Per Poulsen-Hansen: KMU sollen weiter aufs Ausland setzen

Dezember 2011

Dänemarks Botschafter will Binnenmarkt weiter stärken

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten in einigen europäischen Ländern gibt es andere, die gute Chancen für KMU bieten. Kurz vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Dänemark fordert ihr Botschafter, Per Poulsen-Hansen, kleine und mittlere Unternehmen auf, weiter auf das Ausland zu setzen und erläutert die Situation in Dänemark.

Sehr geehrter Herr Poulsen-Hansen, Dänemark übernimmt am 1. Januar 2012 die EU-Ratspräsidentschaft. Freuen Sie sich darauf oder wäre Ihnen angesichts der derzeitigen Turbulenzen ein anderer Zeitraum lieber gewesen? Was erhoffen Sie sich von dem halben Jahr?
Die Finanzkrise wird auch im kommenden Jahr eine große Herausforderung für die EU sein und somit auch für die dänische Ratspräsidentschaft. In allen Politikbereichen wird es erstens darum gehen, die bereits laufenden Rechtsakte, die in Vorbereitung sind, voran zu bringen, und zweitens, die schon vereinbarten Regeln zu implementieren. Es gibt reichlich Themen: vom Euro-Stabilitätspakt, über den Binnenmarkt, der Energiepolitik, Justiz und Inneres bis zum Haushalt der EU 2014-2020. Wir setzen uns dafür ein, dass alle 27 Mitgliedsstaaten an gemeinsamen Entscheidungen zur Bewältigung der Krise beteiligt sind. Selbstverständlich gibt es einzelne Fragen, die im Kreis der 17 Euroländer geklärt werden müssen, aber wir haben kein Interesse an einer Spaltung der EU.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden in Europa das Rückgrat der Wirtschaft. Angesichts finanzieller Unsicherheit, wankenden Staatshaushalten und sinkenden Konjunkturerwartungen, wie sollen sich da die KMU verhalten? Können Sie Ihnen noch ruhigen Gewissens raten verstärkt im Ausland aktiv zu werden?
Die aktuelle Schuldenkrise in der Eurozone hat besonders kleinen und mittleren Unternehmen Anlass zur Sorge bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung gegeben. Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 sind die Rahmenbedingungen für die europäischen KMU ungünstiger als früher. Es ist schwieriger geworden, Kredite aufzunehmen um Exportgeschäfte zu finanzieren und die Kaufkraft auf den Abnehmermärkten ist schwächer geworden.
In Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit und schwacher Konjunktur sind KMU aufgrund Ihrer Größe zurückhaltender bei Exportabenteuern. Doch seit Anfang 2010 hat sich die Lage in Deutschland ebenso wie in Dänemark verbessert und beide Länder verzeichnen wieder einen Anstieg beim Export. Es gibt also Anlass optimistisch in die Zukunft zu blicken. Besonders für eine Volkswirtschaft wie die Dänische ist der Handel mit dem Ausland entscheidend für wirtschaftliches Wachstum. Derzeit liegt in Dänemark großer Fokus auf dem Export in die sogenannten BRIK-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China). In der Gesamtbilanz ist es jedoch nach wie vor wichtig, sich der großen Bedeutung der Märkte in den Nachbarländern bewusst zu sein. Nicht zuletzt als wichtiger Lieferant für die großen deutschen Industrieunternehmen spielen die dänischen kleinen und mittleren Unternehmen eine wichtige Rolle als Wachstumsgenerator. Ich kann die kleinen und mittleren Unternehmen daher ganz beruhigt dazu auffordern auf Auslandsgeschäfte zu setzen.

Wie sieht es eigentlich mit dem Anteil der KMU in Dänemark aus?

Der weitaus größte Teil der dänischen Unternehmen gehört zu der Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen (Unternehmen mit bis zu 250 Angestellten und 50 Mio. Euro Umsatz). Wenn ich mich auf Daten der EU-Kommission beziehe, ähnelt die Wirtschaftsstruktur in Dänemark in groben Zügen der in Deutschland und der übrigen EU Länder. Ungefähr 99,7 Prozent der dänischen Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen, wobei die Gesamtzahl für die EU bei 98,8 Prozent liegt. Auch bei der Verteilung der Arbeitskräfte unterscheidet sich Dänemark kaum vom EU Durchschnitt. Die kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigten gut 66 Prozent aller dänischen Arbeitnehmer. Wenn so ein großer Anteil der Arbeitskraft im KMU-Sektor beschäftigt ist, tut eine Finanzkrise, wie wir sie erlebt haben, natürlich weh. Insgesamt haben 5,5 Prozent der Angestellten in kleinen und mittleren Unternehmen ihre Arbeit verloren. Dennoch hat Dänemark nach wie vor eine der höchsten Beschäftigungsquoten innerhalb der EU.

Wie viele davon sind im Ausland aktiv?
Schaut man auf den Anteil der dänischen KMU, die aktiv die Vorteile des Inneren Marktes der EU nutzen, so liegt Dänemark leicht über dem EU Durchschnitt. Insgesamt exportieren 8 Prozent der dänischen KMU in die EU Länder, während 6 Prozent der dänischen KMU in Länder außerhalb der EU exportieren.
In einer offenen und exportabhängigen Volkswirtschaft wie der dänischen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die vielen dänischen KMU sich auf den ausländischen Märkten integrieren. Besonders Deutschland als Dänemarks größter Exportmarkt ist ein nahliegendes Ziel für die Unternehmen, die Interesse daran haben zu exportieren und dies aufgrund ihrer Ressourcen auch können.

Haben Sie Informationen über die Intensität des Austauschs zwischen den KMU in Dänemark und Deutschland?

Es gibt bisher keine detaillierten Angaben darüber, wie viele dänische KMU auf dem deutschen Markt aktiv sind. Doch sehen meine Mitarbeiter in der Handelsabteilung, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, dass sehr viele der dänischen Unternehmen, die Interesse daran haben, auf den deutschen Markt zu kommen, KMU sind.

Was könnte man zum besseren europäischen Austausch der KMU noch für Maßnahmen ergreifen?
Ich glaube, eine der Ursachen dafür, dass sich dänische KMU im Vergleich mit den europäischen Partnerländern gut behaupten, ist die, dass der dänische Staat einiges leistet, um die Rahmenbedingungen für kleine und mittelgroße exportierende Unternehmen so gut wie möglich zu gestalten. So hat man in Dänemark einen Außen Wirtschaftsrat innerhalb des Außenministeriums eingerichtet, der KMU bei ihren Exportaktivitäten auf verschiedene Arten unterstützt. Es handelt sich unter anderem um zielgerichtete Beratung der einzelnen Unternehmen auch unter Einbeziehung eines festen Exportberaters von einer der dänischen Repräsentationen im jeweiligen Ausland.
Auf europäischer Ebene ist es entscheidend, dass der Innere Markt weiterhin gestärkt wird und die Handelsbarrieren zwischen den Mitgliedsländern identifiziert und beseitigt werden. Besonders für Dänemark ist der europäischen Handel von großer Bedeutung für das wirtschaftliche Wachstum. In einer internationalen Perspektive muss die EU nach wie vor die wachsenden Volkswirtschaften außerhalb Europas im Auge behalten und daran arbeiten weitere Freihandelsabkommen zu etablieren. Auf diese Weise lassen sich neue Märkte öffnen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen KMU stärken.

Was sollten deutsche Unternehmen beachten, wenn Sie in Dänemark erfolgreich Geschäfte machen wollen und was sollten Sie auf gar keinen Fall tun?
Für deutsche Unternehmen gibt es in Dänemark viele gute Möglichkeiten. Besonders in den Bereichen Biotech und Cleantech hat Dänemark viele Standortvorteile und es haben sich bereits mehrere führende internationale Cleantech-Unternehmen in Dänemark niedergelassen. Unterstützt werden diese Branchen auch von unserer Regierung, die das Ziel verfolgt, dass Dänemark im Jahr 2050 mit einer Energieversorgung ganz ohne fossile Brennstoffe auskommen wird.

Der EuropaService hat in seinen Eurokontakten die Profile von gut 50 dänischen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, die Partner in Deutschland suchen. Mehr dazu unter
http://www.europaservice.dsgv.de/eurokontakte


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