Südtirol: Autonomie schafft Freiräume

März 2018

Die wirtschaftliche Situation Italiens wird immer wieder kritisch in der Presse beleuchtet. Dr. Hansjörg Prast, Generaldirektor des Wirtschaftsdienstleisters IDM Südtirol, erklärt, warum Südtirol trotzdem ein attraktiver Standort für mittelständische Unternehmen aus Deutschland ist,

Herr Dr. Prast, in Italien wird Anfang März mal wieder gewählt. Wie wirken sich die häufigen Wahlen auf Ihre Arbeit aus?
Es gibt für uns geringe Auswirkungen, da Südtirol über eine politische Autonomie mit entsprechenden Spielräumen bei der Gestaltung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verfügt. Es gibt außerdem eine starke Innovationsdynamik, und Südtirol hat eine Kultur- und Sprachenvielfalt, die dieser Region einen besonderen Status verleiht.

Derzeit sieht es mit Italiens Wirtschaft insgesamt nicht wirklich rosig aus. Was sollte deutsche KMU dennoch dazu bewegen, sich in Südtirol zu engagieren - sei es im Handel oder in der Produktion vor Ort?
Wie bereits erwähnt, hat Südtirol eine Autonomie, aus der man eine unternehmer- und bürgerfreundliche öffentliche Verwaltung erschaffen hat. Hinzu kommt der hohe Innovationsdrang der Unternehmen als Basis für die Wirtschaftsstärke des Landes. Italiens Regierung hat zudem in den letzten Jahren wichtige Maßnahmen im Arbeitsrecht (Jobs Act) und bei den Steuern umgesetzt - die Körperschaftssteuer wurde von 27,5 auf 25 Prozent gesenkt.

Mit welchen Fragen wenden sich deutsche Unternehmen an Sie?
Die häufigsten Fragen deutscher Unternehmen betreffen die Bürokratie und die Steuergesetze, die sich in Italien schnell ändern. Wir können die Unternehmer in dieser Hinsicht beruhigen und begleiten sie mit Unterstützung von Wirtschafts- und Steuerberatern, damit alles seine Richtigkeit hat und das Unternehmen frühzeitig über eventuelle Änderungen in der Gesetzgebung informiert wird. Somit kann sich der Unternehmer ganz auf die operative Geschäftstätigkeit konzentrieren.

Als Geschäftsführer von IDM ist es natürlich Ihre Aufgabe, möglichst viele Unternehmen nach Südtirol zu holen. Aber für welche Unternehmen würden Sie sagen, sind andere Regionen Italiens geeigneter?
In Südtirol sind nur 2,4 Prozent der Gesamtfläche bebaut oder besiedelt; mit der Natur gehen wir hier sehr verantwortungsbewusst um – nicht umsonst nennt man Südtirol auch die „green Region“. Für Unternehmen mit sehr großem Flächenbedarf oder umweltbelastende Branchen wie zum Beispiel Schwerindustrie ist unser Standort aus diesen Gründen nicht sehr geeignet.

Was war bislang Ihr interessantester Fall bei der Betreuung deutsch-südtiroler Wirtschaftsbeziehungen?
Sicher war die Betreuung der Unternehmensgruppe Reusch International AG im abgelaufenen Jahr 2017 sehr interessant. Reusch ist ein weltweit tätiger mittelständischer Traditionsbetrieb (1934 im baden-württembergischen Metzingen gegründet), der führend in der Produktion von Ski-, Snowboard-, Langlauf- und Mountaineering- sowie Torwarthandschuhen ist. 2017 stand das Unternehmen vor einer großen Weichenstellung. Nach Jahren des Wachstums sollte eine Neustrukturierung zu klareren Strukturen und Abläufen führen. Reusch ist jetzt ein Südtiroler Unternehmen mit deutschen Wurzeln – hat es doch nun den Unternehmenssitz in Bozen.

Was waren die Gründe für die Standortwahl?
Als Gründe nannte Unternehmenschef Weitzmann die Erreichbarkeit und die Alpine DNA. „Bozen liegt zentral in den Alpen, von hier aus sind München, Salzburg, Mailand oder die Schweiz gleichermaßen in kurzer Zeit erreichbar, der ganze Alpenbogen kann problemlos abgedeckt werden. Zudem ist ein Unternehmen wie Reusch, das die Berge in der DNA trägt, hier im Herzen der Alpen gut aufgehoben. Unsere Mitarbeiter sind in ihrer Freizeit ständig draußen, sie können unsere Produkte leben“, so der CEO. Besonders schätzte Reusch zudem den unkomplizierten Zugang zu Innovations-Fördermitteln in Südtirol.

Haben Sie noch einen Tipp für deutsche Unternehmen?
Wir laden deutsche Unternehmen ein, Südtirols Innovationsdynamik kennenzulernen, die gerade durch den im Herbst 2017 neu eröffneten NOI Techpark einen Aufschwung erlebt. Zudem ist Südtirol für die strategische geografische Lage auf der Nord-Süd Achse und die Zweisprachigkeit sehr interessant für den Einstieg in den italienischen Markt.

Über geschäftliche Rahmenbedingungen in Italien informiert der EuropaService in seinem Länderinfo unter https://europaservice.dsgv.de/laenderinfos/irland-luxemburg/italien.html. Darüber hinaus bietet er verschiedene Möglichkeiten Geschäftspartner in Italien zu finden. Mehr dazu unter https://europaservice.dsgv.de/kooperationsservice/index.html


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