Neue Jobs an erster Stelle: Förderung in Serbien und Kroatien

Oktober 2010

Bei Arbeitslosenquoten von gut 16 Prozent in Kroatien und rund 19 Prozent in Serbien ist es nur logisch, dass die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen Priorität bei allen Fördermaßnahmen in beiden Balkanstaaten hat. Vor allem wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um offizielle Zahlen handelt und die tatsächliche Arbeitslosigkeit insbesondere bei jüngeren Arbeitnehmern wahrscheinlich wesentlich höher ist. Beide Staaten bieten zum einen direkte Zuschüsse bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und honorieren Investitionen zum anderen mit Steuererleichterungen.


Bis zu 10.000 EUR Zuschuss je neue Stelle

Serbien bietet Investoren Zuschüsse bis zu 10.000 EUR für neue Arbeitsplätzen. Allerdings ist diese Unterstützung an einige Bedingungen geknüpft:

• Investoren im verarbeitenden Gewerbe erhalten zwischen 2.000 EUR und 10.000 EUR pro Arbeitsplatz, wenn sie mindestens 50 neue Stellen schaffen und zwischen 500.000 und 1 Mio. EUR investieren. Eine Rolle spielt ebenfalls, in welcher Region Serbiens investiert wird, also ob es sich um (ehemals) zerstörte Regionen, um Regionen von speziellem staatlichem Interesse oder andere Gebiete handelt.
• Exportorientierte Dienstleister werden ebenfalls mit 2.000 EUR bis 10.000 EUR je neuer Stelle gefördert, allerdings müssen sie lediglich 10 neue Stellen einrichten. Die Mindestinvestitionssumme liegt ebenfalls bei 500.000 EUR.
• Großinvestitionen ab 50 Mio. EUR, bei denen mindestens 300 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, können mit bis zu 25 Prozent der Investitionssumme gefördert werden.

Vor einer Investitionsentscheidung sollte man in jedem Fall Kontakt zur serbischen Förderagentur SIEPA (www.siepa.gov.rs) aufnehmen. Zum einen sind bei der 2001 gegründeten staatlichen Agentur die entsprechenden Anträge zu stellen und zum anderen hat sich die Agentur auf die Fahnen geschrieben, Investoren maßgeschneiderte Hilfestellung und Unterstützung bei allen Fragen zu bieten.

Dass die Förderungen in Anspruch genommen werden, zeigen zwei aktuelle Beispiele, wobei es sich leider nicht um deutsche Unternehmen handelt. Die italienische Textilgruppe Fiorentino erhält für die Schaffung von 60 Arbeitsplätzen allein 300.000 EUR Fördermittel. Und das slowenische Unternehmen Elrad WS erhält für die 50 zusätzlichen Jobs im Zuge eines Kapazitätsausbaus 7.000 EUR je neuer Stelle.

Kroatien differenziert seine Arbeitsplatzförderung anhand der regionalen Arbeitslosenquoten. In Regionen mit mehr als 20 Prozent Arbeitslosigkeit werden neue Stellen mit 20 Prozent, jedoch maximal 3.000 EUR pro Stelle gefördert. Liegt die regionale Quote zwischen 10 und 20 Prozent, gibt es noch eine 15 prozentige Förderung, maximal 2.000 EUR pro Arbeitsplatz, und bei unter 10 Prozent beläuft sich die Förderung immerhin noch auf 10 Prozent (maximal 1.500 EUR/Arbeitsplatz). Berechnungsgrundlage für die Zuschüsse ist die voraussichtliche Bruttolohnsumme über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Neben dieser Basisförderung können sich die Hilfen noch erhöhen, je nachdem in welcher Branche die neuen Stellen geschaffen werden. Im Hochtechnologiebereich kommen noch einmal 50 Prozent „on top“ oder anders ausgedrückt zwischen 750 und 1.500 EUR für jeden neuen Arbeitsplatz. Stellen im Dienstleistungssektor wie Call-Center, Logistik oder in der IT-Branche erhalten eine zusätzliche Förderung von 25 Prozent, bzw. 375 bis 750 EUR.

Die Förderungen sind neben der Staffelung zum Teil noch an weitere Bedingungen geknüpft, wobei für alle gilt: Die Investitionen und die damit verbundenen Arbeitsplätze müssen mindestens fünf Jahre erhalten bleiben.


Steuererleichterungen für Arbeitsplätze

Eine zweites Standbein in der Förderung sowohl in Kroatien als auch in Serbien sind Steuererleichterungen. In Serbien profitieren vor allem Großunternehmen von einer vollständigen Befreiung von der Körperschaftsteuer für bis zu zehn Jahre. Voraussetzung ist allerdings einer erhebliche Investitionssumme von umgerechnet mindestens 7,5 Mio. EUR und die Schaffung von 100 neuen, unbefristeten Arbeitsplätzen.

Bei geringeren Investitionen spielt wiederum die Region eine entscheidende Rolle: In schwach entwickelten serbischen Gebieten kann die Körperschaftsteuer für bis zu fünf Jahre erlassen werden, wenn u. a. umgerechnet rund 75.000 EUR investiert und fünf neue Arbeitnehmer unbefristet eingestellt werden. Daneben gibt es Fördertöpfe der serbischen nationalen Arbeitsagentur, die ebenfalls die Schaffung von neue Arbeitsplätzen unterstützen und in Aus- und Weiterbildung investieren.

Kroatien staffelt die Steuererleichterungen je nach Investitionssumme und Anzahl neuer Arbeitsplätze. Gleich ist bei allen Sätzen die Förderdauer von maximal zehn Jahren, wobei auch hier die Investition und die entsprechenden Arbeitsplätze mindestens fünf Jahre aufrecht erhalten werden müssen. Wie auch in Serbien profitieren Großinvestoren am stärksten, denn bei einer Investition über 8 Mio. EUR und mindestens 75 neuen Arbeitsplätzen wird das Unternehmen von der Körperschaftsteuer befreit. Aber auch Investitionen zwischen 300.000 und 500.000 EUR unter Schaffung von mindestens 10 neuen Arbeitsplätzen werden belohnt. Die Körperschaftsteuer sinkt hier auf 10 Prozent, was immerhin nur die Hälfte des Normalsatzes ist.

Um Investoren einen möglichst schnellen Überblick zu verschaffen, mit welchen Förderungen sie rechnen können, hat die kroatische Agentur für Export- und Investitionsförderung einen webbasierten, interaktiven Kalkulator online gestellt. Unter www.apiu.hr (-> Investitionsführer, -> Investitionsförderung Kalkulator) können Unternehmen Modellrechnungen komfortabel in Deutsch durchführen. Natürlich ersetzt der Kalkulator am Ende nicht den direkten Kontakt zur Agentur, die wie ihr serbisches Pendant für sämtliche Förder- und Investitionsfragen zur Verfügung steht.

Auf europäischer Ebene werden die beiden Staaten darüber hinaus mit Mitteln aus dem „Instrument für Heranführungshilfe (IPA)“ unterstützt. Die Gelder werden dezentral in den jeweiligen Ländern verwaltet. Die Ausschreibungen stehen in der Regel jedem offen, allerdings sollten kleine und mittlere Unternehmen genau abwägen, ob sich der Aufwand tatsächlich lohnt. Unter Umständen ist es wesentlich sinnvoller, sich als „Sub-Contractor“ beim jeweiligen Projektverantwortlichen zu bewerben.

Die Fördermaßnahmen fallen in eine Zeit, in der deutsche Unternehmen in Kroatien wieder etwas Hoffnung fassen. Laut einer Anfang des Jahres durchgeführten Umfrage der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer beurteilen die Unternehmer die gegenwärtige kroatische Wirtschaftslage zwar als schlecht, aber von einer weiteren Verschlechterung gehen nur noch 57 Prozent aus. Ganz im Gegensatz zu 2009, wo noch 72 Prozent dieser Meinung waren.

Eine ebenfalls Anfang des Jahres durchgeführte Befragung der Deutschen Wirtschaftsvereinigung Serbiens zeichnet ein ähnliches Bild. Knapp zwei Drittel der deutschen Unternehmer in Serbien halten die gegenwärtige Wirtschaftslage im Land für schlecht und erwarten keine großen Änderungen. Nichtsdestotrotz gehen 48 Prozent der Unternehmen von einer Umsatzsteigerung 2010 aus und der überwiegende Rest (45 Prozent) erwartet immerhin gleichbleibende Ergebnisse.

Unternehmen, die in Serbien oder Kroatien investieren und Geschäfte machen wollen, können auf die gesamte Palette der Dienstleistungen der Sparkassen-Finanzgruppe zurückgreifen. Der S-CountryDesk bietet beispielsweise Unterstützung rund um die „Finanzen“. Sei es, wenn es darum geht, in diesen Ländern ein Konto zu eröffnen - unumgänglich für Fördermittel - oder wenn Finanzdienstleister vor Ort gesucht werden, insbesondere jenseits der Hauptstädte Belgrad und Zagreb.

Weitere Informationen zu Serbien finden Sie im aktualisierten Länderinfo auf www.europaservice.dsgv.de/laender. Das Länderinfo Kroatien wird ebenfalls in den nächsten Tagen aktualisiert zur Verfügung stehen.


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