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EEN liefert vielfältige Impulse durch weltweite Kontakte

Wo liegen neue Chancen, wenn alte Strukturen wegbrechen? Das Enterprise Europe Network (EEN) setzt den Fokus auf den Binnenmarkt, erschließt den KMU aber immer wieder auch Zugänge zu wichtigen internationalen Märkten.

Thomas Steiert

Berater für Unternehmensdienstleistungen bei der European Innovation Council and SMEs Executive Agency (EISMEA)

Das Enterprise Europe Network vermarktet sich als größtes Dienstleistungsnetzwerk für KMU mit internationalen Ambitionen. Wie groß ist es denn?

Wir sind natürlich sehr stolz auf dieses globale Dienstleistungsnetzwerk, das wachstumsorientierte kleine und mittlere Unternehmen sowie innovative Start-ups berät. Mehr als 3.000 Netzwerkberaterinnen und -berater aus rund 600 Partnerorganisationen setzen sich weltweit dafür ein, Unternehmen gezielt bei ihrem Wachstum zu unterstützen.

Der europäische Binnenmarkt bleibt dabei selbstverständlich die Priorität. Gleichzeitig möchten wir europäische Unternehmen aber dabei unterstützen, den Zugang zu wichtigen internationalen Märkten zu erschließen. Hierzu zählen beispielsweise Kanada, die USA, Mexiko, Großbritannien, Indien, Singapur und Japan.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind vor kurzem dem Enterprise Europe Network beigetreten. Hierdurch haben europäische KMU auch dort die Chance international tätig zu werden. Wie wirkt sich jedoch die gegenwärtige Sicherheitslage auf die Zusammenarbeit aus?

Über die Zusammenarbeit mit unserem neuen Partner im Emirat Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten freuen wir uns ganz besonders. Im April 2025 hatten sich die EU und die VAE darauf verständigt, Verhandlungen über ein ehrgeiziges Freihandelsabkommen aufzunehmen. Ziel ist es, die Handels- und Investitionsbeziehungen mit der Golfregion deutlich zu vertiefen.

Vor diesem Hintergrund sehen wir in der Partnerschaft mit Sharjah großes Potenzial. Gemeinsam möchten wir vor allem die Forschungs- und Innovationszusammenarbeit stärken und neue Möglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups schaffen, sich in diesem dynamischen Markt zu vernetzen und zu wachsen. Derzeit muss sicherlich jedes Unternehmen die Entwicklung im Land genau beobachten. Trotz der angespannten Sicherheitslage vor Ort führen wir aber die Zusammenarbeit weiterhin fort.

 

In der Abfall- und Kreislaufwirtschaft gibt es attraktive Chancen für europäische KMU beispielsweise in den Philippinen.

In Asien sind jüngst die Philippinen und Kambodscha als weitere Länder hinzugekommen. Was macht diese Länder besonders interessant für europäische KMU?

Die Nachfrage nach europäischen Technologien auf den Philippinen wächst stetig. Besonders großes Potenzial sehen wir in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Wasser- und Abwasserlösungen, Abfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft sowie in digitalen Anwendungen für Industrie und Infrastruktur.

Darüber hinaus bieten sich für europäische KMU attraktive Chancen in der Agrar- und Lebensmittelverarbeitung, insbesondere im Bereich Kühlketten, in industriellen Schlüsseltechnologien sowie in ausgewählten Nischen des Gesundheitswesens und der Verkehrstechnologien.

Sowohl die Philippinen als auch Kambodscha sind Mitglieder der ASEAN-Handelsgemeinschaft. In Kambodscha sehen wir für europäische Unternehmen vor allem vielversprechende Geschäftsmöglichkeiten in der Agrartechnologie sowie entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette.

In Südamerika sind bislang Brasilien, Chile und Kolumbien im Enterprise Europe Network vertreten. Nun hat die EU-Kommission das Mercosur-Abkommen zum 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft gesetzt. Zu den Mercosur-Staaten, die unter das Abkommen fallen, gehören neben Brasilien auch Argentinien, Paraguay und Uruguay. Ist es geplant, auch die drei letztgenannten Länder ins Netzwerk aufzunehmen?

Das MERCOSUR-Abkommen eröffnet europäischen Unternehmen neue Chancen, ihren Handel international weiter zu diversifizieren und ihre Präsenz in wichtigen Wachstumsmärkten auszubauen.

In Brasilien konnten wir bereits starke und verlässliche Partnerorganisationen für unser Netzwerk gewinnen. Auf beiden Seiten besteht großes Interesse, die vielfältigen Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sowie der Forschungskooperation aktiv zu nutzen.

Auch in Argentinien machen wir sehr gute Fortschritte. Wir sind auf einem vielversprechenden Weg, dort ebenfalls dauerhafte Partnerorganisationen zu gewinnen. Ein Beitritt Argentiniens zum Enterprise Europe Network erscheint aus heutiger Sicht bereits Mitte 2026 realistisch.

In den übrigen MERCOSUR-Mitgliedstaaten setzen wir unsere Suche nach geeigneten Partnern konsequent fort.

Afrika wird immer wieder als der kommende Kontinent bezeichnet. Woran liegt es, dass lediglich Tunesien im Enterprise Europe Network mitwirkt? Gibt es mit weiteren afrikanischen Staaten Gespräche über eine Zusammenarbeit im Rahmen des EEN?

Derzeit ist das Netzwerk in Afrika tatsächlich nur in einem einzigen Markt vertreten – in Tunesien. 

Gleichzeitig gibt es aber sehr positive Entwicklungen. Kürzlich konnten wir eine neue Partnerorganisation in Ruanda im Netzwerk willkommen heißen. Dank seiner politischen Stabilität und eines äußerst unternehmensfreundlichen Umfelds gilt Ruanda als einer der vielversprechendsten Schlüsselmärkte in Ostafrika. Als Mitglied der Ostafrikanischen Gemeinschaft eröffnet das Land Zugang zu einem Markt von rund 300 Millionen Menschen  –   unter anderem in Kenia, Uganda und Tansania  –   und profitiert von reduzierten Handelsbarrieren.

Die starke Nachfrage unserer Kunden nach Unterstützungsdienstleistungen in Afrika hat uns in den vergangenen Jahren zusätzlich motiviert, dort gezielt nach neuen Partnerorganisationen zu suchen. Unser Fokus liegt insbesondere auf den großen und dynamischen Märkten wie Nigeria, Kenia und Südafrika. In einigen Fällen führen wir bereits sehr konkrete Gespräche. Für offizielle Ankündigungen ist es jedoch noch etwas zu früh.


  • Kurzprofile von Unternehmen aus Partnerländern des Enterprise Europe Network, die Geschäftspartner in Deutschland suchen, finden Sie  in unserer Rubrik Kooperationsservice.
  • Informationen über geschäftliche Rahmenbedingungen in gut 40 europäischen Ländern finden Sie in unserer Rubrik Länderinformationen.

Die in diesem Interview geäußerten Ansichten liegen ausschließlich in der Verantwortung der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Auffassung der Europäischen Kommission wider. Weitere Informationen zur Europäischen Union sind im Internet verfügbar.

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Fotos: iStock und privat

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