Chancen in Chinas Westen

Februar 2014

Wildwest – das war einmal. Infrastrukturmaßnahmen und gezielte Ansiedlungspolitik haben Westchina zu einem interessanten Markt auch für Mittelständler gemacht. Wie EUPIC (EU Project Innovation Centre), eine in Westchina ansässige Organisation, hierbei helfen kann, erläutert deren Projektmanagerin Lara Zheng.

Frau Zheng, „Westchina ist weit weg von den Zentren der Küste und bedeutet immer noch etwas mehr Abenteuer“ - Wie denken Sie über diesen Ausspruch?

Durch die Reform- und Öffnungspolitik Chinas entwickelten sich zunächst sicherlich die Küstengebiete, was in gewissem Maß zu Ungleichgewichten führte. Aufgrund seiner Vorkommen an Boden und Energieressourcen sowie der jetzigen Go-West-Strategie der Regierung hat aber Westchina an Anziehungskraft aufgeholt. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass es sich lohnt in Westchina zu investieren.

Durch die Go-West-Strategie der chinesischen Regierung soll es hervorragende Investitionsanreize in Westchina geben. Worin bestehen diese?

Zum einen schafft die Regierung seit dem Jahr 2000 die entsprechende Infrastruktur für Investitionen: So gibt es mittlerweile zum Beispiel eine direkte Zugverbindung zwischen Polen und Westchina für den Güterverkehr, so dass der Transport nur noch 14 Tage statt wie auf dem Seeweg 40 Tage dauert. Ferner wurden Maßnahmen im Bereich Umweltschutz unterstützt, wodurch eine nachhaltige Entwicklung möglich ist. Darüber hinaus gibt es für Unternehmen, die in Westchina investieren möchten, spezielle steuerliche Vorteile: Beispielsweise müssen bestimmte Industriebranchen nur eine Körperschaftsteuer von 15 Prozent entrichten.

Auf den Internetseiten von EUPIC ist zu lesen, dass sich 245 der Welt-Top-500-Unternehmen in Chengdu niedergelassen haben. Wie sieht es denn mit ausländischen KMU in der Region aus?

Bis Januar 2014 sind sogar bereits 252 der Welt-Top-500-Unternehmen in Chengdu ansässig, unter anderem sind deutsche Unternehmen wie Siemens, Volkswagen, Bosch, DHL und SAP präsent. Darüber hinaus sind aber bis Ende 2013 insgesamt sogar mehr als 5000 ausländische Mittel- und Kleinunternehmen in Chengdu aktiv. Diese sind hauptsächlich in der Fertigungsindustrie auf hohem technologischen Niveau im Bereich IKT, erneuerbare Energie, Biopharmazeutik und im modernen Dienstleistungssektor tätig.

Sie arbeiten für das EU Project Innovation Centre – EUPIC, das wie der EuropaService der Sparkassen-Finanzgruppe zum Enterprise Europe Network gehört. Was verbirgt sich dahinter? 

Das EU Project Innovation Centre – EUPIC ist eine, von der EU und der chinesischen Regierung finanzierte, etablierte Plattform für die Förderung des Austauschs und der Zusammenarbeit zwischen chinesischen und europäischen Mittel- und Kleinunternehmen.  Neben der Förderung zur Ansiedlung ausländischer Unternehmen, bieten wir auch chinesischen Unternehmen, die  „ins Ausland gehen“ möchten, Beratungen und Dienstleistungen an.

Und was können Sie konkret für deutsche KMU tun, die mit China ins Geschäft kommen wollen?

Wir vom Fach-Team EUPIC können interessierte Unternehmen aus Deutschland sowohl bei der Partnersuche als auch bei Verhandlungen bis zur Errichtung eines Repräsentanzbüros, einer Firma oder Zweigstelle unterstützen. Darüber hinaus bieten wir kostenfreie Büroräume für 3 bis 6 Monate. Dort können die Firmen auch Beratungsdienstleistungen für die Einstellung von Fachkräften, den interkulturellen Austausch, die Verwaltung usw. genießen.

Von deutschen Unternehmen ist öfter von Bürokratie, Intransparenz, Korruption und Produktpiraterie im Zusammenhang mit China zu lesen. Können Sie deutschen Unternehmen hier Tipps geben?

Nun, solche Probleme bestehen in unterschiedlichem Maße sicherlich in jedem Land, sie sind der chinesischen Regierung bekannt und sie versucht diese zu lösen,  was auch weltweit anerkannt wurde. Obwohl das wirtschaftliche und politische Umfeld in China seine eigene Prägung hat, gibt es keinen wesentlichen Unterschied bei Geschäften in China im Vergleich zu anderen Ländern. Entscheidend für den Erfolg eines Geschäfts ist die Perspektive des Marktes.  Aber natürlich sind ein zuverlässiger Lokalpartner sowie eine gute Interaktion mit relevanten Regierungsbehörden hilfreich, um das Geschäft schneller nach vorne zu treiben. EUPIC kennt das lokale Investitionsumfeld gut und verfügt über ein gut funktionierendes Networking mit Regierung und Unternehmen, was für ausländische Unternehmen, die gerade erst in den chinesischen Markt eintreten, von großem Nutzen ist. Das ist genau der Grund für die Existenz von EUPIC.

Im Oktober 2014 veranstaltet EUPIC zum neunten Mal eine Geschäfts- und Technologie-Kooperationsmesse. Für welche Branchen ist die Teilnahme besonders interessant?

Die 9. EU-China Business and Technology Cooperation Fair (EU-China BTCF IX) wird voraussichtlich vom 21. bis 23. Oktober 2014 parallel zur 15. Internationalen Messe von Westchina (Western China International Fair) in Chengdu veranstaltet.  Schwerpunkt ist die Ansiedlung von Industrie im Bereich Gesundheitswesen, Umweltschutz, moderner Landwirtschaft,  Biopharmazeutik, Luftfahrt und IKT.

Welche Reaktionen haben Sie bislang erhalten?

In den vergangenen Jahren haben insgesamt 1392 europäische Unternehmen aus 25 EU-Mitgliedstaaten und 2755 chinesische Unternehmen an der Kooperationsmesse teilgenommen. Mehr als 10.000 Matchmaking-Gespräche wurden erfolgreich arrangiert. Davon führten 30 Prozent zu Vereinbarungs-/Vertragsabschlüssen zwischen europäischen und chinesischen Unternehmen.

Ansprechpartnerin für deutsche Unternehmen bei EUPIC ist Lara Zheng (lara_zheng@eupic.org.cn)

Informationen zu der Messe im Oktober finden sich unter http://www.b2match.eu/eu-china-cooperation-fair/pages/home

Auch außerhalb der Messe gibt es über das Enterprise Europe Network der EU Möglichkeiten Geschäftspartner in China (und weiteren Ländern) zu finden. Hierbei hilft auch der EuropaService der Sparkassen-Finanzgruppe, der diesem Netzwerk angehört. Infos unter http://europaservice.dsgv.de/kooperationsservice/index.html
 

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