
Die Europäische Kommission hat im vergangenen Jahr nun einen großen Schritt in Richtung Vereinfachung gemacht und bringt mit der App „EU funding & me“ die Förderlandschaft direkt aufs Smartphone.
Niedrigschwelliger Zugang zu umfangreichen Förderangeboten:
Jährlich stehen über das EU-Förder- und Ausschreibungsportal Fördermittel in Höhe von mehr als 38 Milliarden Euro zur Verfügung. Dadurch entstehen große Chancen für Unternehmen, Forschungseinrichtungen, öffentliche Institutionen und Organisationen.
Doch gerade für den Mittelstand ist die Förderlandschaft nicht immer leicht zu durchdringen. Häufig fehlen Zeit, Ausdauer und Ressourcen, um sich regelmäßig durch neue Programme und Ausschreiben zu arbeiten. Mit der neuen App reagiert die Kommission auf diesen Bedarf und macht umfangreichen Angebote transparenter und nutzerfreundlicher zugänglich.
Scrollen statt Suchen:
Statt sich bisher ausschließlich durch das Funding & Tenders Portal zu klicken, können Nutzerinnen und Nutzer jetzt auch mobil durch Fördermöglichkeiten „scrollen“. Sie erhalten Informationen zu aktuellen Ausschreibungen, Programmen und Einblicke in bereits geförderte Projekte in einem digitalen Informationskanal.
Das kann vor allem für Unternehmen interessant sein, die Förderthemen im Blick behalten möchten, ohne dafür laufend im Portal selbst recherchieren zu müssen.
Wer möchte, kann sich sogar benachrichtigen lassen, sobald neue, passende Förderaufrufe veröffentlicht werden. So bleibt man automatisch auf dem Laufenden – ganz ohne regelmäßige Eigenrecherche im Portal.
Ein kleiner Schritt für die App, ein großer für die EU-Förderung:
Die EU-Förderprogramme sind ein wichtiges Instrument zur Umsetzung politischer Prioritäten in Europa. Über das Funding & Tenders Portal werden zahlreiche Programme gebündelt, die auch für kleine und mittlere Unternehmen relevant sein können – je nachdem, ob es um Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Qualifizierung oder Transformation geht.
Dazu gehören:
- Horizont Europa: Das Programm unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Produkte, neuer Technologien sowie in Forschungs- und Entwicklungsprojekten in grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Für einen Maschinenbauer kann das zum Beispiel relevant sein, wenn er gemeinsam mit Partnern an einer neuen digitalen Fertigungslösung arbeitet.
- Single Market Programme (SMP): Dieses Programm möchte die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen stärken. Es kann etwa dann interessant werden, wenn ein Betrieb seine Marktposition ausbauen oder neue Geschäftsfelder erschließen möchte.
- Europäischer Sozialfonds Plus (ESF+): Hier stehen Beschäftigung, Qualifizierung und soziale Teilhabe im Mittelpunkt. Für Unternehmen ist dies relevant, wenn Beschäftigte weitergebildet oder Maßnahmen zur Fachkräftesicherung unterstützt werden sollen.
Diese Programme adressieren eine Vielzahl politischer Prioritäten – von Digitalisierung und Klimaschutz bis hin zu sozialem Zusammenhalt und Wettbewerbsfähigkeit.
Die Einführung der App ist vor diesem Hintergrund als Teil einer umfassenderen Digitalisierungsstrategie der Europäischen Kommission zu verstehen. Ziel ist es, den Zugang zu Fördermitteln weiter zu vereinfachen, neue Zielgruppen zu erreichen und die Nutzung bestehender Programme zu erhöhen.

Zentrale Funktionen der App:
Die App ist vollständig mit dem Funding & Tenders Portal synchronisiert und bietet eine Reihe praxisnaher Funktionen:
- Suche nach EU-Fördermöglichkeiten über verschiedene Programme und Themenbereiche
- Einblicke in EU-geförderte Projekte und deren Ergebnisse
- Personalisierte Benachrichtigungen zu relevanten Förderaufrufen
- Aktuelle Informationen zu Förderpolitik, News und Veranstaltungen
- Zugriff auf Projekte und Inhalte in Echtzeit – mobil und ortsunabhängig
Wie hilfreich das in der Praxis sein kann, zeigt ein einfaches Beispiel:
Ein mittelständischer Hersteller von Taschentüchern möchte seine energieintensive Produktion energieeffizienter machen. Weniger Energieverbrauch, geringere Kosten, mehr Wettbewerbsfähigkeit – vor allem auf dem internationalen Markt. Über die App verschafft sich die Geschäftsführerin zunächst einen Überblick über bereits geförderte Projekte in ähnlichen Bereichen und stößt auf ein vergleichbares Vorhaben. Das macht sie aufmerksam. Sie aktiviert die Benachrichtigungen für neue Aufrufe des Förderprogramms und behält die Entwicklungen künftig direkt auf dem Smartphone im Blick. Einige Zeit später erscheint tatsächlich ein Aufruf, der zu ihrem Vorhaben passt –ein Programm, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre Produktion durch effizientere Maschinen und Prozesse deutlich energieärmer zu gestalten. Das Unternehmen entscheidet sich, einen Antrag einzureichen. Ohne die App wäre diese Möglichkeit nie auf ihrem Radar erschienen.
Und wie geht’s weiter?
Wichtig bleibt: Die Antragstellung selbst erfolgt weiterhin ausschließlich über das Funding & Tenders Portal, das die zentrale Plattform für alle direkt von der EU verwalteten Programme.
Mit über 2 Millionen registrierten Nutzerinnen und Nutzern und rund 300.000 wöchentlichen Zugriffen ist das Portal bereits heute die wichtigste Anlaufstelle für EU-Förderprogramme.
Fazit
Mit „EU funding & me“ setzt die Europäische Kommission einen weiteren Schritt hin zu einer niedrigschwelligen und digitalen Förderlandschaft. Gerade für mittelständische Unternehmen wird der Zugang zu Informationen erleichtert und unterstützt dabei, passende Fördermöglichkeiten schneller zu identifizieren.
Für Akteure, die sich regelmäßig mit EU-Fördermitteln beschäftigen, kann sie insbesondere als Monitoring- und Informationsinstrument einen praktischen Mehrwert bieten – auch wenn die eigentliche Antragstellung weiterhin über das etablierte Portal erfolgt.
