA mit gut zehn Prozent.

Informationen auf Deutsch zu verschiedenen Wirtschaftsbranchen bietet die Förderagentur des Landes. 

Für Hermes-Bürgschaften gibt es keine OECD-weit gültige Entgeltkategorie für Großbritannien. Die Entgeltberechnung erfolgt anhand eines Markttests. Befristet bis 31. Dezember 2021 können Exportgeschäfte zu  kurzfristigen Zahlungsbedingungen (bis 24 Monate Kreditlaufzeit) abgesichert werden. 

Als geläufiges Zahlungsmittel für nationale und internationale Handelsgeschäfte gilt der Scheck, obwohl bei internationalen Transaktionen Wechsel und Akkreditive bevorzugt werden. Auch Banküberweisungen - insbesondere SWIFT-Überweisungen - werden häufig verwendet. 

In Großbritannien sind Online-Shopping und elektronische Bezahlsysteme alltäglicher als in Deutschland. Beim Shoppen im Netz gelten die Briten als Weltmeister. Die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen hat in Zusammenarbeit mit der AHK Großbritannien Informationen zum Online-Handel zusammengestellt. 

Die Währung in Großbritannien ist das Britische Pfund, der aktuelle Wechselkurs zum Euro finden Sie bei der englischen Zentralbank.

Der Mindestlohn wird im April eines jeden Jahres angepasst. Seit April 2021 gelten folgende altersmäßige Mindestlöhne: 23 Jahre und älter, 8,91 Pfund; 21 bis 22 Jahre, 8,36 Pfund; 18 bis 20 Jahre, 6,56 Pfund, unter 18 Jahren 4,62 Pfund und Auszubildende 4,3 Pfund .

Anfang Juli 2021 hat Großbritannien ein Freihandelsabkommen mit Norwegen, Island und Liechtenstein abgeschlossen.

  • Im Doing-Business-Report 2020 der Weltbank liegt Großbritannien weltweit auf Platz 8 (Stand: Oktober 2019). Mehr Informationen zur Zusammensetzung der Note ist in dem Report zu finden.
  • Beim Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegt die britische Insel Platz 11 (Stand: Januar 2021).
  •  Platz 9 hat Großbritannien beim Global Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums inne (Stand: Oktober 2019).
  • In der Liste der unternehmerfreundlichsten Länder des Wirtschaftsmagazins Forbes belegt Großbritannien Platz 1 (Stand: Dezember 2018).
  • Auf Platz 4 befindet sich Großbritannien beim Global Innovation Index (Stand: Nov. 2020). 
  • Beim Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (Digital Economy and Society Index, DESI), mit dem die Digitalisierungsfortschritte der EU-Mitgliedstaaten verfolgt werden, liegt Großbritannien auf Platz 8 (Stand: Juni 2020). 
Großbritannien-Investitionen-Gewerbe

Grundsätzlich steht Großbritannien ausländischen Investitionen sehr aufgeschlossen gegenüber. Mit Ausnahme bestimmter staatlicher oder staatlich kontrollierter Einrichtungen können ausländisch kontrollierte Unternehmen die gleichen Tätigkeiten ausüben wir britisch kontrollierte.

Seit Ende April 2021 gilt ein neues nationales Investitionskontrollrecht (National Security and Investment Act). Danach müssen u.a. Investitionen in Schlüsselsektoren unter bestimmten Bedingungen vorab genehmigt werden.

Für die meisten Gewerbe wird keine Gewerbeberechtigung benötigt. Anders sieht es zum Beispiel für Gasheizungsinstallateure oder Elektriker aus. Viele Berufe setzen den Nachweis einer bestimmten Qualifikation voraus, die so genannten regulierten Berufe.

Seit Ende Oktober 2015 gilt der "Modern Slavery Act", danach müssen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 36 Millionen Pfund nachweisen, wie sie moderne Sklaverei in ihrem Betrieb verhindern wollen.

Zu Interkulturellem: Nicht alle Briten sind Engländer. Im perönlichen Umgang sollte man auf unterschiedliche Identitäten, die es in England, Wales, Schottland und Nordirland gibt, Rücksicht nehmen. 

Großbritannien gehört nicht mehr zur EU. Zu der neuen Partnerschaft zwischen GB und der EU nach dem Brexit hat die EU-Kommission Informationen veröffentlicht.

Mit dem 1. Januar 2021 endete die Dienstleistungsfreiheit zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Informationen über die neuen Regeln zur Erbringung von Dienstleistungen in Großbritannien bietet die britische Regierung. Auch gtai hat Infos zur Dienstleistungserbringung im Special zum Brexit erstellt. Für die Prüfung, ob ein Visum erforderlich ist, hat Großbritannien einen elektronischen Checker eingerichtet.

Unabhängig von der rechtlichen Konstruktion gilt die Gründung einer Firma als vergleichsweise unbürokratisch und einfach, so die Industrie- und Handelskammern in Bayern. 

Großbritannien-Unternehmen-Recht

Für gewöhnlich werden folgende Gesellschaftsformen unterschieden:
- der Einzelunternehmer (sole trader)
- die Kapitalgesellschaften (limited companies, public and private)
- Personengesellschaft (business partnership)
Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der offiziellen Internetplattform des Landes.

Es gibt keine Beschränkung für den ausländischen Höchstanteil. Auslandsinvestoren wählen überwiegend die Private Company Limited by Shares, die der GmbH ähnlich ist. Die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Ein Mindestkapital ist bei dieser Gesellschaftsform nicht vorgeschrieben, üblicherweise liegt das Nominalkapital jedoch bei zum Beispiel 1.000 Pfund Sterling, das in Anteile zu je 1 Pfund Sterling gestückelt ist.

Merkblätter zur Unternehmensgründung bietet das„Companies House“ (staatliche Behörde inkl. Handelsregister).

Großbritannien-Unternehmen-Register

Die Registrierung von Unternehmen erfolgt im Firmenregister (Register of Companies) beim „Companies House“. Die Zentrale sitzt in Cardiff, je nach Standort des eigenen Unternehmens wendet man sich aber an London oder Edinburgh (bzw. Belfast). 

Companies House London Information Centre
4 Abbey Orchard Street Westminster, LONDON SW1P 2HT

Companies House (England und Wales)
Crown Way, CARDIFF CF143UZ, DX 33050 Cardiff

Companies House (Scotland)
4th Floor Edinburgh Quay 2, 139 Fountainbridge, EDINBURGH EH3 9FF, LP - 4 Edinburgh 2 (Legal Post) or DX ED235 Edinburgh 1

Companies House (Nordirland):
Second Floor. The Linenhall, 32-38 Linenhall Street, Belfast, BT2 8BG or DX 481 N.R. Belfast 1

Die einzelnen Stellen sind über folgende Zentrale zu erreichen:
Tel.: +44 303 1234 500
Internet: https://www.gov.uk/government/organisations/companies-house

Eine GmbH kann gegen Zahlung einer Extragebühr online innerhalb von 24 Stunden registriert werden.

Auf Deutsch finden Sie einige Hinweise über die Unternehmensanmeldung in Großbritannien bei der Förderagentur des Landes.

Companies House hat eine Reihe von Leitfäden rund um Unternehmensformen, Jahresabschlüsse, Schließung von Unternehmen etc. herausgegeben.

(Corporation Tax)

Seit 1. April 2015 wird kein Unterschied mehr gemacht, ob der Gewinn 300.000 britische Pfund oder weniger beträgt. Im Gegensatz zu früher gibt es jetzt nur noch einen einheitlichen Körperschaftsteuersatz. 

Großbritannien-Unternehmen-Steuer

Seit April 2017 beläuft sich der Satz auf 19 Prozent. Ab dem Haushaltsjahr 2023/24 ist ein Anstieg auf 25 Prozent im März 2021 angekündigt worden.  Dieser erhöhte Satz gilt allerdings nur, wenn der Gewinn 250.000 Pfund überschreitet. Unternehmen, deren Gewinn nicht höher als 50.000 Pfund liegt, werden weiterhin mit 19 Prozent besteuert. Für Unternehmen, deren Gewinn dazwischen liegt, wird es eine Abstufung geben.

Umfangreiche Informationen bietet die zentrale Internetplattform des Landes.

Die Kanalinseln (Guernsey, Jersey, Alderney und Sark),  die Isle of Man und Gibraltar haben eigene Regelungen zur Besteuerung von Gesellschaften.

Großbritannien-Geschäft-Mehrwertsteuer

(= Value Added Tax)

Der Normalsteuersatz beträgt seit 4. Januar 2011 20 Prozent. Der reduzierte Satz von fünf Prozent gilt z.B. für den privaten Energieverbrauch. Der Nullsatz gilt u.a. für  Baby- und Kleinkinderbekleidung und viele Nahrungsmittel.

Details zu den Mehrwertsteuersätzen liefert die zentrale Internetplattform des Landes. 

Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 85.000 GBP müssen sich für die Mehrwertsteuer registrieren lassen, darunter ist dies freiwillig.

Unternehmen mit einem Umsatz bis 150.000 GBP können eine „flatrate“ nutzen, diese hängt von der Art des Unternehmens ab.

Umfangreiche Informationen zu VAT finden Sie bei der zentralen Internetplattform des Landes.

Kontakthinweise für allgemeine Fragen zu VAT sind ebenfalls über die zentrale Internetplattform des Landes zu finden. 

Der Text des aktuellen DBA zwischen Deutschland und Großbritannien finden Sie über die Webseite des Bundesfinanzministerium (unter der Rubrik: -> Themen -> Steuern -> Internationales Steuerrecht -> staatenbezogene Informationen).

Großbritannien-Geschäft-Grenze
Großbritannien-Pfund-Wechselkurs-Devisen

Der Zahlungsverkehr ist voll liberalisiert. Die Devisenkontrolle wurde abgeschafft.

Für die Ein- und Ausfuhr von Bargeldbeträgen gibt es vierschiedene Deklarationspflichten.

Bargeld von 10.000 Pfund oder mehr müssen bei den britischen Zollbehörden angemeldet werden, wenn es es zwischen Großbritannien und einem anderen Land transportiert wird.

Die Deklaration ist auch erforderlich, wenn, die 10.000 Pfund oder mehr von Großbritannien nach Nordirland transportiert werden, aber nicht umgekehrt.

Wenn Bargeld von 10.000 Euro oder mehr zwischen Nordirland und einem Nicht-EU-Land transportiert wird, ist ebenfalls eine Deklaration erforderlich.

Unabhängig von diesen Regeln können hiesige Behörden aufgrund des Proceeds of Crime Act Bargeldbeträge von mehr als 1.000 GBP beschlagnahmen, sofern deren Legitimität nicht nachgewiesen werden kann. Das Außenwirtschaftszentrum Bayern empfiehlt daher bei der Mitnahme größerer Geldbeträge Dokumente wie Bankauszüge, Kaufverträge etc. dabei zu haben.

Das britische Pfund ist offizielles Zahlungsmittel in England, Wales, Schottland und Nordirland, das Währungskürzel GBP steht für Great Britain Pound. Den aktuellen Wechselkurs zum Euro finden Sie bei der Bank of England. 

Erste Informationen zur Gründung eines Unternehmensstandortes finden Sie auf Deutsch bei der Förderagentur des Landes.

Informationen zu sämtlichen Aspekten rund um Immobilien sind zu finden auf der zentralen Internetplattform des Landes. 

Großbritannien-Immobilien-Erwerb

Dort finden sich auch Angaben zur Grunderwerbsteuer („Stamp Duty Land Tax“).

Großbritannien-Steuern-Vergünstigungen

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, gilt bis Ende September 2021 für das Gast- und Freizeitgewerbe ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 5 Prozent, der bis Ende März 2022 auf 12,5 Prozent angehoben wird.

Um Investitionen in Unternehmen anzuregen, gibt es seit 1. April 2021 eine Sonderabschreibungsmaßnahme in Höhe von 130 Prozent für neue Maschinen und Produktionsanlagen. Diese Regelung gilt bis Ende März 2023.

Ferner sollen in England acht neue Freihäfen neue Investitionen anlocken, neben zollfreier Einfuhr sollen sie weitere Steuervorteile bieten. In Wales, Schottland und Norirland werden eigen Freihafenprogramme entwickelt.

Für Forschungs- und Entwicklungsausgaben gibt es eine Steuerreduzierung, die von der Größe des Unternehmens abhängt. Kleine und mittlere Unternehmen, die weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von weniger als 100 Millionen Euro haben, können bis zu 230 Prozent dieser Ausgaben steuerlich absetzen. Große Unternehmen können im Rahmen des Research and Development Expenditure Credit seit dem 1. April 2020 13 Prozent ihrer F&E-Ausgaben steuerlich verrechnen.

Seit April 2013 gibt es die so genannte Patent Box, d. h. Unternehmensgewinne, die auf Patenten basieren, die sie in Großbritannien angemeldet haben, können mit einem reduzierten Körperschaftsteuersatz von zehn Prozent besteuert werden. 

Seit dem 1. Januar 2021 ist das Vereinigte Königreich kein Teil mehr von der EU-Zollunion und dem EU-Binnenmarkt. Das neue Handels- und Kooperations-Abkommen zwischen Großbritannien und der EU sieht für Waren mit präferenziellem Ursprung EU beziehungsweise dem Vereinigten Königreich einen Zollsatz von null vor. 

Großbritannien-Zollformalität-Ursprungsware

Wenn der Ursprung nicht nachgewiesen werden kann oder es sich um Ursprungswaren aus anderen Länder handelt, fällt trotz des Abkommens Zoll an. In jedem Fall entsteht durch die Trennung Großbritanniens von der EU eine neue Grenze in Europa mit der Notwendigkeit, bei der Ein- und Ausfuhr Zollformalitäten zu erledigen und die Ware abzufertigen. Infos zu Brexit und Zoll bietet der deutsche Zoll.

Für Gibraltar gilt das neue Abkommen zwischen Großbritannien und der EU jedoch nicht. Spanien und Großbritannien haben sich darauf geeinigt, dass Gibraltar in den Schengen-Raum mit offenen Grenzen aufgenommen wird. Auch für Nordirland gibt es besondere Regeln: Es bleibt de facto im EU-Zollgebiet und im Binnenmarkt für Waren.

Im Vorgriff auf den EU-Austritt hatte Großbritannien ein eigenständiges Zollgesetz erstellt. Es ist vom Parlament verabschiedet und von der Königin bestätigt. Es wird noch um Durchführungsverordnungen ergänzt. Erklärungen zum Gesetz sind hier zu finden.

Für Unternehmen in der EU, die aus UK importieren, gibt es eine Informationswebsite des Department for International Trade. Es wird zum Beispiel unterschieden, ob es sich um die Einfuhr von Tieren, Pflanzen oder Holz handelt.

Auch für Unternehmen in der EU, die nach UK exportieren, gibt es diverse Informationen im Internet vom Department for International Trade.  

Die deutsche nationale Zollbehörde stellt umfangreich Informationen zum Brexit auf ihren Seiten zur Verfügung. Ferner bietet der deutsche Zoll seit dem 15. März 2021 eine digitale Informationsmöglichkeit für allgemeine Fragen zu dem in Deutschland geltenden Recht rund um die Auswirkungen des UK-Austritts aus der EU. Der Brexit-Bot ist rund um die Uhr für Unternehmen erreichbar und kann per Chat-Interaktion selbstständig die an ihn gerichteten Fragen beantworten. 

Eine Sammlung von Informationen stellt gtai in seinem Angebot Zoll und Einfuhr kompakt an.

Zum Austritt Großbritanniens aus der EU stellt auch die Europäische Kommission Informationen bereit.

Großbritannien-Unternehmen-Förderung

Mit dem Start des Jahres 2021 ist der Brexit vollzogen, auch die Übergangsperiode ist beendet. Damit ist das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union ausgeschieden und jetzt Drittstaat, das EU-Recht gilt nicht mehr.

Entsprechend beteiligt sich das Land an der neuen Förderperiode (2021 bis 2027) der EU (fast) gar nicht mehr. Beim EU-Programm für Forschung und Innovation Horizon Europe möchten die Briten jedoch weiter mitmachen als assoziiertes Land. Nicht jedoch bei Erasmus+, dem Programm für Bildung, Jugend und Sport.

Neben steuerlichen Erleichterungen (siehe Kapitel Steuervergünstigungen) gibt es in Großbritannien weitere Förderungsmaßnahmen zur Unterstützung privater Investitionen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene. Aufgrund der Vielzahl nationaler, regionaler und lokaler Angebote ist hier eine detaillierte Darstellung nicht möglich. Eine Übersicht über Unterstützungen bietet die zentrale Internetplattform des Landes. Diese Seite bietet Filtermöglichkeiten nach Art der Unterstützung, der Unternehmensphase, der Branche, der Anzahl der Mitarbeiter und der Region.

Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln hat die britische Regierung im März 2021 einen Wachstumsplan veröffentlicht, in dem zum Beispiel auch ihre Maßnahmen zur Förderung von Forschung, Entwicklung, Innovation, Regionalförderung und zum Infrastrukturprogamm enthalten sind. Für die Finanzierung von Projekten in eine klimafreundliche Infrastruktur wurde im Juni 2021 die Gründung einer neuen Förderbank verkündet. Ziel ist es die Lebensbedingungen landesweit anzugleichen, denn bislang sind Straßen und Schienen in ländlichen Regionen in schlechtem Zustand. 

Als regionale Ansprechpartner für mögliche Förderungen sind in England so genannte Local Enterprise Partnerships eingerichtet worden. Ansprechpartner für Wales, Schottland und Nordirland befinden sich im Kapitel "Weitere Ansprechpartner im Investitionsland".

Zur Unterstützung von Unternehmen bietet die britische Regierung telefonische Beratungshilfe für die Regionen England, Wales, Schottland und Nordirland.

Die staatliche British Business Bank will insbesondere KMU unterstützen. Hierbei arbeitet sie mit mehr als 180 Partnern zusammen. Sie selber investiert oder verleiht die Gelder nicht direkt. Mehr Informationen zu den Programmen der Bank finden sich auf ihrer Webseite.

Schottland hat eine eigene Entwicklungsbank Ende 2020 gegründet. Hauptaugenmerk der Scottish National Investment Bank liegen auf der Unterstützung des Übergangs zur Klimaneutralität, die Entwicklung der Regionen und die Förderung von Innovationen.

Seit dem vollzogenen Austritt Großbritanniens aus der EU, ist nun Innovate UK EDGE, früher bekannt als Enterprise Europe Network (EEN), die Ressource der britischen Innovationsagentur für innovative KMU aus allen Branchen, die ehrgeizig sind und wachsen und skalieren wollen. Obwohl das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlassen hat, bietet Innovate UK EDGE den Unternehmen alle Vorteile, die mit EEN verbunden sind, einschließlich des Zugangs zu internationalen Netzwerken und Experten für Innovation und Wachstum.

Department for International Trade (zuvor UK Trade & Invest)
King Charles Street, Whitehall, London SW1A 2AH - GREAT BRITAIN
Tel.: +44 20 7215 5000
E-Mail: enquiries@invest-trade.uk, Internet: https://www.gov.uk/government/organisations/department-for-international-trade

Department for Business, Energy & Industrial Strategy
1 Victoria Street
LONDON SW1H 0ET - GREAT BRITAIN
Tel.: +44 20 7215 5000
E-Mail: enquiries@beis.gov.uk 
Internet: https://www.gov.uk/government/organisations/department-for-business-energy-and-industrial-strategy

Das Department for Business, Energy & Industrial Strategy (BEIS) ist eine interministerielle Einrichtung.

In Nordirland, Schottland, Wales und London gibt es jeweils eigene Wirtschaftsförderagenturen:

Nordirland: https://www.nibusinessinfo.co.uk/
bzw. https://www.investni.com

Schottland: https://www.mygov.scot/browse/business
bzw. https://www.sdi.co.uk/

Wales: https://businesswales.gov.wales/

London hat eine eigene Wirtschaftsentwicklungsagentur eingerichtet, die auch Büros in Berlin und München unterhält:
London & Partners
169 Union Street, London SE1 0LL
Tel.: +44 20 72 34 58 00
Internet: https://www.londonandpartners.com/

Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer
German-British Chamber of Industry & Commerce
16 Buckingham Gate, LONDON SW1E 6LB - GREAT BRITAIN
Tel.: +44 20 79 76 41 00
Fax: +44 20 79 76 41 01
E-Mail: mail@ahk-london.co.uk, Internet: https://grossbritannien.ahk.de/

Botschaft des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland

Department for International Trade Berlin
Wilhelmstraße 70, 10117 Berlin
Tel.: 030 20457-0
E-Mail: DITGermany@mobile.trade.gov.uk

Die zentrale Beratungsstelle für Investoren und Handelsunternehmen ist das Department for International Trade. In den Generalkonsulaten in Düsseldorf und München sind Investitionsberater erreichbar. Sie machen z.B. Standortberatung, informieren über Förderung und stellen Kontakte in der Zielregion her. Je nach Sektor ist der Ansprechpartner in Düsseldorf oder München ansässig: https://www.gov.uk/world/organisations/department-for-international-trade-germany

Britisches Generalkonsultat
Department für International Trade Duesseldorf
Willi-Becker-Allee 10, 40227 Düsseldorf
Tel.: 0211 9448-0
E-Mail: DITGermany.Enquiries@fcdo.gov.uk

Britisches Generalkonsulat
Department for International Trade Munich
Möhlstraße 5, 81675 München
Tel.: 089 211090
E-Mail: DITGermany.Enquiries@fcdo.gov.uk

Folgende Regionalagenturen haben deutsche Repräsentanzen:

Nordirland
Invest Northern Ireland
Kaistraße 5, 40221 Düsseldorf
Tel.: +49 160 281 1787 / +49 176 411 60283
E-Mail: Dusseldorf@investni.com, Internet: https://www.investni.com

Schottland
Scottish Development International
Kasernenstrasse 27, 40213 Düsseldorf
Tel.: 02 11 / 86 32 - 9 40
Internet: https://www.sdi.co.uk/about-sdi/global-offices/europe-middle-east-and-africa/germany-duesseldorf

Einen kurzen allgemeinen Einblick mit einer Reihe von Links zu Anlaufstellen in Deutschland und Großbritannien bietet das Außenwirtschaftsportal Ixpos.

Germany Trade and Invest (gtai) stellt eine Vielzahl von Informationen zu Großbritannien zur Verfügung, darunter auch aus der Reihe „Recht kompakt“.

Das Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der EU ist im Amtsblatt veröffentlicht worden.

Einen Leitfaden für Exporte nach Großbritannien bietet das Außenwirtschaftszentrums Bayern in Zusammenarbeit mit der Außenwirtschaft Österreich

Das statistische Amt veröffentlicht eine Vielzahl von Informationen.

Informationen auf Deutsch zu den verschiedenen Branchen bietet die Förderagentur des Landes.

Die nationale Ausschreibungsdatenbank ist über die offizielle Online-Plattform des Landes zu finden.

Öffentliche Ausschreibungen aus dem Vereinigten Königreich, die aufgrund ihres Umfangs europaweit publiziert werden, finden Sie unter TED (Tenders Electronic Daily).

Um Geschäftspartner in Großbritannien zu finden, bietet Ihnen der EuropaService verschiedene Möglichkeiten an, die auf unseren Webseiten im Bereich Kooperationsservice vorgestellt werden. In der Rubrik Eurokontakte stehen beispielsweise anonymisierte Kurzprofile britischer Unternehmen, die auf der Suche nach Geschäftspartnern in Deutschland sind. Eine Auswahl internationaler Kooperationsbörsen/Unternehmerreisen findet sich im Bereich Unternehmertreffen und um sein eigenes Profil im Ausland zu veröffentlichen, gibt es die aktive Geschäftspartnersuche. Einzelheiten sind in unserem Leitfaden erläutert. Die Abläufe sind in einer Grafik übersichtlich dargestellt. Bei Fragen helfen wir gern weiter europaservice@dsgv.de, Tel.: 0 30 20225-5798.

Ihre Sparkasse ist Ihr Ansprechpartner auch für alle Fragen rund um die Begleitung internationaler Geschäftsvorhaben in Großbritannien. Sie greift für ein breites Informations- und Leistungsangebot auf eigene Kenntnisse, auf Verbundpartner wie den EuropaService, auf ein Netzwerk internationaler Partnerbanken und weitere Spezialisten der Sparkassen-Finanzgruppe zurück. Diese Partner bilden das internationale Netzwerk der Sparkassen-Finanzgruppe.

Hilfestellung, Beratung, Vor-Ort-Begleitung und die passenden Finanzprodukte für Ihr Vorhaben in Großbritannien erhalten Sie aus einer Hand über Ihren Firmenkunden- oder Auslandsfachberater.

Falls Sie noch kein Kunde einer Sparkasse sind und Ihnen Ansprechpartner für Großbritannien fehlen, wenden Sie sich einfach an den EuropaService. Wir helfen Ihnen gerne weiter. Ihre Sparkasse vor Ort können Sie auch mit Hilfe der folgenden Internetadresse finden https://www.sparkasse.de/service/filialsuche.html

© Diese Ausarbeitung oder Teile aus ihr dürfen ohne Erlaubnis des EuropaService der Sparkassen-Finanzgruppe nicht reproduziert werden. Zitate sind mit Nennung der Quelle gestattet. Die Weitergabe durch Institute der Sparkassen-Finanzgruppe an deren Kunden ist frei.

Diese Angaben haben wir mit größtmöglicher Sorgfalt aus vielen Quellen zusammen gestellt. Wegen der sich ständig weiter ändernden Rahmenbedingungen können wir jedoch für Vollständigkeit und Inhalt der Informationen keine Gewähr übernehmen. Komplette Bearbeitung: Stand Juli 2021. Einige Entwicklungen werden laufend eingearbeitet, ohne dass das Erstellungsdatum geändert wird, die neueste pdf-Version des Länderinfo kann daher am besten jeweils aktuell von der Internetseite (https://europaservice.dsgv.de/laenderinfos/albanien-grossbritannien/grossbritannien.html) generiert werden.

Iris Hemker
Länderinfos, Kooperationsservice


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