

Peter Moll
Sehr geehrter Herr Moll, im Zusammenhang mit den Grönland-Ambitionen vom US-Präsidenten Donald Trump, war und ist auch Dänemark in den Schlagzeilen. Hat dies Auswirkungen auf Ihre Tätigkeit als Honorarkonsul für Dänemark?
Natürlich merke ich, dass die Aufmerksamkeit für Dänemark spürbar zugenommen hat. Wenn ein geopolitisches Thema wie Grönland international Schlagzeilen macht, entstehen auch bei uns mehr Fragen und ein größeres Interesse an Dänemarks Rolle in Europa bzw. im transatlantischen Verhältnis.
Aber meine konsularische Arbeit hat dies nicht unmittelbar verändert. Ein Honorarkonsulat kümmert sich vor allem um konkrete Anliegen von dänischen Bürgerinnen und Bürgern und vertritt Dänemark in der Region. Dies heißt vor allem erst einmal Zuhören und Einordnen. Gerade in unruhigen Zeiten ist es wichtig, nicht nur auf Schlagzeilen zu schauen, sondern auf die gewachsenen Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark – und die sind in unserer Grenzregion sehr stabil und traditionell sehr praktisch geprägt.
Gerade in diesen Zeiten globaler Unruhe ist Dänemark nach dem neuesten Resilienz Index das weltweit resilienteste Land. Nehmen Sie als Vorstandsvorsitzender der Förde Sparkasse nun ein gesteigertes Interesse am Geschäftsaustausch mit dem Land wahr?
Ja, das nehme ich durchaus wahr. Dänemark steht im aktuellen FM Resilience Index 2026 erneut auf Platz 1. Das wirkt auf viele Unternehmen attraktiv, weil Resilienz heute nicht nur ein abstrakter Begriff ist, sondern etwas sehr Konkretes bedeutet: verlässliche Rahmenbedingungen, hoher Digitalisierungsgrad, gute Infrastruktur, planbare Institutionen und eine Kultur des pragmatischen Handelns.
Aus Sicht einer Sparkasse in der Grenzregion ist das besonders interessant. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten schauen Firmenkunden stärker darauf, wo Märkte stabil, verlässlich und gut erreichbar sind. Dänemark wird dann nicht als fernes Auslandsengagement wahrgenommen, sondern als naheliegender, leistungsfähiger Nachbar.

Die Förde Sparkasse liegt unmittelbar an der Grenze zu Dänemark. Sehen Sie dies als Vor- oder Nachteil für Ihre Firmenkunden?
Ganz klar: In erster Linie als Vorteil. Die Grenzlage eröffnet unseren Firmenkunden einen zusätzlichen Markt direkt vor der Haustür. Wege sind kurz, Geschäftsbeziehungen können persönlich aufgebaut werden, und man hat die Chance, nicht nur national, sondern grenzüberschreitend zu denken. Gerade in einer Zeit, in der Lieferketten, Kundengruppen und Absatzmärkte breiter aufgestellt werden müssen, ist das ein echter Pluspunkt.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen – etwa bei Regulierung, Sprache, Steuerfragen oder arbeitsrechtlichen Unterschieden. Aber genau diese Punkte sind beherrschbar, wenn man sie frühzeitig mitdenkt. Unterm Strich ist die Grenzlage für unsere Firmenkunden aus meiner Sicht daher ein strategischer Standortvorteil.
Sind dadurch besonders viele Ihrer Firmenkunden in Dänemark wirtschaftlich aktiv? Sei es im Ex- oder Import oder bei Investitionen?
Ja, wir sehen in unserer Region viele Unternehmen, für die Dänemark ein relevanter Markt ist – im Export, im Import, in Projektpartnerschaften und vereinzelt auch bei Investitionen. Das ist in einer deutsch-dänischen Grenzregion auch nur logisch. Dänemark und Deutschland sind wirtschaftlich eng verflochten. Der Handel zwischen beiden Ländern hat 2025 wieder zugelegt.
Natürlich sind längst nicht alle unserer Firmenkunden in Dänemark aktiv. Aber für sehr viele ist Dänemark zumindest ein naheliegender Wachstumsraum oder ein sinnvoller Baustein in ihrer Marktstrategie. Besonders für mittelständische Unternehmen ist das attraktiv: international unterwegs sein, ohne gleich in sehr ferne oder schwer kalkulierbare Märkte gehen zu müssen. Das hilft dabei, erste praktische Erfahrungen im Auslandsgeschäft sammeln zu können. Die Förde Sparkasse kann dabei direkt oder über die genau dafür gegründete S-International Schleswig-Holstein hervorragend unterstützen, denn wir haben das Knowhow, den Zugang zu wichtigen Netzwerken und wissen genau, welche Herausforderungen auf den Mittelstand bei einer solchen Entscheidung zukommen.
Hat sich durch die wieder eingeführten Grenzkontrollen ein Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen bemerkbar gemacht?
Die Grenzkontrollen sind erst einmal weiterhin Realität. Für die Wirtschaft bedeutet das vor allem mehr Unsicherheit in der Planung – nicht immer große, aber eben zusätzliche Reibung.
Interessant ist: Laut einer Umfrage der Deutsch-Dänischen Handelskammer sagten knapp 56 Prozent der befragten Unternehmen, die Kontrollen hätten keinen Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit. Gleichzeitig berichteten knapp 44 Prozent von Auswirkungen. Am häufigsten wurden längere Pendelzeiten der Mitarbeitenden genannt. Das heißt für mich: Kein flächendeckender Einbruch, aber sehr wohl spürbare Belastungen für einzelne Unternehmen, Branchen und Beschäftigte – vor allem dort, wo Zeit, Taktung und Verlässlichkeit entscheidend sind.

Dänemark ist zwar in der EU, aber nicht in der Eurozone. Behindert das die grenzüberschreitende Zusammenarbeit?
In der Praxis eher nein, jedenfalls nicht grundsätzlich. Dänemark hat zwar den Euro nicht eingeführt, die dänische Krone ist aber über den ERM II sehr eng an den Euro gebunden. Die dänische Zentralbank beschreibt den Wechselkurs gegenüber dem Euro ausdrücklich als sehr stabil um den Leitkurs von rund 7,46 DKK je Euro. Das sorgt für ein hohes Maß an Planbarkeit.
Für Unternehmen heißt das: Das Währungsrisiko ist im Vergleich zu vielen anderen Auslandsmärkten überschaubar. Natürlich gibt es trotzdem Themen wie Preisstellung, Zahlungsverkehr oder Absicherung. Aber diese Fragen sind bankfachlich gut lösbar. Die andere Währung ist kein unüberwindbares Hindernis, sondern ein Faktor, der professionell gemanagt werden muss.
Was erfahren Sie von Ihren Firmenkunden über deren Erfahrungen mit dänischen Unternehmen?
Viele Rückmeldungen sind positiv. Unsere Firmenkunden schätzen an dänischen Unternehmen häufig die Verlässlichkeit, die Geschwindigkeit bei Entscheidungen und die lösungsorientierte Zusammenarbeit. Dazu kommt oft eine sehr direkte, pragmatische Kommunikation. Das passt grundsätzlich gut zu vielen mittelständischen Strukturen auf deutscher Seite.
Gleichzeitig hört man auch, dass man Unterschiede kennen sollte. Geschäftskultur, Verhandlungsstil, Verantwortlichkeiten und Erwartung an Tempo oder Eigenverantwortung können anders sein als in Deutschland. Wer diese Unterschiede nicht als Hürde, sondern als Lernfeld sieht, für den ist es oft einfacher. Genau darin liegt auch ein Vorteil unserer Region: Wir sind an diese Nachbarschaft gewöhnt. Die kulturelle Distanz ist klein, aber nicht bedeutungslos – und genau dieses Verständnis ist wertvoll.

Im Rahmen der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheiten raten Experten den Unternehmen zur Diversifizierung. Spüren Sie hierdurch ein verstärktes Interesse Ihrer Firmenkunden an anderen ausländischen Märkten? Sei es um neue Lieferanten oder Abnehmer zu bekommen?
Ja, dieses Interesse ist spürbar. Viele Unternehmen denken heute bewusster darüber nach, Lieferanten, Absatzmärkte und Produktionsbeziehungen breiter aufzustellen. Das ist eine direkte Reaktion auf geopolitische Spannungen, gestörte Lieferketten, Energiepreisschocks und konjunkturelle Unsicherheit. Auslandsmärkte werden deshalb nicht mehr nur unter Wachstumsaspekten betrachtet, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung.
Für unsere Firmenkunden ist Dänemark in diesem Zusammenhang oft besonders interessant, weil der Markt nah, gut erreichbar und institutionell sehr stabil ist. Diversifizierung muss nicht immer heißen, möglichst weit weg zu gehen. Manchmal ist der kluge nächste Schritt eben gerade der Nachbar.
Welches sind die Hauptthemen Ihrer Firmenkunden im Zusammenhang mit internationalen Aktivitäten?
Die Hauptthemen sind meist sehr konkret: Währungsfragen, Zahlungsverkehr, Finanzierung, Absicherung von Risiken, rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen, Verlässlichkeit von Geschäftspartnern und die Frage, wie man sein Auslandsgeschäft solide aufbaut. Dazu kommt immer stärker das Thema Resilienz, also die Frage, wie robust Lieferketten, Absatzmärkte und Geschäftsmodelle aufgestellt sind.
Gerade dabei ist die Rolle einer regional verankerten Sparkasse wichtig. Wir können internationale Themen mit dem Blick auf die regionale Realität verbinden. Und genau hier bringt die Funktion des Honorarkonsuls einen zusätzlichen Mehrwert: nicht als Vertriebsinstrument, sondern als glaubwürdige Brücke zwischen Region, Wirtschaft und Nachbarland. Für Firmenkunden ist das hilfreich, weil Nähe, Verständnis und belastbare Netzwerke im Auslandsgeschäft oft genauso wichtig sind wie Zahlen. Für die Menschen in der Region ist es ein Signal, dass die Förde Sparkasse nicht nur regional verwurzelt ist, sondern auch grenzüberschreitend Verantwortung und Verbindung lebt.
Das Foto zeigt (v. l.): Botschafter des Königreichs Dänemark, Thomas Østrup Møller, und Peter Moll, Vorstandsvorsitzender der Förde Sparkasse und Königlich Dänischer Honorarkonsul.

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Fotos: iStock und Förde Sparkasse
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