Deutschlands Regionen sind im EU-Maßstab innovationsfreudig

Dezember 2012

Deutschlands Bundesländer gehören zu den innovationsfreudigsten Regionen Europas, weisen aber auch erkennbare Unterschiede auf und entwickeln sich unterschiedlich schnell. Die größte Fortentwicklung in den letzten fünf Jahren hat dabei Niedersachsen erreicht. Somit gehört Deutschland zu den innovativsten Ländern Europas – neben Dänemark, Finnland, Schweden und der Schweiz.

Das geht aus dem „Regional Innovation Scoreboard 2012“ hervor, den die EU-Kommission Anfang November 2012 veröffentlicht hat. Es ist die dritte derartige Studie nach 2007 und 2009; sie vergleicht die Innovationsleistung in insgesamt 190 Regionen der EU sowie Kroatiens, Norwegens und der Schweiz.

Alle deutschen Länder fallen in die beiden obersten Gliederungskategorien, die jeweils in drei Untergruppen differenziert werden: „innovation leaders“ oder „innovation followers“. Etwas mehr als die Hälfte aller untersuchten europäischen Regionen liegen in diesen Gruppen: 41 „leaders“ und 58 „followers“. Die anderen beiden Kategorien – „moderate innovators“ (39) und „modest innovators“ (52) – treten in Deutschland nicht auf.

Einstufung der Bundesländer im Regional Innovation Scoreboard 2012

Innovation leader – high

Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen

Innovation leader – medium

Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz

Innovation leader – low

Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Thüringen

Innovation follower – high

Schleswig-Holstein

Innovation follower – medium

Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

Innovation follower – low

Sachsen-Anhalt


Niedersachsen ist eine der acht Regionen, die sich zwischen den bisherigen Studien jedes Mal um mindestens eine Untergruppe verbessert haben; im deutschen Fall von „innovation follower – high“ bis „innovation leader – medium“. Die anderen Regionen mit ähnlicher Weiterentwicklung sind das Pariser Becken, die französische Region Ouest, Kalabrien, Sardinien, die polnische Hauptstadtregion Mazowieckie, Lissabon und das Tessin.

Zu den untersuchten Indikatoren gehören private und öffentliche Ausgaben sowie das Ausmaß öffentlich-privater Zusammenarbeit in Forschung und Innovation, Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), Markteinführungen innovativer Produkten und Beschäftigtenzahlen in innovationsnahen Wirtschaftszweigen. Erfolgreiche Regionen zeigen eine ausgewogene Ausprägung der Indikatoren, teils mit leichter Übergewichtung entweder der Unterstützungsfaktoren („enabling factors“) oder der Ergebnisfaktoren („output factors“). In weniger innovativen Regionen stellt die Studie fest, dass dort die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, sowie zwischen Unternehmen einerseits und öffentlichen Einrichtungen andererseits, deutlich unterdurchschnittlich ausgeprägt ist.
 
EU-Förderung als Grundlage für Innovationen

Darüber hinaus versucht das Regional Innovation Scoreboard, das Ausmaß von Innovation in den Regionen in einen Zusammenhang zu bringen mit deren Nutzung von Zuschüssen aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm bzw. von Strukturfondsmitteln für Forschung, Entwicklung und Innovation. Elf Prozent der Strukturfondsauszahlungen 2000-2006 dienten diesem Zweck und 20 Prozent der Mittelzuweisungen 2007-2013. Allerdings lassen sich keine eindeutigen Muster oder gar ursächliche Zusammenhänge feststellen; einige der dynamischsten Regionen nutzten EU-Mittel kaum, bei anderen verlief die positive Entwicklung parallel zu einem gesteigerten Einsatz von EU-Förderungen.

Eine Reihe einzelner westdeutscher Regionen (Teile von Bundesländern) zeigen eine überdurchschnittliche Nutzung von Zuschüssen aus den EU-Forschungsprogrammen, die im Wettbewerbsverfahren auf EU-Ebene vergeben werden. Andere Regionen sind dennoch geringe Nutzer von Strukturfondsmitteln für Forschung, Entwicklung und Innovation – eine Situation, die außer in Deutschland auch in Großbritannien auftritt. In dieser Dichotomie sieht die Studie einen Hinweis auf die leichte Verfügbarkeit privater Geldmittel und/oder nationaler Fördermittel für Innovationen. Auf letztere geht das folgende Kapitel näher ein.

Weitere Details – unter anderem zu den untersuchten Indikatoren und zum Vergleich mit den Regionen anderer europäischer Länder – können dem Regional Innovation Scoreboard 2012 (englisch, 76 Seiten) entnommen werden: http://ec.europa.eu/enterprise/policies/innovation/policy/regional-innovation/index_en.htm

Innovationsförderung in Deutschland

Ein bundesweit verfügbares Förderprogramm für Innovationen in Deutschland ist das ERP-Innovationsprogramm der KfW. Finanziert werden daraus in der Entwicklungsphase von Produkten oder Prozessen bis zu 5 Millionen Euro je Vorhaben, und sogar bis zu 25 Millionen bei Innovationen im Zusammenhang mit der Energiewende. Teilweise können diese Förderkredite – bei KMU bis zu 60 Prozent – als Nachrangdarlehen gewährt werden; diese stärken das Eigenkapital und erleichtern damit die Fremdkapitalaufnahme.

Wie alle KfW-Förderprogramme kann das ERP-Innovationsprogramm im Grundsatz bei jedem Kreditinstitut in Deutschland beantragt werden – bei Sparkassen auch in kleineren Orten. Und der Anspruch an die „Innovation“ ist nicht so hochtrabend, wie viele glauben: bei KMU müssen ein Produkt oder ein Verfahren nur neu für das eigene Unternehmen sein.

Aus dem ERP-Innovationsprogramm sind im 1. bis 3. Quartal 2012 insgesamt 633 Millionen Euro an Unternehmen in Deutschland geflossen und 46,4 Prozent davon haben Sparkassen und Landesbanken vergeben. Die Mittel konzentrieren sich in wenigen Bundesländern, die auch im Regional Innovation Scoreboard unter den „innovation leaders - high“ auftauchen: allein nach Baden-Württemberg gingen 442 Millionen Euro (70 Prozent), nach Bayern 76 Millionen Euro (12 Prozent) und nach Hessen 33 Millionen Euro (5 Prozent). Genau dort hat die Sparkassen-Finanzgruppe überdurchschnittliche Marktanteile: in Baden-Württemberg (47,4 Prozent), aber vor allem in Bayern (59,2 Prozent) und in Hessen (59,3 Prozent).

Verknüpfung von EU- und deutscher Unterstützung

Einen interessanten zusätzlichen Aspekt können EU-Instrumente aber durchaus auch in die deutsche Innovationsförderung einbringen. Seit Anfang 2012 gibt es das „Risk-Sharing Instrument“ (RSI) als Pilotprojekt in Zusammenarbeit zwischen der EU-Kommission, die Haushaltsmittel aus dem Forschungsrahmenprogramm einbringt, und dem Europäischen Investitionsfonds (EIF), der auf dieser Grundlage Rückbürgschaften gegenüber Kreditinstituten in den Mitgliedstaaten übernehmen kann, wenn diese innovative Unternehmen finanzieren (vgl. Beitrag Europa aktuell vom Februar 2012).

In der kommenden EU-Programmperiode 2014 bis 2020 soll dieses Instrument noch ausgebaut werden im Rahmen des Programms „Horizont 2020“ – des Nachfolgers des jetzigen Forschungsrahmenprogramms. Jenes wird zusätzlich die EU-Förderung von Innovationen übernehmen – in Ergänzung zu Forschung und Entwicklung; es unterstützt dann „FuEuI“ statt nur „FuE“. Derzeit ist die Innovationsförderung der EU noch Teil des Programms CIP für „Wettbewerbsfähigkeit und Innovation“; dessen Nachfolger COSME konzentriert sich auf „Wettbewerbsfähigkeit und KMU“ und gibt die Innovationsförderung an „Horizont 2020“ ab.

Anfang November 2012 hat die KfW nun in Brüssel Ideen zur Weiterentwicklung des ERP-Innovationsprogramms präsentiert, indem eine EIF-Rückbürgschaft aus dem Risk-Sharing Instrument für eine zusätzliche Variante des ERP-Innovationsprogramms für „innovative Unternehmen“, nicht nur wie bisher für innovative Vorhaben, genutzt würde. Für die Einordnung eines Unternehmens als innovativ stehen eine ganze Reihe möglicher Kriterien zur Diskussion: erzielte Innovationspreise, eingetragene Patente, die FuE-Quote, starkes Wachstum, vorherige Förderung aus einem  Forschungs- oder Innovationsprogramm, die Beteiligung eines Venture-Capital-Fonds mit Innovationsfokus und/oder der Standort in einem Technologie-, Innovations- oder Wissenschaftspark.

Für diese Zielgruppe soll eine neue Variante des ERP-Innovationsprogramms aufgelegt werden, die innovativen Unternehmen Fremdkapital zur Verfügung stellt. Die Risiken dieser Finanzierungen würden im Rahmen einer Haftungsfreistellung zu 50 Prozent von der Hausbank und zu je 25 Prozent von KfW und EIF getragen. Geplant ist, dass diese Innovationskredite zinsvergünstigt werden, aber nicht so sehr wie die Angebote des bisherigen ERP-Innovationsprogramms.
 

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