Ressourcen schützen, nachhaltig handeln, Förderung erhalten

Juni 2010

Viele gute Ideen und Innovationen zur nachhaltigen Nutzung der Ressourcen oder zu einer ökologischeren Produktion lagern ungenutzt in Schubladen oder schlummern in Köpfen, weil für die Markteinführung das nötige Geld fehlt. Die EU-Kommission versucht, eine Brücke zwischen der reinen Forschung und der tatsächlichen Realisierung zu schlagen und fördert Unternehmen bei der Umsetzung fertig entwickelter Ideen.

Aktuell können sich Unternehmen im Rahmen der EU-Initiative „Öko-Innovation“ bis zum 9. September 2010 um Förderzuschüsse bewerben. Es stehen in diesem Jahr rund 35 Mio. Euro zur Verfügung. Öko-Innovation ist ein Teil des europäischen Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovationen (CIP). Die Initiative richtet sich wie das gesamte CIP-Programm vor allem an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der EU.

Die Unterstützung von Öko-Innovationen gehört zur europäischen Strategie, sowohl den Umweltschutz als auch die Innovationsfähigkeit der EU voran zu treiben. Im Fokus stehen Entwicklungen und Projekte, die einerseits der Umwelt in Europa dienen und sich andererseits am Markt und im Wettbewerb behaupten können. Bevorzugt werden in diesem Jahr die Themenbereiche Recycling, nachhaltige Bauprodukte, Nahrungsmittel und Getränke sowie „grünes Business“.


Welche „Öko-Innovationen“ fördert die EU?

Gefördert werden Projekte, die technisch ausgereift sind und deren Umsetzbarkeit bereits demonstriert wurde, die allerdings noch nicht im Markt platziert werden konnten. Von den vier bevorzugten Bereichen erlebt das Recycling eine Renaissance. In den letzten Jahren etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung gerutscht, gewinnt dieses für den Umweltschutz und einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen wichtige Gebiet wieder an Gewicht.

Bessere Sortierung von Abfällen und neue Produkte aus recycelten Materialien sollen helfen, Rohstoffe zu schonen, und können gefördert werden. Auch die Entwicklung von innovativen Verwertungsketten, um einen Markt für recycelte Produkte zu schaffen und aufzubauen, kann für eine Förderung berücksichtigt werden.

Der Bereich „nachhaltige Baustoffe“ steht gleichfalls unter dem Oberbegriff Schonung von Ressourcen. Dementsprechend werden Innovationen, die z. B. den Rohstoffverbrauch verringern, gefördert. Die Entwicklung intelligenter Baumaterialien spielt ebenfalls eine große Rolle, sollen diese Materialien doch dazu beitragen, den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken.

Beim Griff ins Einkaufsregal denken die Wenigsten wahrscheinlich an den „ökologischen Fußabdruck“, den die beliebte Salami, der französische Camembert und das italienische Mineralwasser hinterlassen. Aber allein 135 Liter Wasser werden für ein Frühstücksei benötigt, so die Berechnungen des World Wide Fund for Nature (WWF). Und bevor die Flasche Mineralwasser auf dem Tisch steht, schlägt der Transport mit rund 100 Gramm Kohlendioxid pro Liter Wasser zu Buche.

Kein Wunder, dass im Lebensmittel- und Getränkesektor noch zahlreiche Möglichkeiten für ökologischere und nachhaltigere Produkte, Produktionen und Dienstleistungen vermutet werden. Gefördert werden Innovationen, die zum Ziel haben, (Verpackungs-)Abfälle zu vermeiden oder zu recyceln, Treibhausgas-Emissionen zu verringern sowie Wasser und andere Ressourcen effizienter einzusetzen.

Unter dem Oberbegriff „grünes Business“ fördert der CIP-Programmteil Öko-Innovation u. a. die Entwicklung und Umstellung von Produktionsprozessen, die einen geringeren Rohstoffverbrauch gewährleisten. Auch die Umstellung des Einkaufs anhand von anerkannten Umweltkriterien hin zu einem ökologischen Beschaffungswesen kann mit Fördermitteln bedacht werden.


Wie funktioniert die Antragstellung?

Bewerben können sich Unternehmen mit Sitz in einem Mitgliedstaat der EU. Die Auswahl erfolgt anhand eines umfangreichen Bewerbungsverfahrens, bei dem die Maßnahmen u. a. nach Qualität, Vorteilen für die Umwelt, innovativem Charakter, Auswirkungen auf den Markt und - als wichtigem Kriterium - europäischem Mehrwert bewertet werden. Die maximale Laufzeit für Projekte beträgt 36 Monate; bis zu 50 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten können als Zuschuss gewährt werden.

Unternehmen, die sich für diese Förderung interessieren, können bis zum 9. September 2010 Vorschläge bei einer von der EU-Kommission beauftragten Agentur einreichen. Auf der Webseite http://ec.europa.eu/environment/eco-innovation/application_en.htm wird das Verfahren im Einzelnen erläutert, die Anträge müssen elektronisch eingereicht werden. Auf dieser Webseite finden sich Ansprechpartner, die bei der Antragstellung und anderen Fragen zur Verfügung stehen.

Bis die Gelder dann tatsächlich fließen, dauert es allerdings eine Weile: Die Bewertung der Vorschläge soll im Januar 2011 abgeschlossen und die daraus resultierenden Verträge im März 2011 unterzeichnet werden.


Deutsche Förderkredite für Umweltinvestitionen

Zwei wesentliche Punkte der EU-Initiative Öko-Innovation sollen noch einmal deutlich unterstrichen werden. Erstens, Zuschüsse gibt es für Maßnahmen zur Überwindung von Hürden bei der Markteinführung technisch ausgereifter Produkte und Prozesse, aber nicht für die eigentlichen Sachinvestitionen in Energie sparende und Umwelt schützende Projekte.

Zweitens, ein entscheidender Faktor für die Förderfähigkeit einer Maßnahme ist deren „europäischer Mehrwert“. Dieser kann u. a. im Nachweis der Übertragbarkeit einer in Deutschland erfolgreichen Vorgehensweise auf andere Länder liegen.

Demzufolge sollten deutsche Unternehmen, die in innovative oder bewährte Maßnahmen für allgemeinen Umweltschutz oder zur Energieeffizienz investieren wollen, nicht vor allem nach Brüssel blicken, wo es Zuschüsse nach einem langwierigen und komplexen Verfahren geben könnte. Zur Erleichterung solcher Sachinvestitionen stehen in Deutschland selbst sehr zinsgünstige Förderkredite zur Verfügung - zum Beispiel aus dem ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramm der KfW.

In die Konditionengestaltung dieses Programms werden Zuschüsse aus dem sogenannten ERP-Sondervermögen (frühere „Marshall-Plan“-Gelder) so „eingebaut“, dass die Kredite zu sehr niedrigen Zinssätzen vergeben werden können. Für Kleinunternehmen sind diese besonders günstig und beginnen je nach Standort in den alten oder neuen Bundesländern bei effektiv 1,51 bis 1,76 Prozent p.a. bei einer Laufzeit von fünf Jahren.

Um in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vor der Planung einer Investition das Potenzial für Energieeinsparungen besser abzuschätzen, können die Leistungen unabhängiger und qualifizierter Energieeffizienzberater in Anspruch genommen und deren Kosten zusätzlich bezuschusst werden. Die Mittel dafür stammen aus dem Sonderfonds Energieeffizienz in KMU, einer gemeinsamen Initiative von KfW und Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

Anders als EU-Zuschussprogramme wie „Öko-Innovation“ können die genannten Förderkredite in Deutschland, und zwar im Grundsatz bei jeder Sparkasse oder anderen Kreditinstituten beantragt werden. Und auf die letztendliche Entscheidung muss dabei auch nicht so lange gewartet werden wie bei Antragsverfahren in Brüssel.

Im Jahr 2009 haben Kreditinstitute in Deutschland insgesamt 1,3 Mrd. Euro an Krediten aus dem ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramm vergeben. Die Marktführerschaft der Sparkassen-Finanzgruppe ist in diesem zukunftsrelevanten Marktsegment noch größer als im Fördergeschäft allgemein. Allein 600 Mio. Euro (45,5 Prozent) der genannten Kredite wurden von Sparkassen und anderen Instituten der Finanzgruppe ausgereicht.


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