Wenn der Michel mit der Marianne ... Wirtschaftspartner Frankreich

April 2011

Frankreich und Deutschland sind seit Jahren füreinander die wichtigsten Handelspartner. Waren im Wert von rund 91 Mrd. EUR wurden von Deutschland nach Frankreich ausgeführt, im Gegenzug erhielt die Bundesrepublik Güter im Wert von knapp 62 Mrd. EUR. Diese engen Beziehungen zeigen sich auch dadurch, dass 1.670 deutsche Betriebe eine oder mehrere Niederlassungen in Frankreich gegründet haben. Nach einer Studie der „Invest in France Agency“ wagt jeden dritten Tag ein deutsches Unternehmen den Schritt über die Grenze und investiert im Nachbarland.

Spätestens bei der Etablierung einer Niederlassung werden kompetente Finanzpartner benötigt. Die Sparkasse KölnBonn ist der Frankreich-Experte im S-CountryDesk, der zum Internationalen Netzwerk der Sparkassen-Finanzgruppe gehört. „Um unseren Kunden eine maßgeschneiderte Unterstützung anzubieten, arbeiten wir mit französischen Partnerbanken zusammen. Diese bieten unseren Kunden ein breites Produktspektrum einschließlich Internet Banking in deutscher Sprache an. Für jeden Kundenbedarf gibt es das passende Betreuungskonzept. Kunden mit französischsprachigem Personal reicht die klassische zentrale Kontoführung während Kunden ohne Frankreich-Erfahrung sich häufig für eine engere Betreuung und Begleitung durch deutschsprachige Mitarbeiter der französischen Bank bereits ab Kontoeröffnung entscheiden“, so Michael Nißl, Leiter Internationales Geschäft und Medien Sparkasse KölnBonn.

Erste Anlaufstelle für Niederlassungen insbesondere im (Hoch-)Technologiebereich sind die 71 anerkannten Kompetenzzentren in Frankreich: http://www.competitivite.gouv.fr. Der Staat unterstützt diese Zentren inzwischen in der zweiten Phase mit 1,5 Mrd. EUR, wovon 850 Mio. EUR an Agenturen wie OSEO weitergereicht werden, die mit der Mittelverteilung beauftragt sind. Die Zentren sollen dazu dienen, Partnerschaften zwischen Unternehmen aus gleichen oder angrenzenden Branchen zu ermöglichen, den Standort Frankreich attraktiver zu gestalten und insbesondere Forschung und Entwicklung zu fördern.

Dass deutsche Unternehmen bei der Suche nach dem idealen Standort nicht allein gelassen werden, erläutert Dr. Jochen Legleitner, Niederlassungsleiter der SaarLB France: „Die SaarLB ist Teil des Internationalen Netzwerkes der Sparkassen-Finanzgruppe und allein aufgrund ihrer Nähe seit Jahren im Frankreichgeschäft aktiv. Dank ihres einzigartigen binationalen Profils ist die SaarLB in der Lage, Kunden mit deutsch-französischem Finanzierungshintergrund bei konkreten Investitions- wie auch Akquisitionsprojekten in der gesamten Wertschöpfungsbreite von der Strukturierung der Finanzierung bis zur Abwicklung des Tagesgeschäftes zu begleiten.“

Paris und Côte d’Azur in der Gunst ganz oben

Wohin genau es deutsche Unternehmen in Frankreich zieht, hat sich dabei in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Während in den 50er und 60er Jahren Elsass und Lothringen die bevorzugten Regionen waren, zieht es deutsche Firmen inzwischen vor allem in den Großraum Paris. Zunehmend begehrt sind außerdem die Côte d’Azur und die Region um Lyon.

Was hingegen auch nach zwanzig Jahren Mauerfall gleich geblieben ist: Investitionen kommen quasi ausschließlich aus Westdeutschland, wobei Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen Spitzenreiter bei der Gründung von Niederlassungen in Frankreich sind. Ostdeutsche Unternehmen halten sich weiterhin fern und haben gerade mal einen Anteil von 1 Prozent an der Gesamtzahl von knapp 4.600 deutschen Niederlassungen.

Und so „nachbarschaftlich“ man auch ist, gilt es Besonderheiten zu beachten, wie beispielsweise die SaarLB feststellt: Grundsätzlich dürfe man auf dem französischen Markt nicht „mit der Tür ins Haus“ fallen. Gar nicht voran komme man, wenn man dem französischen Partner ein deutsches Geschäfts- oder Arbeitsmodell überstülpe. Auch die persönlichen Kontakte seien in Frankreich sehr wichtig. Das könne einige Zeit erfordern, aber der Einsatz lohne sich.

Einhergehend mit den veränderten Niederlassungsregionen ist im Übrigen eine Verlagerung bei den bevorzugten Branchen zu beobachten. Zwar spielen das Baugewerbe, die Logistik sowie Maschinen- und Anlagenbau weiterhin eine herausragende Rolle, allerdings zeigen die Investitionen in Dienstleistungen, erneuerbare Energien und sogenannte grüne Technologien steil nach oben.

Susanne Weber, Projektfinanzierungen SaarLB: „In den letzten drei Jahren haben sich die Anfragen ganz klar in Richtung Erneuerbarer Energien entwickelt. Als deutsch-französisch aufgestellte Bank betreuen wir Kunden gerade auch im benachbarten Frankreich. Wir haben uns auf die Begleitung mittelständisch strukturierter Energieprojekte - vorrangig Wind- und Photovoltaikprojekte - spezialisiert.“

Reindustrialisierung ein Förderschwerpunkt

Die Hinwendung zu Dienstleistungen und anderen Branchen hat allerdings auch eine Schattenseite: Seit 2000 hat Frankreich rund eine halbe Million Arbeitsplätze in der Industrie verloren. Aus der Statistik geht allerdings nicht hervor, ob es sich dabei um Arbeitsplätze in grundsätzlich wenig zukunftsfähigen Bereichen gehandelt hat.

Nichtsdestotrotz soll diese Entwicklung mit einer gezielten Industrieförderung, dem „États généraux de l’industrie“, zurückgedrängt werden und eine Reindustrialisierung von Teilen der französischen Wirtschaft erfolgen. Bis 2013 stehen allein 200 Mio. EUR für vergünstigte Darlehen zur Verfügung. Voraussetzungen sind allerdings u. a. eine Mindestinvestition in Höhe von 5 Mio. EUR sowie die Schaffung von mindestens 25 Arbeitsplätzen. Zudem muss das geförderte Projekt innerhalb von 36 Monaten abgeschlossen werden.

In eine ähnliche Richtung zielt die bereits Anfang 2010 beschlossene große Nationale Anleihe („Grand emprunt“). Mit dem Ziel, Frankreichs Wirtschaft zu modernisieren und gleichzeitig die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise abzufedern, werden 35 Mrd. EUR in fünf Schwerpunktbereichen zur Verfügung stellt. Der Bereich „Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)“ wird dabei mit 6,5 Mrd. EUR bedacht. Weitere Schwerpunkte sind Bildung mit 11 Mrd. EUR, Forschung mit 7,9 Mrd. EUR, nachhaltige Entwicklung mit 5,1 Mrd. EUR sowie IT/digitale Wirtschaft mit 4,5 Mrd. EUR. Ansprechpartner für KMU ist die Unternehmensagentur OSEO: http://www.oseo.fr.

Neben den neuen, zusätzlichen Maßnahmen ist und bleibt eines der wichtigsten französischen Förderinstrumente allerdings der „Crédit d’Impôt“, eine Steuergutschrift für Investitionen in Forschung und Entwicklung. 4,8 Mrd. EUR wurden dafür 2010 im Etat berücksichtigt, 2009 konnten rund 13.000 Unternehmen Bewilligungen in einer Gesamthöhe von 5,8 Mrd. EUR in Anspruch nehmen. Im ersten Jahr sind Vergünstigungen bis zu 50 Prozent (max. 100 Mio. EUR) möglich, förderfähig sind z. B. Personalkosten, Beauftragung von Forschungseinrichtungen, Patent- und Zertifizierungskosten sowie bestimmte Abschreibungen.

Unternehmen aus Deutschland können ebenfalls hiesige Fördermittel nutzen und damit in Frankreich investieren. Ein Beispiel sind Kredite der KfW. "Die SaarLB bietet ihren Kunden - neben anderen Kreditoptionen - auch KfW-Mittel im grenzüberschreitenden Geschäft an", so Susanne Weber.

Neben Fördermitteln, Projekten und Kompetenzzentren gilt es allerdings auch das tägliche „Brot-und-Butter“-Geschäft zu managen. „Auf Grund vielfältiger Informationsangebote oder einfach durch persönliche Kontakte zu Geschäftspartnern, verfügen viele Kunden über ein Grundwissen und haben einige Aspekte ihrer Frankreich-Strategie bereits abgedeckt, wenn sie sich an ihre Sparkasse wenden. Hier gilt es, die restlichen Lücken zu schließen. Der S-CountryDesk hilft nicht nur mit der bankmäßigen Betreuung, sondern kann ebenfalls Rechtsanwälte oder Steuerberater vor Ort empfehlen, mit der Vermittlung von virtuellen Büros oder der Suche nach einem Handelsvertreter Unterstützung anbieten“, so Michael Nißl weiter.

Bei allen Gemeinsamkeiten oder Ähnlichkeiten im französischen und deutschen Geschäftsalltag gibt es allerdings einige Unterschiede zu beachten. Dazu Stephen Peacock, Sparkasse KölnBonn: „Insbesondere in der Bankenwelt gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Trotz gemeinsamer Währung und trotz SEPA zahlt der französische Geschäftspartner noch immer gern mit Scheck oder Wechsel. Die Bedeutung der Überweisung wächst, macht aber noch immer nur knapp 30 Prozent des französischen Zahlungsverkehrs aus. Die Franzosen kennen den "elektronischen Wechsel" (LCR – lettre de change relevé), der ein Höchstmaß an Sicherheit bietet. Hier muss sich die relativ unbekannte SEPA-Lastschrift noch etablieren. Und bei den normalen Kontoführungsgebühren müssen sich deutsche Kunden auf höhere Basispreise als zu Hause einstellen.“

 

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